Kita Nimritz: Eltern solidarisch mit suspendierten Erzieherinnen

Nimritz  Eltern organisieren Solidaritätsaktion für zwei Erzieherinnen, gegen die eine ministerielle Tätigkeitsuntersagung ausgesprochen wurde

Matthias Brautzsch (l.) und Jan Lahann präsentieren das Banner, das nun am Kindergarten hängt.

Matthias Brautzsch (l.) und Jan Lahann präsentieren das Banner, das nun am Kindergarten hängt.

Foto: Marius Koity

Um die 100 Menschen haben sich gestern Abend solidarisch mit den beiden Erzieherinnen des Kindergartens in Nimritz erklärt, gegen welche diese Woche vom Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport eine Tätigkeitsuntersagung ausgesprochen wurde. „Wir kämpfen für unsere Erzieherinnen und den Kindergarten!“, hieß es auf einem Banner. Und auf einem Plakat mit der Botschaft „Sehr geehrter Herr Holter, bitte geben Sie uns unsere beiden Erzieherinnen zurück!“ wurde der Bildungsminister Helmut Holter (Linke) persönlich angesprochen.

Die Versammlung, die von einigen Teilnehmern als „Solidaritätsaktion“ bezeichnet wurde und von anderen als „Demo“, hatte die Elternschaft um Jan Lahann einberufen. Das Geschehen wurde von mehreren Medien bis hin zur Deutschen Presse-Agentur beobachtet. Neben zahlreichen Nimritzern hatten sich auch Familien aus der Umgebung an dem in die über­regionalen Schlagzeilen geratenen Kindergarten „Zwergenland“ eingefunden. Hintergrund sind Vorwürfe wie „grober Umgang mit Kindern“ (Ministerium), die gegen die beiden suspendierten Erzieherinnen von mittlerweile ehemaligen Kolleginnen erhoben wurden.

Eltern wie Marlen Schiller und Matthias Schein äußerten ihr Unverständnis über die ministerielle Entscheidung. Bürgermeister Peter Graetsch, der in den vergangenen Wochen gegenüber dieser Zeitung keinerlei Stellung nehmen wollte, erklärte nun, dass man gegen den Bescheid aus Erfurt Klage eingereicht habe.

„Hier sind Dinge bis zum Geht-nicht-mehr aufgebauscht worden“, beteuerte Schein. Die „große Mehrheit der Eltern“ stehe hinter den suspendierten Erzieherinnen und auch hinter dem „klassischen Konzept“ der Einrichtung, in welcher „Wert auf die Vermittlung von Grundwerten“ gelegt werde. „Wir haben den Erzieherinnen unser uneingeschränktes Vertrauen ausgesprochen“, erklärte Schiller. Zu Lasten des Nimritzer Kindergartens werde ein „ideologischer Kampf“ ausgetragen, hieß es unter den Demonstranten. „Man will angeblich moderne Erziehungsmethoden durchsetzen und greift hierfür zu unlauteren Mitteln“, so Graetsch.

Die Art und Weise, wie das Schleizer Landratsamt und das Ministerium mit der Gemeinde umgegangen seien, hätten sein „Vertrauen in den Rechtsstaat erschüttert“, sagte der Nimritzer Bürgermeister. Beide Behörden hätten von „eingehenden Prüfungen“ gesprochen, dabei sei nie ein Prüfer vor Ort gewesen, stellte Gemeinderat Helmut Müller fest. Stinksauer ist man auch auf Landrat Thomas Fügmann (CDU), weil die Gemeinde von der Kreisverwaltung nie in ihrem Sinne beraten worden wäre, dafür aber gedrängt worden sei, das Zwergenland an einen freien Träger abzugeben. Schein resümierte für die Elternschaft: „Parteienübergreifend wird über die Stärkung des ländlichen Raumes gesprochen, wir haben es hier anders erlebt.“

Die Kita war in den vergangenen drei Tagen nach der Tätigkeitsuntersagung für zwei Erzieherinnen geschlossen. Am Dienstag werde der Betrieb regulär wieder aufgenommen. Die Einrichtung sei für 33 Kinder zugelassen. 30 Plätze seien besetzt.

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