Jenas sieben Wunder per Postkarte

Jena  Jenzig, Fuchsturm, Kirch-Durchgang, Schnapphans, Brücke, Drache und Weigelsches Haus gibt es jetzt in „Böhnischer Manier“.

Gerlinde Böhnisch-Metzmacher hat für das Stadtmuseum ein Postkarten-Set mit den sieben Wundern von Jena entworfen. Die Motive gibt es auch zum Ausmalen und als Button zum Anheften.

Gerlinde Böhnisch-Metzmacher hat für das Stadtmuseum ein Postkarten-Set mit den sieben Wundern von Jena entworfen. Die Motive gibt es auch zum Ausmalen und als Button zum Anheften.

Foto: Thomas Stridde

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Jena ist eine wundervolle Stadt. Die Aussage ist schon allein deshalb unstrittig, weil in der Geschichte der Stadt sieben Wunder verankert sind mit dem Altar-Durchgang der Stadtkirche, dem Schnapphans, dem Drachen, dem Jenzig-Berg, der Camsdorfer Brücke, dem Fuchsturm und dem Weigelschen Haus.

Und so lässt es sich als tiefsinniger Gruß fürs neue Jahr deuten, dass die Jenaer Wunder in magischer Zahl auf neue Weise gerade jetzt ans Licht kommen: Vom kommenden Freitag an wird an der Kasse des Stadtmuseums Göhre ein Set mit sieben Postkarten dieser wundervollen Jenaer Art angeboten, die auch als Einzelstücke zu haben sind. Gezeichnet worden sind die Motive von Gerlinde Böhnisch-Metzmacher, der Grande Dame des bildnerischen Schaffens dieser Stadt.

Vom Flaschenetikett zum Museumsprojekt

Die Idee zum Projekt rührt von einem Gespräch her, das Birgitt Hellmann, die Kuratorin für Stadtgeschichte in der Göhre, mit dem Weinhändler Jörg Dietrich führte. Er hatte sich beraten lassen, wie sich die Etikette einer Geschenkedition Jenaer Weines gestalten ließen: klar – mit den sieben Jenaer Wundern.

„Das war so schön, dass ich mir dachte: Wäre doch auch was fürs Museum!“, sagt Birgitt Hellmann. Nicht schwer sei es gewesen, Gerlinde Böhnisch-Metzmacher für das Vorhaben zu gewinnen, die den sieben Wundern mit Feinliner, Tusche und Buntstiften neue eigenständige zeichnerische Formen gab, eben „in der Böhnischen Manier“, wie Birgitt Hellmann formuliert.

Auf die Frage nach ihrem Lieblingswunder möchte sich Gerlinde Böhnisch-Metzmacher nicht so genau festlegen. Aber der Durchgang an der Ostseite der Stadtkirche unterm Altarraum sei ja schon einmal baulich ein Wunder. „Das kennt man sonst von keiner Kirche.“ Und eine recht innige gestalterische Beziehung hat die Künstlerin über Jahre zum ­Schnapphans aufgebaut, dem Narrenkopf, der stündlich an der Rathausuhr nach einer goldenen Kugel schnappt. Gerlinde Böhnisch-Metzmacher kann darauf verweisen, dass sie 1995 denn Schnapphans als Signet für den Verein Jenaer Tafel gestaltet hat. „Er sitzt mit Messer und Gabel, hat die Backe dick vom Kloß im Mund, was so viel heißt wie: Jetzt hat er was zu essen gekriegt.“ Für das Postkarten-Motiv habe sie den Schnapp-Ball ein wenig vor den Mund des eigentlich recht finster anmutenden Narren in Position gebracht, „um ihn nicht ganz so gräulich aussehen zu lassen“. Was den siebenköpfigen Drachen angeht, der um das Jahr 1600 wohl von Studenten gebastelt wurde: Hier sah Gerlinde Böhnisch-Metzmacher das Problem des herkömmlichen Fotos. „Da überschneiden sich die Köpfe. Also hab ich sie ein bisschen anders arrangiert.“

Einst als Merk-Vers auf der Walz

Birgitt Hellmann ist sich recht sicher, dass die stadtgeschichtliche Pflege von Wundern der Jenaer Art andernorts so nicht zu finden ist.

Als Ursprung dürfe wohl der Merk-Vers stehen, in dem die sieben Wunder auf Lateinisch zusammengefasst sind: „Ara, caput, draco, mons, pons, vulpecula turris, Weigeliana domus, septem miracula Jenae.“ Woanders habe es ebenfalls Merk-Verse gegeben, die den Gesellen auf der Walz als Beweise gedient hätten, dass sie dort und dort gewesen waren. Aber die Fixierung auf Wunder – andernorts Fehlanzeige.

Gerlinde Böhnisch-Metzmachers neue Sieben-Wunder-Motive gibt es nicht nur im Postkartenformat. Die Museumspädagoginnen werden den Kindern Schnapphans & Co. auch als Vorlagen zum Ausmalen präsentieren können.

Zudem ist ein jedes der sieben Wunder zwecks Einteilung der Kindergruppen als kleiner Button vorrätig, der gut auf dem Pullover anhaftet. Gut vorstellbar ist also der Hinweis der Museumspädagogin: „So, mir folgen jetzt mal bitte alle Schnapphänse.“

Die Sieben Wunder von Jena in Postkarten-Form können vom kommenden Freitag an im Stadtmuseum zum Preis von 7 Euro erworben werden. Ein Séparée mit einer Dauerausstellung zu den sieben Wundern befindet sich rechter Hand am Eingang des Stadtmuseums. Führungen dazu können gebucht werden über Telefon (03641) 49 8253 oder 49 8262

Die sieben Wunder von Jena:

Ara – Altar, der Durchgang unterm Altarraum der Stadtkirche, einst genutzt für Prozessionen der Zisterzenserinnen, deren Kloster sich auf der Rückseite der Kirche befand.

Caput – der Schnapphans, ein Narrenkopf, der seit Ende des 15. Jahrhunderts unter der Rathaus-Uhr angebracht war. Seit einem Umbau (1755) schnappt der Kopf vergeblich nach einer Goldkugel.

Draco – das siebenköpfige Ungeheuer, um 1600 von Studenten aus Draht, Gips und Knochen gestaltet.

Mons – der Jenzig, wegen des weißen Kalksteins auch im Sommer wie schneebedeckt ausschauend.

Pons – die Camsdorfer Brücke, seit ihrem Bau um 1480 wichtigster Saale-Übergang.

Vulpecula turris – der Fuchsturm, Bergfried der Burg Kirchberg, einer von einst vier Burgen.

Weigeliana domus – das Haus des Mathematikers und Astronomen Erhard Weigel, das 1898 abgerissen wurde.

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