Bürgerinitiative gegen Windräder am Hanstein gegründet

Hohengandern.  In Hohengandern hat sich eine Bürgerinitiave gegen Windräder am Hanstein gegründet. Zwei Petitionen sind auf den Weg gebracht.

Montage: So würden Windkraftanlagen nahe der Burg Hanstein im richtigen Größenverhältnis aussehen.

Montage: So würden Windkraftanlagen nahe der Burg Hanstein im richtigen Größenverhältnis aussehen.

Foto: Dr. Wolfgang Dietl

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Das Eichsfeld hat eine neue Bürgerinitiative. Sie hat sich Montagabend in Hohengandern gegründet. „Hanstein bewahren!“ heißt sie. 50 Menschen haben sich ihr als Gründungsmitglieder angeschlossen. Auch ein Vorstand ist zügig ohne Gegenstimmen gewählt und die Satzung beschlossen worden. Daniela Hartmann ist die erste Vorsitzende, ihre Stellvertreter sind Andreas Rohde und Jörg Braun-Lüllemann. Schatzmeister ist Winfried Lendeckel.

Die Bürgerinitiative hat es sich zum Ziel gesetzt, gegen das geplante Windkraftvorhaben am Stürzlieder Berg nahe Hohengandern auf hessischem Grund zu kämpfen. Dort soll vorerst eine Windkraftanlage mit 164 Metern Nabenhöhe errichtet werden, weitere könnten folgen. Doch die Windräder stünden in unmittelbarer Nähe der als Kulturdenkmal eingestuften Burg Hanstein, zudem direkt am Nationalen Naturmonument Grünes Band und nicht zuletzt in einem Vogelschutzgebiet mit direkter Zugroute des Rotmilans.

Bannmeile auf Thüringer Seite

Seit Ende März bekannt wurde, dass es das Vorhaben gibt, es in Hessen aber im nichtöffentlichen beschleunigten Verfahren behandelt wird, hat sich im Eichsfeld Widerstand geregt. Der Landtagsabgeordnete Thadäus König (CDU) hatte daraufhin eine kleine Anfrage im Thüringer Landtag gestellt und weitere Schritte eingefordert. Das Landesamt für Denkmalschutz und Archäologie hat ein negatives Gutachten erstellt und auf die überregionale Bedeutung der Burg hingewiesen. Auf Thüringer Seite gibt es eine Bannmeile von sieben Kilometern, in der keine hohen Bauwerke errichtet werden dürfen. Doch das gilt nur für Thüringen, nicht für Hessen. König hatte im August den Petitionsausschuss des Thüringer Landtages auf die Burg geholt, dem Thema neue Dynamik verliehen, und seine hessische Landtagskollegin aus dem Werra-Meißner-Kreis sensibilisiert. Inzwischen hat auch der Landkreis Eichsfeld eine umfangreiche negative Stellungnahme abgegeben.

Ministerpräsident schreibt Amtskollegen

Im Oktober hat der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) einen Brief an seinen hessischen Amtskollegen Volker Bouffier (CDU) geschrieben. In ihm macht er Bouffier auf die herausragende Stellung der Burg Hanstein als Ort der Freiheit im Bewusstsein der einheimischen Bevölkerung aufmerksam, spricht von einem Sehnsuchtsort, der zu DDR-Zeiten unerreichbar war und nur von der hessischen Seite aus betrachtet ein ungetrübter Blick auf die Schönheit der Burg möglich war. Diese Sichtachsen würden durch die Windräder stark beeinträchtigt. Der Stellenwert von Windkraftanlagen hinsichtlich der Erschließung alternativer Energieformen sei grundsätzlich zu befürworten, doch bei historisch sowie kulturell sensiblen Orten sollte man mit Bedacht entscheiden, schrieb Ramelow an Bouffier.

Genauso sieht es die Bürgerinitiative. „Wir sind nicht generell gegen Windkraft, nein“, betonte Daniela Hartmann. „Aber es geht hier um den Standort. Nicht am Hanstein.“ Thadäus König konnte die Bürger kurz auf den neuesten Stand bringen. „Derzeit ist das Verfahren in der Tiefenprüfung“, sagte er. Wie lange die dauere, könne niemand sagen. Drei Monate, ein halbes Jahr oder ein ganzes Jahr. Daniela Hartmann dankte ihm für die unpolitischen Worte. „Wir sind überpolitisch“, machte sie klar. „Es geht um die Sache.“

Rund 65 Gäste im Gemeindesaal

Der Satzungsentwurf wurde angenommen. Mitgliedsbeiträge wird es nicht geben. „Wir sind eine Interessenvertretung“, betonten Hartmann und Rohde vor den rund 65 Gästen im Gemeindesaal, von denen sich 50 der Initiative anschlossen. Spenden zur Finanzierung der Arbeit seien natürlich willkommen. Und sollte es die Bürgerinitiative nicht mehr geben müssen, so solle das eventuelle Vermögen an den Heimatverein Bornhagen für den Erhalt der Burg gehen.

Zwei Petitionen sind auf den Weg gebracht worden. Eine an den Thüringer Landtag. 1500 Unterschriften sind hier notwendig, um eine öffentliche Anhörung zu erreichen. Eine gleichlautende Petition soll an den hessischen Landtag gehen, doch da spreche man von sogar 3000 Unterschriften, um Gehör zu finden. Jetzt gehe es darum, genügend Unterschriften zu sammeln. Nicht zuletzt ist unter der Website Open Petition eine Online-Möglichkeit eingerichtet worden. „Wichtig ist aber, dass Unterstützer nur einmal pro Petition unterschreiben. Doppelte Unterschriften werden als ungültig gewertet“, erklärte der Vorstand. Der nächste Schritt sei, in den Freundes- und Bekanntenkreisen zum Thema ins Gespräch zu kommen und öffentliche Stellen zu finden, wo die Petitionen ausgelegt werden können.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren