Humboldt-Gymnasium Nordhausen wird ab Montag zum Corona-Testzentrum

Nordhausen.  Interview: Vize-Schulleiter Volker Vogt zu den Folgen der Corona-Infektion am Humboldt-Gymnasium. Etwa 300 Menschen müssen in Isolation.

Volker Vogt ist Vize-Schulleiter am Humboldt-Gymnasium. 

Volker Vogt ist Vize-Schulleiter am Humboldt-Gymnasium. 

Foto: Christoph Keil

„Ich wünsche euch schöne Ferien, wir sehen uns nach den Ferien wieder.“ Noch bei der Sport-Ass-Ehrung war für Volker Vogt, stellvertretender Schulleiter am Humboldt-Gymnasium, alles alltäglich. Doch das änderte sich keine 24 Stunden später mit der Nachricht von einer positiv auf das Coronavirus getesteten Person aus der Schule. Über die Folgen sprachen wir mit ihm am Samstag. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Wie geht es der mit Coronavirus infizierten Person?

Zum Glück ist sie symptomfrei. Ich hatte am Freitag um 14.30 Uhr einen Anruf aus dem Gesundheitsamt, dass eine Person auf das Coronavirus positiv getestet wurde. Seitdem stehen wir mit dem Landkreis, dem Schulamt, der Stadtverwaltung und natürlich den Eltern in engem Austausch.

Wie geht es Ihnen?

Ich fühle mich gesund, bin hier quasi in schulischer Quarantäne, habe allein von Freitagnachmittag bis Mitternacht und von Samstag zwischen 8 und 12 Uhr über 100 Telefonate geführt. All die Fragen galt es abzuarbeiten. Es ist schön, Unsicherheiten nehmen zu können. Es waren angenehme Gespräche. Viele Eltern und Kollegen haben ihre Hilfe angeboten, darüber freue ich mich sehr. Das beruhigt. Wie geschafft ich bin, merke ich in drei Tagen (lacht).

Was bedeutet der Corona-Fall für Ihre Schüler und Lehrkräfte konkret?

Es ist ein Querschnitt aus allen Klassenstufen betroffen. In einem direkten schulischen Kontakt zur infizierten Person standen mehr als 280 Schüler sowie das Kollegium der Lehrkräfte. Schüler der Unter- und Oberstufe müssen also in häusliche Quarantäne. All diese Kontaktpersonen müssen getestet werden, damit wir Gewissheit haben, wer noch infiziert ist.

Wie soll eine so große Zahl an Tests durchgeführt werden?

Da unsere Schule zurzeit leer steht und viel Platz bietet, habe ich vorgeschlagen, dass die Tests in unserer Schule durchgeführt werden. Zwei Teams der Kassenärztlichen Vereinigung werden also am Montag aus Greiz hierherkommen und um 8.30 Uhr mit dem Testen beginnen. Zeit ist dann bis 20 Uhr, ebenso am Dienstag und wenn nötig auch am Mittwoch. Schon jetzt zeigt sich, wie hilfreich es ist, auf unsere schulische Infrastruktur zurückgreifen zu können. So konnte ich zum Beispiel beruhigen: Es braucht nicht Hunderte Kugelschreiber zum Ausfüllen der Formulare – wir können diese vielmehr auf unserem Digitalen Schwarzen Brett und unsere Homepage einstellen, so dass die Schüler diese schon ausgedruckt und unterschrieben mitbringen können.

Wie beurteilen Sie den Zeitpunkt dieses Corona-Falls so kurz vor den Ferien?

Generell war es eine Frage der Zeit, wann das passiert. Es ist natürlich sehr schade und es tut mir für die Personen leid, die in den Urlaub wollten oder beispielsweise Jugendweihe gefeiert hätten. Bisher hatten wir viel Glück. Wir haben die Hygieneregeln im Vorfeld eingehalten und sie waren ausreichend.

Ist es überhaupt in dieser Jahreszeit möglich, oft genug zu lüften?

Lüften gehörte schon immer zur Pflicht eines Lehrers. Ein dreimaliger Raumluftwechsel pro Unterrichtsstunde sollte eingehalten werden. Die Fenstergröße bestimmt die Zeit beim Luftaustausch. Da dies in der kalten Jahreszeit schneller geht, muss man nicht die Fenster permanent geöffnet lassen. Wichtig ist aber auch eine angepasste Kleidung an die Jahreszeit. Hier gehen Modeempfinden und Vernunft bei einigen Schülern weit auseinander.

Welche Botschaft an die Humboldtianer liegt Ihnen momentan am meisten am Herzen?

Wichtig ist: keine Panik. Wir als Schule haben zugleich natürlich volles Verständnis für ein gewisses Maß an Unmut in dieser Situation.

Nachverfolgung von rund 400 Kontaktpersonen wird zum Kraftakt für das Landratsamt

  • Bis zu 38 Mitarbeiter waren am Wochenende im Landratsamt in die Kontaktnachverfolgung und Hotline-Betreuung involviert. Mehr als 280 Schüler und die Lehrer vom Humboldt-Gymnasium sowie weitere rund 100 Personen, die zu einem der beiden jüngsten Corona-Fälle bei medizinischem Personal Kontakt hatten, waren zu verständigen.
  • Sie alle, informierte das Landratsamt am Samstag, müssen für 14 Tage in häuslicher Quarantäne bleiben, wobei der letzte Kontakt mit der infizierten Person maßgeblich ist. Am Freitag hieß es zunächst noch mit Blick auf das Gymnasium, die Kontaktpersonen dürfen nur den Landkreis nicht verlassen.
  • Bis Sonntagnachmittag hatte das Gesundheitsamt etwa drei Viertel der betroffenen Lehrer und Schüler telefonisch erreicht, um einen Testtermin zu vereinbaren. Bis Mitternacht wurde weitergearbeitet, am Montag soll die Arbeit fortgesetzt werden. Eltern, die keinen Anruf erhalten, können sich direkt im Gesundheitsamt melden unter 03631 / 911 5400, E-Mail: gesundheitswesen@lrandh.thueringen.de.
  • An Tests mangelt es laut Landratsamt derzeit nicht. Die nun ab Montag geplanten Tests am Humboldt-Gymnasium in der Domstraße finden mehrere Tagen nach dem Kontakt statt, um verwertbare Ergebnisse erhalten zu können, hieß es aus dem Landratsamt. Meist würden die Testergebnisse nach ein bis zwei Tagen vorliegen.
  • Allerdings braucht es dafür genügend Laborkapazitäten. Und inwieweit die Labore ausgelastet sind, hängt nicht vom Infektionsgeschehen im Landkreis Nordhausen ab, sondern auch von dem in anderen Regionen.
  • Im Fall der beiden Infektionen in einem „medizinischen Cluster“ benannte das Landratsamt auch am Wochenende die betroffene Einrichtung nicht – „aus datenschutzrechtlichen Gründen und der ärztlichen Schweigepflicht“.Alle betroffenen rund 100 Kontaktpersonen wurden bereits angerufen, umfangreiche Tests folgten, da in diesen Fällen die Kontaktzeitpunkte schon länger zurückliegen. Am Sonntag waren jedoch nicht nicht alle Tests labordiagnostisch ausgewertet. Die schon vorliegenden Ergebnisse sind alle negativ.