Karriere und Familie: Warum es Frauen in der Wissenschaft doppelt so schwer haben wie Männer

Jena  Neue Ausstellung an der Universität Jena beleuchtet das Thema Frauen in der Wissenschaft – Der Appell: Für den weiblichen Nachwuchs muss mehr getan werden

Barbara Aehnlich ist Mitarbeiterin bei Thüringer Kompetenznetzwerk Gleichstellung und Mitarbeiterin im Institut für Germanistische Sprachwissenschaft Foto: Katja Dörn

Barbara Aehnlich ist Mitarbeiterin bei Thüringer Kompetenznetzwerk Gleichstellung und Mitarbeiterin im Institut für Germanistische Sprachwissenschaft Foto: Katja Dörn

Foto: zgt

Barbara Aehnlich ist das, was manche gerne als Vorzeigefrau bezeichnen. 42, promoviert und auf dem Weg zur Habilitation. Sie steht fest im Berufsleben, arbeitet am Institut für Germanistische Sprachwissenschaft und beim Thüringer Kompetenznetzwerk Gleichstellung. Und ihre beiden Kinder sind jetzt 18 und 20 Jahre alt.

Barbara Aehnlich weiß aber nur zu gut, dass der Weg in die Wissenschaft kein einfacher war. Nein, sie sagt sogar: "Für mich war es immer sehr schwer als Frau."

Gleichstellung im Wissenschaftsbetrieb? Das sei auch nach Jahren der Emanzipation der Frau nicht erreicht, zeigt jetzt eine Ausstellung in Foyer der Universität Jena, die Aehnlich als Mitarbeiterin beim Thüringer Kompetenznetzwerk für Gleichstellung mit entwickelt hat. "Mind the gap. Karriere statt Barriere" will auf Hindernisse hinweisen und Vorschläge geben.

Es sind verschiedene Einflüsse, durch die Frauen auf der Strecke bleiben. Da ist zum einen die Förderung. Um den langen Weg zwischen Studium, Promotion oder gar Habilitation durchzustehen, brauche es gute Betreuer. Doch Professoren sind meist männlich. Und diese bevorzugten – wenn auch zumeist unbewusst – männliche Kollegen.

Wissenschaft ist auch kein Acht-Stunden-Job. Gerade während und nach der Promotion ist der Druck groß, zu veröffentlichen, viel zu forschen, sich auf Tagungen zu zeigen. Sie hangeln sich mitunter von einer schlecht bezahlten Stelle zur nächsten. Bei einer möglichen Berufung müssten sie zwingend in eine andere Stadt umziehen. Doch gerade in dieser Phase komme oft der Wunsch nach einem Baby, sagt Aehnlich. Kind und Karriere? Dafür sei der harte und unsichere Wissenschaftsbetrieb vielfach nicht ausgelegt.

Barbara Aehnlich hat ihre beiden Kinder schon während des Studiums bekommen. Die Promotion sei hart gewesen, "aber der Doktorvater hat mich unterstützt" sagt Aehnlich. Das sei leider keine Selbstverständlichkeit. Sie forschte tagsüber, holte die Kinder ab und setzte sich dann auch noch abends an den Schreibtisch. "Auch die familiäre Unterstützung hat gepasst", sagt die Germanistin. Sie weiß aber: "Es gehört Glück dazu, Familie und Beruf zu vereinbaren." Über eine andere Post-Doktorandin, die ebenfalls eine Familie gründen wollte, urteilte der Betreuer hart: "Sie schaffen das nicht."

Ein anderes Problem sind fehlende Netzwerke für Frauen, sagt Aehnlich. Es gebe welche, in denen Männer traditionell Mitglied sind. Dort werden nicht nur wissenschaftliche Themen besprochen, sondern auch Karrieren befördert. Zum Beispiel bei Ausschreibungen oder Berufungen. Ist Vitamin B in der Wissenschaft nötig? Leider ja, bekennt Barbara Aehnlich.

Und dann liege es noch am Selbstbewusstsein, beeinflusst durch soziale Prägungen. "Sehr gute männliche Studenten wissen, dass sie gut sind. Sehr guten weiblichen muss man es noch beibringen", sagt Caroline Rosenthal, Gleichstellungsbeauftragte und Professorin für Amerikanistik. Während an der Universität Jena mehr Frauen ein Studium beginnen (55 Prozent waren es 2016), sieht es an der Spitze der wissenschaftlichen Elite anders aus. "Die Universität Jena hat den niedrigsten Anteil an Professorinnen", sagt Rosenthal. Daran sei aber nicht grundsätzlich die Jenaer Hochschule schuld. Vielmehr lobt die Gleichstellungsbeauftragte Angebote. Beispielsweise das Mentoren-Programm für Post-Doktoranden. Auch verschiedene Workshops, die Führungsqualitäten vermitteln, helfen Frauen.

Rosenthal hat selbst ein Netzwerk für Wissenschaftlerinnen gegründet. Sie sagt: "Wir müssen weiter daran arbeiten, dass Frauen in der Wissenschaft bleiben."

Die Ausstellung "Mind the gap" ist bis zum 23. April im Uni-Foyer, Carl-Zeiss-Straße 3, zu sehen und wandert weiter an andere Hochschulen. Am 27. Oktober ist ein Thementag geplant unter dem Titel "Frontfrauen – Ein Thementag zu Karriere und Geschlecht".

Zu den Kommentaren