Langer Weg zum Schöner Zelten am Stausee Hohenwarte

Altenroth  Altenroth-Wirtsleute Heidi Seiffert und Rolf Schnitter starten mit Luxus-Camping am Stausee Hohenwarte. Der Weg dorthin war voller Schwierigkeiten.

Heidi Seiffert zeigt die über 30 Quadratmeter große Wohnküche, Hauptraum der „Lodge Zelte". Dazu gibt es Schlafzimmer, -kammer und Schrankbett sowie ein Bad - in der Luxusvariante mit Dusche.

Heidi Seiffert zeigt die über 30 Quadratmeter große Wohnküche, Hauptraum der „Lodge Zelte". Dazu gibt es Schlafzimmer, -kammer und Schrankbett sowie ein Bad - in der Luxusvariante mit Dusche.

Foto: Jens Voigt

Zurück zur Natur, aber bitte mit Stil: Heidi Seiffert und Rolf Schnitter offerieren demnächst Glamping vom Allerfeinsten. Drei große braune Zelte am Waldrand oberhalb des Vorwerks Altenroth sollen noch in diesem Sommer all jene aufnehmen, die beim glamourösen Camping nicht im Schlafsack auf der Iso-Matte, sondern in richtigen Betten ruhen, aber zugleich eher rustikal-bäuerlich urlauben wollen – Landlust-Ferien quasi, gern mit Familienanschluss.

Eigentlich sollte das Luxus-Campen am Hohenwarte-Stausee längst etabliert sein. Im Jahr 2012 hatten Seiffert und ihr Lebensgefährte bei einem Schwarzwald-Urlaub das Konzept kennengelernt, vier Tage lang selbst in einem „Lodge Zelt“ des europaweit agierenden Betreibers „Wiesenbett“ verbracht. Das passt zu uns, befand Seiffert anschließend: Bauernhof, Lage und jede Menge Natur herum haben wir, an Hofcafé und Ferienzimmern arbeiten wir ohnehin. Sie schafften Tiere an, Ponys, Esel, Ziegen, irische Dexter-Rinder, Hühner für’s frische Frühstücksei. Vier Ferienzimmer wurden eingerichtet, der zum „Wiesenbett“-Konzept gehörende Hofladen geplant. Nächster Schritt: Genehmigungen einholen für den Bau der Fundamente für die sechs geplanten „Lodge Zelte“. Im Schwarzwald habe ihnen der Vermieter gesagt, das sei ein Klacks, weil beim Stichwort Tourismus alles wie am Schnürchen ginge, erinnert sich Rolf Schnitter. Hier, am gepriesenen Tourismus-Perspektivort, war es anders. Sehr anders.

Bereits im Jahr 2015 war die Anlage ausgebucht

Erster Schlag: Statt einer simplen Baugenehmigung musste ein ganzer Bebauungsplan her. Veranlasst von der Gemeinde Altenbeuthen, bezahlt von Seiffert und Schnitter. Langwierig und teuer, ein fünfstelliger Euro-Betrag ging drauf. Dann endlich lag der B-Plan vor, beschlossen von der Gemeinde – und wurde vom Landratsamt wieder kassiert. Weil die Zelte zu nah am Wald stehen, Bäume darauf stürzen könnten. Nicht die eher mickrigen, die dort stehen, sondern die theoretisch dort möglichen mit 30 Metern Endhöhe. Hin und her ging der Streit, diverse Behörden bis hinauf zum Thüringenforst-Chef und Ministerpräsident involviert. „Immer hieß es, wir finden eine Lösung, machen Sie schon mal weiter“, erzählt Schnitter. Also setzten sie schon mal erste Fundamente, legten den Gemüsegarten an, hegten ihre Dexter-Rinder. Und waren so zuversichtlich, dass die Anlage mit dem Wiesenbett-Namen „Hohenwarter Seehof Collection“ im Internet bereits verfügbar war.

