Für Wohnmobilisten ist das Schwarzatal Niemandsland

Schwarzatal  Zum Saisonstart im April scheitert die Region weiter selbst an einfachsten Lösungen

Wohnmobiltouristen sind im Schwarzatal auch 2019 nur selten willkommen. So romantisch und naturnah wie hier können sie oft nur stehen, wenn sie sich abseits offizieller Möglichkeiten platzieren.

Wohnmobiltouristen sind im Schwarzatal auch 2019 nur selten willkommen. So romantisch und naturnah wie hier können sie oft nur stehen, wenn sie sich abseits offizieller Möglichkeiten platzieren.

Foto: Henry Trefz

„Es würden viele touristische Angebote ein wesentlich besseres Auskommen haben, wenn es eine höhere Übernachtungskapazität im Schwarzatal gäbe.“ Der das sagt, muss es wissen. Große Teile seines Berufslebens widmete der kürzlich zum Ehrenbürger Oberweißbachs ernannte Gerd Eberhardt dem Tourismus, ist in der Branche als Markenbotschafter in Form des Buckelapothekers wohl bekannt.

Sascha Schwarza, Geschäftsführer im Flair-Hotel Waldfrieden in Schwarzmühle und Vize im Verein Tourismusregion Rennsteig-Schwarzatal, würde diese Aussage wohl unterschreiben, nachdem er immerhin stolz darauf ist, dass die Region ihre Angebote zunehmend besser vernetzt. Doch auch er kennt die Zwänge: Sobald es um größere Reisegruppen geht, muss auch sein Haus passen. Ein Erweiterung des „Waldfrieden“ hat er schon mehrfach durchdacht, weiß aber zugleich, dass diese Investitionen vorher verdient werden müsste.

Geführt wurde diese Henne-Ei-Diskussion, als kürzlich die auch für Tourismus zuständige, Thüringer Wirtschaftsstaatssekretärin Valentina Kerst die Bergbahnregion besuchte.

Ohne Nachfrage wäre aber wohl auch diesmal nicht die Rede auf ein Tourismussegment gekommen, das seit Jahren immer mehr Fahrt aufnimmt und trotzdem hier stiefmütterlich behandelt wird: der Wohnmobiltourismus.

Kaum Fortschritte seit der letzten Analyse erreicht

Die ganz Ungeduldigen begannen schon im März, wenn sie nicht ohnehin ganzjährig unterwegs sind, für die meisten Wohnmobil-Eigner aber beginnt jetzt im April die oft ungeduldig erwartete Gültigkeit des Saisonkennzeichens und dauert bis Ende Oktober.

500 Tage ist es her, als in dieser Zeitung ein halbes Jahr vor der Zeughaus-Eröffnung analysiert wurde, dass diese Form des Tourismus im Schwarzatal kaum öffentliche Wahrnehmung erfährt. Sie fand durchaus Beachtung: „Pro Mobil“ - eine Fachzeitschrift, und seit Jahr und Tag der Förderung von lokalen Stellplatzinitiativen verpflichtet, griff das Thema auf. Getan hat sich seitdem nur sehr wenig.

Natürlich: Im Städtedreieck gibt es die Stellplätze mit der für alle Wohnmobiltouristen irgendwann (aber nicht immerzu) wichtigen Infrastruktur am Rudolstädter Schwimmbad und den Saalfelder Feengrotten, im Bad Blankenburg halten die dortigen Campingpark-Betreiber weiter tapfer eine einsame Fahne in den Wind, doch die Schwarza aufwärts befindet sich der Wohnmobilist weiter im Ungefähren.

Lokale Angebote werden nicht eingetragen

Um der Wahrheit die kleine Ehre zu geben: In Schwarzburg, wo ein großer Mangel befürchtet wurde, gibt es seitdem am Ortseingang ein neues privates Angebot. Selten war dort bisher ein Wohnmobil zu sehen, ein Zeichen dafür, dass sich das Tal als Ziel noch nicht herumgesprochen hat.

Eine Tagesgebühr von 5 Euro freilich würde mit den vorhandenen Toiletten aufgewogen. Wenn sie nicht oft außer Betrieb wären. Halten würden, mit Blick auf den überschaubaren nächtlichen Verkehrslärm, die Gäste mit ihrem Mobil sicher auch am Parkplatz des Schweizerhauses. Weil aber seit Jahresanfang hier die Türen geschlossen sind, bleibt kaum jemand länger, als bis zu dieser Erkenntnis.

