Jena: Nitzsche und Schröter in der Stichwahl

Jena  Faustdicke Überraschung: Der liberale Herausforderer Thomas Nitzsche von der FDP liegt in Jena noch vor dem SPD-Amtsinhaber Albrecht Schröder.

Ziehen gemeinsam in die Stichwahl um das Amt des Jenaer OB: Amtsinhaber Albrecht Schröter (SPD), rechts, und Thomas Nitzsche (FDP).

Ziehen gemeinsam in die Stichwahl um das Amt des Jenaer OB: Amtsinhaber Albrecht Schröter (SPD), rechts, und Thomas Nitzsche (FDP).

Foto: Michael Groß

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Keine Sensation, aber doch eine faustdicke Überraschung: Mit einem Vorsprung von 1081 Stimmen gewann Thomas Nitzsche (FDP) den ersten Wahlgang. Er trifft in zwei Wochen auf den Amtsinhaber Albrecht Schröter (SPD), der bei der Oberbürgermeisterwahl auf 24,5 Prozent der Stimmen kam und damit 2,4 Prozentpunkte hinter seinem liberalen Herausforderer lag.

„Ich freue mich, auch wenn ich nicht ganz zufrieden bin“, sagte Albrecht Schröter am Abend bei einer Pressekonferenz im Rathaus. Er verhehlte nicht, dass er liebend gern mit einem Vorsprung in die Stichwahl gegangen wäre. Schon deshalb erinnerte er an das Jahr 2006: Auch damals lag sein Herausforderer – es war Christoph Schwind (CDU) – vorn und zog am Ende doch den Kürzeren.

Thomas Nitzsche war angesichts seines Ergebnisses überwältig. Der FDP-Mann stand für den Wechsel, peilte die Stichwahl an und kam auf ein besseres Ergebnis als erwartet. Er wolle die zwei Wochen nun intensiv dafür nutzen, um weiterhin den Bürgern seine Vorstellungen zu vermitteln. Dass er nun auf Rang 1 liege, habe er zwar nicht ganz so erwartet, doch in die Stichwahl wollte er schon kommen. Das sei erst mal geschafft, nun gelte es, auch in zwei Wochen die Nase vorn zu haben.

Dass beide Kandidaten die nächsten Tage nicht nur mit weiterem Wahlkampf verbringen werden, darüber hielten sie sich gestern noch recht bedeckt. Aber es dürften nun auch Werbungen in den anderen Parteizentralen anstehen: Man hofft auf Wahlempfehlungen, auch wenn man dies noch nicht zugeben möchte. Im Büro der Linken zeigte man sich dazu gestern reserviert. Ausschließen wolle man nichts. Man wolle aber nach Auswertung der Wahlergebnisse erst mal darüber in der Partei reden. Am heutigen Montagabend soll dazu schon diskutiert werden, hieß es vom Linke-Kreisvorsitzenden Jens Thomas.

Nicht zufrieden waren Benjamin Koppe (CDU), Martina Flämmich-Winckler (Linke) und Denis Peisker (Bündnisgrüne). Er habe immerhin auf ein zweistelliges Ergebnis gehofft, sagte Peisker, der auf 7,6 Prozent kam und damit ein schlechteres Ergebnis als Denny Jankowski (AfD) einfuhr.

Ganz allgemein: Flämmich-Winckler erinnerte daran, dass mit Schröter, Peisker und Koppe die Vertreter der Koalition deutlich unter 50 Prozent geblieben sei. Die Frage, ob man sich mit 14,1 Prozent der Stimmen als Dezernent empfehle, wollte Koppe nicht zulassen: Das sei eine OB-Wahl gewesen. Es gilt ausgemachte Sache in der Stadtratskoalition, dass Koppe die Nachfolge von Frank Jauch (SPD) und damit neuer Finanzdezernent wird. Der aber wird im Stadtrat gewählt. Zufrieden mit dem jeweiligen Abschneiden waren Heidrun Jänchen (Piraten), Denny Jankowski und der parteilos Sandro Dreßler. Der AfD-Mann kündigte an, bei der Stadtratswahl im kommenden Jahr ein noch besseres Ergebnis holen zu wollen. Auch wenn Jena ein schwieriges Pflaster sei.

Bereits bei zehn Prozent der ausgezählten Stimmen stand das Duo fest, das es letztlich in die Stichwahl schaffte – Amtsinhaber Schröter und Nitzsche. Hatte Schröter da noch einen knappen Vorsprung von drei Prozent, so übernahm Nitzsche bei 20 Prozent der ausgezählten Wahlbezirke die Führung und gab sie nicht wieder her.

Bis dahin hatten sich auch einige Interessenten mehr in den Plenarsaal des Rathauses gewagt. Es waren vor allem Anhänger des Siegers, der in diesem Falle Nitzsche hieß. Martin Herzog zum Beispiel zeigte sich sehr angetan: „Nitzsche war der überzeugendste Kandidat. Er konnte zu allen Sachfragen die fundiertesten Antworten im Wahlkampf geben.“ Aber auch Ralf Kleist von den Grünen zeigte sich mächtig überrascht vom guten Abschneiden Nitzsches. Das habe er so eindeutig nicht erwartet.

Als einziger ranghoher Politiker hatte sich Bürgermeister Frank Schenker (CDU) eingefunden. Er zeigte sich enttäuscht über das Ergebnis seines Kandidaten Benjamin Koppe, der nur Dritter wurde. „Vielleicht erschien er doch vielen Wählern als zu jung“, vermutete er. Er bescheinigte Koppe allerdings auch einen sehr engagierten Wahlkampf. Die Einsatzfreude vor allem der zahlreichen jungen Unterstützer Koppes sei beeindruckend gewesen. Schenker glaubte im Vorfeld der OB-Wahl, eine leichte Wechselstimmung wahrgenommen zu haben.

Schenker konnte das Wahlergebnis aber auch mit einem souveränen Lächeln sehen: Egal, ob nun ein neuer oder der bisherige OB – beide wären ja nur noch ein paar Monate sein Chef. Schenker geht ja im Herbst in den Ruhestand.

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