Gefangene aus Hohenleuben legen gemeinsam mit Greizer Bibliothek Buch vor

Greiz  Am Dienstag wurden Texte aus „Kopfkino: Geschichten aus dem Knast“ präsentiert

Nach der Lesung war für die Gefangenen Autogrammstunde angesagt.

Nach der Lesung war für die Gefangenen Autogrammstunde angesagt.

Foto: Karsten Schaarschmidt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Geschichten, die das Leben schreibt“, diese Floskel erhält eine ganz neue Bedeutung, wenn bekannt ist, dass die Autoren der Geschichten im Knast sitzen. In dem soeben in der Edition Outbird Gera erschienenen Band „Kopfkino: Geschichten aus dem Knast“ ist genau das der Fall. Versammelt sind in der Anthologie Kurzprosa, Lyrik und Rap-Texte aus der Feder von ehemaligen oder jetzigen Gefangenen der Justizvollzugsanstalt (JVA) Hohenleuben.

Maßgeblich am Zustandekommen beteiligt ist die Greizer Bibliothek und deren Chefin Corina Gutmann. Am Dienstag brachten dort vier „gefangene Autoren“ das Kopfkino zum Flimmern und ernteten das große Lob des Publikums sowie den Dank der Bibliothekschefin für die Mitarbeit.

„Ich bin stolz und dankbar, dass nun das Buch vorliegt“, sagte Gutmann, die seit 2012 über die Greizer Bibliothek verschiedene Schreibworkshops unter anderem auch mit dem Poetry- Slamer Dalibor Markovic in Hohenleuben organisiert. Und nicht nur bei den Gefangenen stieß und stößt sie auf offene Ohren. Auch die JVA-Leitung und nicht zuletzt Justizvollzugsbeamtin Anke Hartmann unterstützen die Schreibprojekte.

Nach einer CD ist das Buch nun das zweite Produkt, das die Öffentlichkeit vom schöpferischen Tun hinter Gefängnismauern informiert. Und keinen Zweifel lässt Corina Gutmann an der Qualität des Werks: „Wenn zwei kreative Weiber, wie Anke Hartmann und ich, etwas mit den Gefangenen auf den Weg bringen, dann kann das nur gut sein“, sagt die Bibliothekschefin.

Gemeinsam mit vier Gefangenen präsentierten die beiden Frauen am Dienstag Auszüge aus den Texten. Kindheitserinnerungen und Biografisches finden sich ebenso in ihnen wie Selbstreflexionen über die Zeit hinter Gittern, aber auch fiktive Geschichten liegen zwischen den Buchdeckeln, und natürlich schwingt viel Hoffnung mit für die Zeit nach der Strafe. Hoffnung, „den Mist, den man gebaut hat“ für immer hinter sich zu lassen, einen Neuanfang zu wagen mit einer intakten Familie, die manch einer der Autoren bislang selbst nie hatte.

Die Texte künden allesamt von Talent und verdienen den Begriff Literatur. In ihrer Authentizität gestatten sie nicht nur einen Blick hinter die Knastmauern, sondern geben zudem Einblicke ins Innere der Autoren, wobei sie davon zeugen, dass hinter einer äußerlich rauen Schale eine sensible Seele wohnt.

Wie die Haft einen Menschen verändert, davon kündeten neben den Texten auch die selbst verfassten Lieder, mit denen einer der Gefangenen die Lesung mit Gesang und Gitarre ausdrucksstark begleitete. „Selbst Könige werden zu Bauern“, heißt es in dem Song „Drang nach Freiheit“, der erahnen lässt, wie gnadenlos die Knasthierarchie zuschlägt.

Für die Zuhörer, vor allem aber für die Gefangenen, sind das empfehlens- und lesenswerte Buch sowie die Buchpräsentation in Greiz ein mess- und greifbarer Erfolg. Und dieser wird in Kürze seine Fortsetzung und einen weiteren Höhepunkt finden. Denn am 23. März präsentieren die Gefangenen und Herausgeberin Corina Gutmann die Anthologie auf der Leipziger Buchmesse.

Gast und Mitakteur wird dort zudem der „Soko Leipzig“-Schauspieler Steffen Schröder sein, wie die Bibliothekschefin mit Freude verkündete.

Corina Gutmann (Hrsg.), „Kopfkino: Geschichten aus dem Knast“, Edition Outbird, 138 Seiten, 11,90 Euro

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren