Berlin. Er ist immer da: der Mond. Der Erdbegleiter fasziniert Wissenschaft und Spirituelle gleichermaßen. Was wissen wir über den Trabanten?

Der Mond ist seit jeher eine faszinierende Erscheinung am Himmel und zieht die Menschheit mit seinem geheimnisvollen Charme in seinen Bann. Bereits im 17. Jahrhundert begannen Wissenschaftler wie Galileo Galilei und Johannes Kepler, den Mond zu studieren. Sie wollten mehr über seine Oberfläche und seine Bewegungen wissen.

Doch die Menschen wollte den Mond nicht nur sehen, sondern auch erreichen. Rund 300 Jahre später gelang es im Jahr 1969 der NASA und den Apollo-Astronauten erstmals, auf der Oberfläche des Mondes zu landen und ihn aus nächster Nähe zu erkunden. Die Mondlandung ist seither ein Symbol für menschlichen Entwicklungsdrang – nur rund 60 Jahre zuvor war der erste bemannte Flug auf der Erde gelungen.

Der historische Moment der Mondlandung markiert auch einen Meilenstein in der Raumfahrt und eröffnete neue Horizonte für die Erforschung unseres kosmischen Trabanten. Doch was wissen wir heute über unseren Nachbarn? Fest steht: Der Mond ist von zahlreichen Fragen und Spekulationen umgeben – das fängt schon bei der simplen Frage nach seiner Entstehung an.

Mythos Mond: So ist der Himmelskörper entstanden

Es gibt verschiedene Theorien darüber, wie der Mond entstanden seine könnte. Die zwei bekanntesten und am meisten diskutierten Ansätze sind die Kollisionstheorie (auch als "Giant Impact Hypothesis" bekannt) und die Co-Akkretion oder Doppelplanetentheorie:

  1. Kollisionstheorie: Die Kollisionstheorie besagt, dass vor etwa 4,5 Milliarden Jahren ein protoplanetarer Körper (damit ist der Vorläufer eines Planeten gemeint) namens "Theia" mit der jungen Erde kollidierte. Bei dieser Kollision wurden Trümmer ins Weltall geschleudert, die sich über die Jahrmillionen zu unserem Mond formten. Diese Theorie wird durch Computersimulationen und die Ähnlichkeit in der chemischen Zusammensetzung von Mondgestein und bestimmten Gesteinen auf der Erde gestützt.
  2. Co-Akkretion oder Doppelplanetentheorie: Nach dieser Theorie bildeten sich sowohl die Erde als auch der Mond gleichzeitig aus demselben Material, das sich in der Umgebung der jungen Sonne befand. Auch hier werden die Ähnlichkeiten in der chemischen Zusammensetzung von Mondgestein und bestimmten Gesteinen der Erde als Erklärung herangezogen.

Es gibt weitere Theorien zur Entstehung des Mondes, die jedoch weniger weit verbreitet sind. Dazu gehören die Abspaltungstheorie, die besagt, dass der Mond einst Teil der Erde war und sich später abspaltete, weil diese sich zu schnell drehte. Die Einfangtheorie hingegen postuliert, dass der Mond ursprünglich ein unabhängiger Körper war, der von der Gravitation der Erde eingefangen wurde. Für diese Theorien gibt es jedoch weniger Beweise, weshalb sie von der wissenschaftlichen Gemeinschaft weniger unterstützt werden.

Mondwissen: Ist er ein Stern oder ein Planet?

Der Mond ist weder ein Stern noch ein Planet. Ein Stern ist ein selbstleuchtender Himmelskörper. Der Mond hingegen reflektiert nur das Sonnenlicht, das ihn erreicht, und leuchtet deshalb sichtbar am Nachthimmel.

Ein Planet hingegen ist ein Himmelskörper, der um einen Stern kreist, eine ausreichende Masse besitzt, um durch die eigene Schwerkraft eine annähernd runde Form anzunehmen, und in der Lage ist, andere Objekte aus seiner Umgebung zu entfernen. Der Mond erfüllt keine dieser Kriterien, da er nicht unabhängig um die Sonne kreist, sondern um die Erde. Es handelt sich daher um einen natürlichen Satelliten.

Der Mond: Er wird seit Jahrzehnten erforscht. Aber was wissen wir eigentlich wirklich über den Erd-Begleiter?
Der Mond: Er wird seit Jahrzehnten erforscht. Aber was wissen wir eigentlich wirklich über den Erd-Begleiter? © Kevin M. Gill/EurekAlert/dpa

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Mond und Erde: Deshalb ist der Himmelskörper so wichtig für unseren Planeten

Der Mond umkreist die Erde in einer elliptischen Bahn und hat durch seine Gravitation Einfluss auf die Gezeiten und andere Phänomene auf unserem Planeten:

PhänomenWirkung des Mondes
GezeitenDie Gravitationskraft des Mondes erzeugt Gezeitenkräfte, die zu Ebbe und Flut in den Ozeanen führen. Diese Gezeiten haben sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Auswirkungen, da sie das Verhalten von Meereslebewesen beeinflussen und für die Schifffahrt und Küstenaktivitäten von Bedeutung sind.
Stabilisierung der ErdachseDer Mond spielt eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung der Erdachse. Die Neigung der Erdachse ist für das Klima auf der Erde entscheidend. Durch die gravitative Wechselwirkung mit dem Mond wird ihre Neigung stabilisiert, was dazu beiträgt, dass die Jahreszeiten relativ konstant bleiben und das Klima gemäßigter ist.
Kulturelles und spirituelles SymbolIn kultureller Hinsicht hat der Mond eine lange Geschichte der Verehrung und Bedeutung. In vielen Kulturen wurde er als göttliche oder spirituelle Entität angesehen und in Mythen und künstlerischen Darstellungen verewigt.

Himmelskörper: Der Mond beeinflusst nicht nur die Gezeiten auf der Erde, sondern angeblich auch den Schlafrythmus
Himmelskörper: Der Mond beeinflusst nicht nur die Gezeiten auf der Erde, sondern angeblich auch den Schlafrythmus © ESA/NASA – A. Gerst

Neben den Gezeiten, der Erdachse und der Kultur wird dem Mond auch ein direkter Einfluss auf den einzelnen Menschen nachgesagt. Er symbolisiert verschiedene Aspekte wie Weiblichkeit, Transformation, Zeit und Rhythmus. Demnach sollen sich der Schlaf, die Fruchtbarkeit und das Verhalten während bestimmter Mondphasen verändern:

PhänomenWirkung des Mondes
SchlafEs gibt die Behauptung, dass der Mond den Schlaf beeinflusst. Manche Menschen etwa sollen während eines Vollmonds schlechter schlafen oder unruhiger sein.
FruchtbarkeitIn einigen Kulturen und Überlieferungen wird der Mond mit Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht. Es wird angenommen, dass der Mondzyklus Einfluss auf die Fortplfanzungsfähigkeit von Menschen, Tieren und Pflanzen hat.
VerhaltenEs gibt die weit verbreitete Vorstellung, dass der Vollmond das menschliche Verhalten beeinflussen kann, insbesondere indem er Menschen emotionaler macht.

Allerdings sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu begrenzt. Es gibt keine eindeutigen Beweise für einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Mond und beispielsweise dem Schlafverhalten. Es handelt sich dabei eher um kulturelle Überzeugungen.

Erde und Mond: So wirkt unser Planet auf den natürlichen Satelliten

Obwohl der Mond oft als stiller Begleiter der Erde erscheint, ist die Wechselwirkung zwischen der Erde und dem Himmelskörper alles andere als einseitig. Während der Mond zweifellos eine bedeutende Wirkung auf die Erde hat, übt auch unser Planet eine Kraft auf den Mond aus:

