Kinder- und Jugendheim Tröbnitz: Nach schweren Zeiten vieles neu gestaltet

Tröbnitz  Weniger Plätze aber viel Neues in Kinderarche: Das Kinder- und Jugendheim in Tröbnitz des Vereins Kinderarche Thüringen lässt die Vergangenheit ruhen und blickt positiv nach vorn.

Neuer Wind im Kinder- und Jugendheim der Kinderarche Thüringen in Tröbnitz: Seit Anfang 2017 ist Jacqueline Oesen (2. von links) pädagogische Leiterin der Einrichtung und Geschäftsführerin des Vereins Kinderarche Thüringen in einer Person.

Neuer Wind im Kinder- und Jugendheim der Kinderarche Thüringen in Tröbnitz: Seit Anfang 2017 ist Jacqueline Oesen (2. von links) pädagogische Leiterin der Einrichtung und Geschäftsführerin des Vereins Kinderarche Thüringen in einer Person.

Foto: Flamich

Die Vergangenheit ruhen zu lassen, deutliche Veränderungen zu schaffen, neu anzu­packen und mit einer positiven Grundeinstellung nach vorn zu blicken – so lässt sich die Stimmung im Kinder- und Jugendheim in Tröbnitz in den vergangenen 21 Monaten vielleicht zusammenfassen.

Seit Anfang 2017 ist Jacqueline Oesen pädagogische Leiterin sowie Geschäftsführerin der Kinderarche Thüringen. Der Einrichtung nach schweren Zeiten – Mangel an Fachpersonal, interne Differenzen, die bis vor Gericht führten – wieder zu einem guten Image zu verhelfen, das hat sie sich gemeinsam mit ihrem Team vorgenommen.

„Vieles hat sich bei uns in den vergangenen Monaten getan“, sagt Jacqueline Oesen und verweist zunächst auf die Struktur der Einrichtung. „Wir haben die Anzahl an Plätzen reduziert. Statt 21 nehmen wir jetzt nur noch maximal 15 Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland bei uns auf. Hauptsächlich deshalb, weil die Probleme, welche die Kinder haben, immer diffiziler werden. Eine intensivere Betreuung ist demnach nötig.“

Derzeit ist die Einrichtung mit jungen Leuten im Alter von 12 bis 19 Jahren voll belegt. Aufgenommen werden können Kinder und Jugendliche von 6 bis 27 Jahren. „In der Regel nehmen wir Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr auf, danach greift die Hilfe für junge Volljährige.“

In Tröbnitz finden Kinder und Jugendliche eine Unterkunft, die zum Beispiel eine seelische oder emotionale Störung haben, die geschlagen oder sexuell missbraucht worden sind. Der Kontakt und die Vermittlung erfolgt über die jeweils zuständigen Jugendämter. Alle Heimkinder gehen von Tröbnitz aus in Schulen der Region. Viele von ihnen sind in Vereinen der Umgebung angeschlossen, spielen dort Fußball, sind bei der Feuerwehr, tanzen und anderes mehr, sagt Oesen.

Bei der Kinderarche in Tröbnitz beschäftigt sind derzeit 16 Mitarbeiter und drei Studenten der Dualen Hochschule Gera-Eisenach. „Bis auf sechs Kollegen aus dem ‚alten Stamm‘ sind alle anderen neu dazugekommen. Es war schwierig, Personal zu finden, aber ich habe sehr gute Unterstützung vom Landes­jugendamt bekommen“, sagt Jacqueline Oesen. Auch einige Quereinsteiger mit Nachqualifizierung gehören dazu.

„Ich versuche, das Personal so zu führen, dass wir alle gleichberechtigt sind und jeder bei dem, was ansteht, mit ins Boot geholt wird. Wir haben eine Hausversammlung eingeführt, an der die Mitarbeiter sowie die Kinder und Jugendlichen teilnehmen, mitentscheiden und äußern können, was sie stört, was sie gut finden, was sie sich wünschen.“ Weil sich auch im und um das Gebäude in Tröbnitz etwas verändern sollte, hat sich die pädagogische Leiterin auf die Suche nach Unterstützern begeben.

Fast 3000 Euro von acht Firmen und Einrichtungen aus der Region sind dabei zusammengekommen. Mit dem Geld, aber auch mit Sachspenden, konnte unter anderem der Außenbereich der Kinderarche ein wenig umgestaltet und eine Kräuterspirale angelegt werden. Auch ein alter Bauwagen hat einen Platz gefunden und wird derzeit zur Werkstatt für die jungen Heimbewohner umgebaut.

Zudem wurden die drei Etagen der Kinderarche renoviert. „Es wurden neue Möbel gebaut, zum Beispiel Sitzecken für die Küche, es wurde frisch gemalert. Die Kinder gestalten derzeit noch den Flur der mittleren Etage neu.“ Ein Computerraum ist ebenfalls neu entstanden. „Die Kinder und Jugendlichen haben Computerzeiten, über die mit uns verhandelt wird. Sie kommen also nicht allein in den Raum rein. Wir haben zwar auch freies W-Lan im Haus, das allerdings ist mit einer App steuerbar, so dass ich bei Kind X beispielsweise das W-Lan ausschalten kann“, erklärt Oesen.

Ende kommender Woche soll dann auch die neue Internetseite der Kinderarche fertig sein. „Dafür haben wir Hans Eckardt beauftragt, der mit 17 Jahren den Gründerpreis für sein Start-up-Unternehmen bekommen hat.“ Einen großen Wunsch gibt es jedoch noch: einen Fitness-Raum. „Für die Sportgeräte haben wir bereits einen Sponsor gefunden. Wir brauchen allerdings noch jemanden, der die Sanierung des Raumes übernimmt beziehungsweise finanziert.“

Wer den Verein Kinderarche Thüringen beim Fitnessraum-Wunsch unterstützen möchte, kann spenden an: Deutsche Bank ­Jena, IBAN: DE81 8207 0024 0626 6662 00, BIC: DEUTDEDBERF Weitere Informationen zur Kinderarche in Tröbnitz sind erhältlich unter Telefon (036428) 61 1 77 und – wenn die Internetseite fertig ist – unter: www.kinderarche.de

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