Jena: Neubau von Zeiss macht Nachbarn noch nicht heiß

Jena  Die Stadt Jena gibt Bürgerinformationen zum Neubau von Zeiss im Südviertel. Die meisten Fragen der Anwohner drehen sich um das Thema Verkehr.

Wie kommt der Schwerlastverkehr zur Zeiss-Baustelle? Das war eine Frage bei der Bürgerversammlung.

Wie kommt der Schwerlastverkehr zur Zeiss-Baustelle? Das war eine Frage bei der Bürgerversammlung.

Foto: Thomas Beier

Das Neubauvorhaben der Firma Carl Zeiss hat die Turnhalle nicht einmal zur Hälfte gefüllt. Etwa 50 Anwohner waren da, um sich bei einer Veranstaltung der Stadt über den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Neue Carl-Zeiss-Promenade“ zu informieren. So viel lässt sich über die Stimmungslage im Südviertel sagen: Die Bürger stehen dem Vorhaben wohlwollend gegenüber. Es scheint da so etwas wie den Zeiss-Bonus zu geben – viele Fragen gibt es aber auch. Und es besteht die Sorge, dass die Stadt nicht Schritt hält mit den Veränderungen im Viertel.

Verkehrsanbindung

Am meisten nachgefragt wurde, wie die Menschen zum neuen Zeiss-Standort gelangen. Als Haupterschließung wird es eine Gewerbestraße geben, die unterhalb des Jenapharm-Hochhauses (heute Ever-Pharma) von der Schott-Straße abzweigt, dann nach Süden über den heutigen Parkplatz führt, scharf nach rechts abbiegt und dann auf die Lichtenhainer Straße trifft, die heute noch als Sackgasse am Werkstor endet.

Mitarbeiterparken

Die Zeiss-Mitarbeiter sollen nicht den ohnehin knappen Parkraum im Südviertel belegen. Dem werden ein neues Parkhaus an der Moritz-von-Rohr-Straße dienen und weitere Stellplätze auf dem Gelände. Diese werden auch von der Kahlaischen Straße aus über den Sandweg erreichbar sein.

Bus und Bahn

Noch besser wäre es aus Sicht der Stadt, wenn mehr Mitarbeiter mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Deshalb soll dem Westbahnhof eine größere Bedeutung zukommen, als dies im Verkehrsgutachten bisher nachzulesen ist. Bürgermeister Christian Gerlitz (SPD) sprach von einem Wettbewerb zur Umfeldgestaltung des Areals auf der Westseite des Bahnhofs.

Baustellenverkehr

Beim Abriss fallen täglich bis zu 50 Lkw Bauschutt an. Die Hoffnung der Stadt, dass sich zum Abtransport des Materials eine temporäre Anschlussbahn einrichten lässt, erfüllte sich nicht. Das Genehmigungsverfahren für die Trümmerbahn wäre sehr aufwendig gewesen. Beim Bürgerforum stieß dies teils auf Unverständnis, es gehe doch nur um 400 Meter Schiene auf einem vorhandenen Bahndamm.

Radweg

Wegen der Hoffnung auf die Anschlussbahn war der Bau eines Hauptradweges zum Beutenberg, der diese Trasse mitbenutzt hätte, vertagt worden. Bürgermeister Christian Gerlitz sagte zu den Bürgern, dass das Projekt zwar auf die nächste Förderperiode verschoben sei, der Bau des Radweges ansonsten aber so sicher sei, „wie das Amen in der Kirche“.

Mehr Grün

Vertreter des Zeiss-Konzerns sagten zu den Bürgern, dass es Anspruch des Unternehmens sei, am neuen Standort eine offene und einladende Architektur zu schaffen. 80 Prozent des Plangebietes werden über- oder unterbaut. Dennoch soll es in dem Areal spürbar mehr Grün als heute geben. 60 Bäume und 50 Sträucher sollen gepflanzt werden. Für zwölf Straßenbäume soll an der verlängerten Lichtenhainer Straße Platz sein.

Was wird aus Bau 6/70?

Das Gebäude des für Zeiss bald überflüssigen Südwerkes möchte das Unternehmen an die Landesentwicklungsgesellschaft verkaufen. Die Landeseinrichtung hat sich auf die Entwicklung von Flächen und Industrie-Brachen spezialisiert. Das Backstein-Ensemble an der Otto-Schott-Straße bleibt bestehen. Hier zieht zunächst das Baubüro ein. Über die spätere Nutzung ist noch nicht entschieden.

Wo liegen die Pläne?

Der Vorentwurf einschließlich Gutachten ist vom 18. Juni bis 5. Juli während der Öffnungszeiten der Stadtverwaltung im Verwaltungsgebäude Am Anger 26, 2. Etage, öffentlich einsehbar. Die Zeiten sind: Montag, Dienstag und Mittwoch von 8 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr, Donnerstag auch bis 18 Uhr, Freitag nur 8 bis 12 Uhr.

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