  1. Gezeitenkräfte: Genau wie der Mond die Gezeiten auf der Erde verursacht, wirkt die Erde auch auf den Mond und verursacht dort Gezeitenkräfte. Obwohl die Gezeiten auf dem Mond viel geringer sind als auf der Erde, sind sie dennoch vorhanden und führen zu kleinen Bewegungen der Mondoberfläche.
  2. Verformung der Mondoberfläche: Aufgrund der Gravitation der Erde bilden sich auf der Mondoberfläche sogenannte Gezeitenberge, die ihre Position mit der Bewegung des Mondes um die Erde ändern.
  3. Atmosphäre des Mondes: Die Erde hat auch einen Einfluss auf die dünne Atmosphäre des Mondes. Durch Sonnenwind und Partikel aus der Erdatmosphäre wird die Mondatmosphäre beeinflusst und es kommt zu einer leichten Abtragung und Veränderung ihrer Eigenschaften.
  4. Stabilität der Mondumlaufbahn: Die Erde spielt eine entscheidende Rolle bei der Stabilität der Umlaufbahn des Mondes um die Erde. Die Gravitationskraft der Erde hält den Mond in seiner Bahn und verhindert, dass er in eine andere Umlaufbahn driftet oder ins Weltall entweicht.
  5. Tidal Locking: Durch die Gezeitenkräfte hat die Erde den Mond in einer sogenannten "gebundenen Rotation" fixiert, was bedeutet, dass der Mond immer dieselbe Seite zur Erde zeigt. Dies führt dazu, dass wir von der Erde aus nur eine Seite des Mondes sehen können, während die andere Seite immer abgewandt bleibt.

Die Beziehung zwischen Erde und Mond, geprägt von Gezeitenkräften und gravitativen Einflüssen, birgt einige Phänomene und Auswirkungen, die das Verständnis des Erde-Mond-Systems erweitern. Das Phänomen "Tidal Locking" ist besonders interessant, denn es führt nicht nur dazu, dass immer dieselbe Seite des Mondes zu sehen ist, sondern auch dazu, dass sich der Mond langsam von der Erde entfernt.

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Mondexperte: Sechs Mondfakten von der ESA

Die "European Space Agency" (ESA) hat noch weitere Fakten über den Mond zusammengetragen. Mit dabei ist durchaus Überraschendes:

  1. Mondstaub ist gefährlich: Mondstaub besteht aus scharfen, scheuernden Partikeln, aber es ist noch nicht bekannt, wie schädlich er für Menschen ist. Alle 12 Menschen, die den Mond betreten haben, beschrieben Symptome wie Niesen und eine verstopfte Nase.
  2. Es gibt Wasser auf dem Mond: Wissenschaftler haben Wasser in einem Mondkrater gefunden. Dazu haben sie eine Raumsonde darin einschlagen lassen und die Chemikalien untersucht, die herausgeschleudert wurden.
  3. Der Mond hat eine eigene Atmosphäre: Der Mond hat eine sehr dünne Atmosphäre, die sogenannte Exosphäre. Sie ist nicht atembar. Zu den Elementen in der Mondatmosphäre gehören Helium, Argon, Natrium und Kalium.
  4. Der Mond hat Ressourcen, die wir nutzen können: Auf dem Mond gibt es Sonnenlicht, das in Sonnenenergie umgewandelt werden kann. Es gibt Helium-3 – ein nicht-radioaktives Isotop, das im Bereich der Kernenergie genutzt werden kann. Weitere Ressourcen sind Wasserstoff, der als Treibstoff zum Antrieb von Raketen dienen könnte, und Eis, das in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten werden und auch als Treibstoff verwendet werden könnte.
  5. Mondblitze: Alle paar Stunden kann man durch ein Teleskop Lichtblitze auf der Mondoberfläche sehen. Sie entstehen, wenn ein Meteorit mit großer Geschwindigkeit auf den natürlichen Satelliten trifft. Diese Einschlagblitze werden als "transiente Mondphänomene" bezeichnet.

Aktuell untersucht die ESA neue Areale auf dem Mond, um möglicherweise weitere Mineralien zu entdecken. Außerdem suchen die Wissenschaftler nach Möglichkeiten, die Ressourcen des Mondes zu nutzen. Aber das ist noch nicht alles: Die Weltraumorganisation baut auch die Kommunikationsmöglichkeiten auf dem Mond aus, damit Astronauten und Raumfahrzeuge auf Missionen besser mit der Erde kommunizieren können.