Jenaer Stiftung für Kinder- und Jugendfußball will Talente halten

Nicht nur Fachkräfte wandern ab. Der Ausverkauf Thüringens beginnt schon im Juniorenalter. Selbst um junge Fußballer, gerade einmal zwölf Jahre geworden, buhlen Bundesligisten mit aller Macht.

Wollen eine Stiftung für den Nachwuchsfußball in der Region gründen: Stefan Treitl vom Sportgymnasium Jena, Hartmut Beyer als Präsident des FC Carl Zeiss und Stiftungsexperte Prof. Olaf Werner (von links).   Foto: Tino Zippel

Wollen eine Stiftung für den Nachwuchsfußball in der Region gründen: Stefan Treitl vom Sportgymnasium Jena, Hartmut Beyer als Präsident des FC Carl Zeiss und Stiftungsexperte Prof. Olaf Werner (von links). Foto: Tino Zippel

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Jena. Kleine Vereine, aber selbst das Aushängeschild der Region, der FC Carl Zeiss Jena, können nicht mithalten. Zwar investiert der Fußball-Drittligist 300 000 Euro pro Jahr in seine Nachwuchsabteilung. "Das reicht hinten und vorne nicht, um in obersten Regionen wettbewerbsfähig zu arbeiten", sagt Stefan Treitl, Lehrer am GutsMuths-Sportgymnasium in Jena. Bundesliga-Vereine investieren das 25-fache in die Jugend und beschleunigen mit monatlichen Gehältern für die jungen Spieler die Abwanderung aus Thüringen.

Ein Zeichen dagegen will nun der Präsident des FC Carl Zeiss Jena, Hartmut Beyer, durch eine Fußballstiftung setzen. Er gewann den Experten Prof. Olaf Werner von der Jenaer Universität, der schon über 100 Stiftungen aus der Taufe hob. Dem Stiftungszweck fühlt er sich besonders verbunden. "Ich habe einst aus dem Sport Motivation für meinen Lebensweg gezogen, gelernt, mit Nackenschlägen umzugehen", sagt Prof. Werner. Ziel sei es zunächst, eine Gründungssumme von 50 000 Euro zu sammeln. Aus deren jährlichen Zinsen wird die Ausbildung von jungen Fußballern gefördert, sei es durch zusätzliche Trainer oder Material. Freilich muss das Ziel sein, eine wesentlich höhere Summe einzuwerben. Von jährlichen Zinsen in der Größenordnung von 2000 Euro lassen sich keine großen Sprünge machen.

Insgeheim dürften sich die Initiatoren durchaus Hoffnung machen, dass auch Großunternehmen für die gemeinnützige Stiftung spenden, die ansonsten nichts für den Fußball ausgeben. Schließlich kommen diese Beträge nicht dem Profisport, sondern der Jugend zugute, verfolgen also einen sozialen Zweck. Womöglich lässt sich auf diesem Wege auch Namensgeber Carl Zeiss aus der Deckung locken, nach Jahren der Abstinenz den eigenen Club wieder zu unterstützen.

Allerdings soll die Stiftung weiter greifen. Laut Beyer werden auch der Nachwuchs des Frauenvereins FF USV Jena oder kleinere Vereine berücksichtigt. Der Fokus zielt nicht allein auf Jena, sondern auch auf die Region. Und aus dem Umland sollen Talente nach Jena strömen, so aus Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Nordhessen oder dem fränkischen Raum. Auch die finanzielle Unterstützung von jugendlichen Fußballspielern steht auf der Agenda, allerdings nur in Notlagen, um ihnen den Zugang zum Fußballsport zu gewähren. Ein Kuratorium wacht über die Verteilung der Mittel.

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