„Im Netz waren wir schon für 2015 ausgebucht, und seitdem Jahr für Jahr wieder – nur halt ohne richtige Zeltgäste“, berichtet Schnitter und lacht bitter: „Der Laden könnte längst brummen.“ Wenigstens mussten sie nicht selbst den gebuchten Gästen absagen – das übernahm „Wiesenbett“ und lenkte fast alle potenziellen „Seehof“-Zelter auf andere Standorte der „Glamping“-Kette um. Erst Anfang diesen Jahres war die Waldabstands-Einigung endlich gefunden, der veränderte Bebauungsplan abgesegnet, konnten hernach neue Zeltfundamente ausgehoben und befestigt werden. Kurz vor Himmelfahrt schließlich kam der Lkw mit den „Lodge Zelten“ inklusive Mobiliar – nur leider am falschen Ufer herunter. Nämlich am Campingplatz Linkenmühle, wo er prompt in einer engen Kurve von der Straße rutschte. Erst ein schwerer Kran konnte ihn befreien.

Nun fährt auch noch der Bus früher ab

Nun aber stehen die ersten drei Zelte, wobei „Zelt“ nur die Hülle einer auf altbäuerlich getrimmten Hütte ist. Auf 50 Quadratmetern findet sich eine große Wohnküche mit Herd, Spüle und riesiger Arbeitsfläche, dazu Sofa, Tisch und Stühle, alles in Altholz-Optik und mit Rost-Patina. Fließend Wasser, aber nur kalt. Geheizt wird mit Holz, beleuchtet mit Kerzen in rustikalen Leuchtern. Im Schlafzimmer ein Doppelbett; Kinder oder weitere Erwachsene dürfen sich auf Doppelstock- oder gar Schrankbett verteilen. Im Badezimmer Waschbecken und Toilette. Und eine Dusche, falls man das „Luxus Lodge Zelt“ wählt. Noch sind ein paar Dinge zu erledigen, die Vorzelte zu montieren, die Außenterrassen zu glätten und zu begrünen, weshalb sich der Einzug der ersten Gäste wohl noch bis Ende Juli verschiebt.

Bis dahin gibt’s am Vorwerk auch neue Hühner, nachdem der Fuchs die Vorgängerschar gemeuchelt hatte. Und der Hofladen muss noch eingeräumt werden. Der geplante Brückenneubau zur Linkenmühle, der avisierte Schiffslinienverkehr, all die postulierten Tourismusprojekte am Stausee hatten Heidi Seiffert und Rolf Schnitter an die Zukunftsfähigkeit ihres Konzepts glauben lassen, zumal die Politik stets lobte, wie gut doch ihr Vorhaben ins Gesamtkonzept passe. Inzwischen mag Schnitter von all den „Leuchttürmen“ nichts mehr hören: „Am Ende standen nur die Gemeinde und der Bürgermeister zu uns. Und Fördermittel gab’s auch nicht.“

Stattdessen noch einen Schlag: Ausgerechnet für ihren „Wiesenbett“-Startsommer hat die Kombus eine Verkürzung der Fährzeiten verkündet, statt wie bislang bis 20 Uhr tuckert die Mühlenfähre nur bis 19 Uhr zwischen den Ufern. „Wer soll denn so noch am Abend zu uns rüberkommen und im Biergarten die späte Sonne genießen, wenn es keine Rückfahrt mehr gibt?!“, zürnt Schnitter. Er sei sogar beim Landratsamt vorstellig geworden – leider ohne Ergebnis. Trotzdem bleiben die beiden optimistisch. Weil ihnen anderes nicht bleibt und weil ihnen der Erfolg recht gibt. Und weil ihnen Gäste, die mangels „Lodge Zelt“ dann halt in ihren Zimmern übernachteten, versicherten: Es ist so schön hier in Altenroth – wir kommen wieder, wenn die Landlust am Wasser fertig ist.