Frühjahrauktion in Rudolstadt: 14.000 Euro für die roten Kirschen

Rudolstadt  Frühjahrsauktion mit Auktionshaus Wendl in Rudolstadt: Die Gebote für ein Stillleben mit knallig-roten Kirschen gehen durch die Decke

Telefonbieter mit Kaufkraft: Im Kunsthaus Wendl in Rudolstadt fand die Frühjahrsauktion von Kunstwerken statt.

Telefonbieter mit Kaufkraft: Im Kunsthaus Wendl in Rudolstadt fand die Frühjahrsauktion von Kunstwerken statt.

Foto: Guido Berg

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Erst dümpelte es vor sich hin. Auktionatorin Anke Wendl muss eine Dackelzeichnung, sehr filigran, für 80 Euro weggeben. „Ein Schnäppchen“, sagt sie. Für einen Kuchenteller aus Meißener Porzellan bietet erst gar niemand die 90 Euro Mindestgebot. „Es gibt bald wieder Erdbeertorte“, scherzt die Hausherrin.

Am Samstag herrscht im Kunstauktionshaus Wendl Andrang, die Frühjahrsauktion weckt doch Begehrlichkeiten. Bei den Gemälden geht es dann auch solide dreistellig weiter.

Bei einem alten Meister etwa, einen Stillleben mit knallig-roten Kirschen, liegt das Gebot gerade bei 2200 Euro, ein Sümmchen, das in der Runde schon mit einer gewissen Achtung quittiert wird.

Da ruft eine Mitarbeiterin, das Handy und somit einen Kunden am Ohr, laut in den Saal: „10.000 Euro!“

Plötzlich Unruhe. Ein Raunen. Ein Tuscheln. Weitere Mitarbeiter mit Handys am Ohr berichten „ihren“ Interessenten am anderen Ende der Leitungen, was gerade geschehen ist. Routiniert kommt von Anke Wendl ihr: „Wer bietet mehr?“

Der da irgendwo in der Ferne mit dem überraschenden Sprung in die Fünfstelligkeit alles klar machen wollte, sieht sich getäuscht. Einer der 2700 registrierten Internet-Bieter irgendwo auf der Welt geht mit. „11.000!“

Umgehend darf die Wendl-Mitarbeiterin „12.000!“ rufen. „13.000!“ kommt aus dem Internet. Doch der Telefonbieter hatte schon mit seinem Preissprung hinreichend Kaufwillen und auch Kaufvermögen demonstriert. Umgehend lässt er „14.000 Euro!“ ansagen.

Irgendwie liegt die Vermutung in der Luft, der Telefonbieter könnte das Spiel noch lange durchhalten. Der Internetbieter steigt aus. „Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten“, ruft Anke Wendl: „Glückwunsch!“

Hausinhaber Martin Wendl erklärt, warum es gerade durch die Decke ging. Das Gemälde stamme aus der guten Stube eines Antiquitäten-Händlers. Gemalt ist es im Stil eines Holländischen Meisters, doch es ist mit einer ergrauten Firnis überzogen. Der Käufer werde das Bild restaurieren lassen, glaubt Wendl. In der Hoffnung, unter dem Altlack ein noch viel schöneres Kunstwerk vorzufinden.

Wendl zieht eine positive Bilanz der Auktion. Es gebe unter den Sammlern einen Generationswechsel, was das Angebot auf dem Kunstmarkt erhöht, aber etwas die Preise senkt. Doch die neue Generation steht in den Startlöchern – sowohl bei den Sammlern, als auch bei Wendls: Tochter Julia Marie Wendl hat am Samstag auch den Hammer geschwungen.

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