Weil Sein oder Nichtsein von Stellplätzen auch außerhalb der Region starken Schwankungen unterliegt, richtet man sich heute kaum noch nach gedruckten Führern und forstet auch nicht nach Angaben auf touristischen Webseiten, sondern nutzt Spezialangebote online. www.park4night.com oder www.campercontact.de nutzen die Kraft der Community: Hier werden die Stellplätze nicht nur bewertet, sondern können Nutzer auch selbst welche neu eintragen. Es geht dabei ausdrücklich nicht vordergründig um Campingplätze und Wohnmobilstellplätze, die in Touristenhochburgen auch mehr und mehr wie solche ausgestattete sind, sondern nicht selten um eine einfache Parkmöglichkeit. Wichtiges Grundkriterium ist eine möglichst ebenerdige Fläche.

Wenn dann noch Verkehrs- oder sonstiger Lärm, etwa der Schulbus, die Müllabfuhr-Basis oder das Rangiergleis nebenan abwesend sind, hat der Wohnmobilist höchstens noch eine schöne Aussicht, einen nahen Bäcker oder einen Supermarkt als Wunsch und freut sich schon über ein paar touristische Informationen am Platz.

Auf Parkgebühren reagiert er dagegen gern mit einem Ausweichreflex, falls er sie nicht gerechtfertigt findet.

Merkwürdig: Nicht einmal jeder Privatplatzbetreiber ist motiviert, die üblichen Portale mit einem Hinweis aus seinen Platz zu bestücken. Deswegen gibt es etwa für Schwarzburg aktuell weiter nur den Hinweis auf eine Gratis-Gelegenheit gegenüber der Jugendherberge.

Den Parkplatz an der Pocherbrücke als Möglichkeit anzugeben, hat noch niemanden gereizt, dafür fand ein Nutzer eine ruhige Nacht vorm Unterweißbacher Schwimmbad. Obwohl er auf dem nirgends aufgeführten Parkplatz unter der Leibiser Staumauer wohl ebenso wenig gestört worden wäre.

Durch Sitzendorf rollt der Wohnmobilist auch weiterhin ohne ausgewiesene Möglichkeiten. Wer einen Abstecher macht, fährt hinauf durchs Sorbitztal bis nach Wittgendorf (jetzt Ortsteil von Saalfeld), wo der Stellplatz am Auebad ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bietet.

Den Parkplatz an der Talstation der Bergbahn in Obstfelderschmiede finden Nutzer erwähnenswert, auch wenn er zwischen 8 und 18 Uhr gebührenpflichtig ist. Unweit des Unterweißbach-Sitzendorfer Weihnachtsbahnhofes zu stehen, wäre sicher auch wegen des nahen gastronomischen Angebotes ein Tipp. Wenn ihn denn jemand geben würde.

So ließe sich die Reise ins Ungefähre fortsetzen: Wer sich auskennt, findet in Oberweißbach das Autohaus Friedrich unweit des Supermarktes und sein Angebot - touristische Werbung macht dort aber niemand. Auf den Kirchberg hinauf lockt ein Sträßchen aufs Plateau unterm Fröbelturm, doch hapert es hier mit der Ebenheit. Auch der neue Fröbelturmwirt Ronny Nöller hätte - wie schon weiland am Barigauer Turm, bestimmt nichts gegen ein paar Nachtwachen auf dem Parkplatz, solange sie den Pkw genug Platz lassen. Nur wissen müsste man es. Lichtenhain und Cursdorf böten einige wenige Parkflächen, die nachts genug Platz hätten, wenn ein Bewusstsein dafür da wäre, der Exkurs ließe sich beliebig fortsetzen.

In Meuselbach fand Bürgermeister Jörg Peter, als die Ortschaft noch selbstständig war, ein paar Plätze am Ortsrand eine Überlegung wert, doch Plätze, von denen keiner spricht, bleiben Geheimtipps und werden nicht von allein das, was Gerd Eberhardt als Beitrag zu mehr Touristen im Tal ganz allgemein gesehen hätte.

Vorhandene Plätze bleiben Geheimtipps

Den Parkplatz am Bahnhof Meuselbach-Schwarzmühle der Schwarzatalbahn als Areal zum Parken zu nutzen und den Benutzern die Infrastruktur des „Waldfrieden“ anzudienen, könnte derweil wenigstens indirekt die Kapazitätssorgen von Hotelier Sascha Schwarze lindern helfen.

Einer konzertierten Aktion, wenigstens in ein paar Schilder mit dem zeitlich begrenzten Parkhinweis für Wohnmobile aufzustellen, müsste dann nur noch eine in den einschlägigen Internetportalen folgen. Und die Sommerfrische Schwarzatal wäre auf neue Weise sogar ein Frühlingstipp.

Potenzielle Stellplätze in der Einzelkritik als Diaschau unter https://rudolstadt.otz.de