Grüner ist wärmer: Saalfelder Fachbetrieb dämmt erstmals mit Hanf

Victoria Augener
| Lesedauer: 2 Minuten
Benjamin Hüfner und Danny Häusler bringen Hanfplatten an ein Haus in Saalfeld an. Kleines Bild:

Benjamin Hüfner und Danny Häusler bringen Hanfplatten an ein Haus in Saalfeld an. Kleines Bild:

Foto: Victoria Augener, Heike Enzian

Saalfeld  Saalfelder Malerfachbetrieb verwendet Platten aus der Naturfaser, um ein Haus zu dämmen

Wärme im Sommer aussperren und im Winter im Haus behalten – das sind die Aufgabe einer guten Wärmedämmung. Bisher wird in Deutschland größtenteils mit Mineralwolle und Schaumkunststoffen gedämmt. In der Saalfelder Kulmstraße kommt hingegen Hanf an die Wände.

Während Hanf aufgrund der Verwendung als Rauschmittel einen zweifelhaften Ruf genießt, ist die Pflanze vielseitig einsetzbar. Als Dämmmaterial stellt es eine grüne Alternative zu den gängigen Dämmstoffen dar. Denn Hanf wächst nach – im Gegensatz zu Polystyrol, das zu großen Teilen aus Erdöl besteht. Bei der Verarbeitung von Hanf wird weniger Energie benötigt, als bei der Herstellung . Auch die Dämmeigenschaften der Naturfaser überzeugen: Ihre Wärmeleitfähigkeit ist ebenso gering wie die von Mineralwolle und Kunstschaumstoffen, sie dämmt Schall und ist feuchtigkeits- und schädlingsresistent. Allerdings ist Hanf leichter entflammbar.

Benjamin Hüfner und Danny Häusner gefällt das Arbeiten mit den Hanfplatten. Ihr Arbeitgeber, der Malerfachbetrieb Weedermann, hat das erste Mal einen derartigen Auftrag angenommen. Wie sie berichten, sei der Hanf etwas schwerer als die üblichen Dämmmaterialien und müsse eigens zugeschnitten werden. Dafür überzeugt er in der Dämmleistung.

„Das ist die Zukunft der Häuserdämmung“, sagt Gerhard Weedermann, Geschäftsführer des gleichnamigen Malerfachbetriebes. Er ist überzeugt, dass Hanf als Dämmstoff an Bedeutung gewinnen wird. Zusammen mit Kalk und Wasser kann aus Hanf auch Beton hergestellt werden. Der Baustoff ist vielfach leichter als herkömmlicher Beton und reguliert das Raumklima.

Die Hanfplatten, die bei der Dämmung des Saalfelder Hauses verwendet werden, stammen aus Österreich. Hanf wird jedoch auch im Landkreis produziert. 2017 hat die Agrargenossenschaft Engerda-Heilingen auf einem Feld bei Neusitz erstmals Hanf angebaut. Die Samen werden zu Hanföl verarbeitet, aus dem Stroh werden Fasern gewonnen, die in der Automobilindustrie zur Anwendung kommen.

Die Firma Isowood aus Schwarza verarbeitet Hanf gemischt zu Nadelfilz, der im Autoinnenraum verbaut wird. Die Advanced Compounding Rudolstadt GmbH nutzt Hanf und andere nachwachsende Rohstoffe zur Herstellung eines Granulats, aus dem zum Beispiel Kinderspielzeug entsteht.