Blind aus Liebe: Von Bad Lobenstein aus Ebay-Käufer betrogen

Bad Lobenstein  Gerichtsbericht: Dass Liebe blind macht, davon kann eine 39-jährige Frau ein Lied singen. Die ehemalige Bad Lobensteinerin ging einem Internet-Betrüger auf den Leim, der Sachen verkauft hat, die es gar nicht gab.

Wegen sechsfachen Betruges über die Internetplattform Ebay ist ein 29-Jähriger aus Bad Schlema zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Foto: Maurizio Gambarini

Wegen sechsfachen Betruges über die Internetplattform Ebay ist ein 29-Jähriger aus Bad Schlema zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Foto: Maurizio Gambarini

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Wegen sechsfachen Betruges ist ein 29-jähriger Mann aus Bad Schlema in der Zweigstelle Bad Lobenstein des Amtsgerichts Pößneck zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Für drei Jahre schwebt über dem Mann aus dem Erzgebirge jetzt ein Freiheitsentzug von einem Jahr und zwei Monaten, sollte er seine Bewährungsauflagen nicht erfüllen oder gar erneut straffällig werden.

Ursprünglich waren der Bad Schlemaer und die ehemalige Bad Lobensteinerin wegen gemeinschaftlichen Betrugs in sieben Fällen angeklagt gewesen. Denn gemeinsam boten sie über die Internet-Verkaufsplattform Ebay Krugerrand-Münzen, Goldschmuck und Silberbarren an – ohne überhaupt derartige Wertgegenstände zu besitzen. Das ging freilich nicht lange gut. Schon nach knapp zwei Wochen flog der Schwindel auf, weil Käufer für ihr Geld keine Ware erhielten. Beim Zahlungsdienstleister, über den die „Verkäufe“ abgewickelt worden waren, funktionierten die Sicherheitssysteme. Es kam zur Anzeige bei der Polizei.

Ein Ermittler in Bad Lobenstein legte sich ins Zeug und hatte alsbald die Frau zur Beschuldigtenvernehmung vor sich sitzen. Denn es war ihr Ebay-Konto gewesen, auf dem neben Kindersachen und Spielzeug derart hochwertige Angebote erschienen. Ihre Erklärung dafür: Sie hatte übers Internet den Mitangeklagten kennengelernt. Und ist diesem voll auf den Leim gegangen. „Wir waren darauf aus, eine Beziehung anzufangen“, hatte sie aus ihrer Sicht geglaubt. Und so wurde sie auch nicht skeptisch, als der Angebetete um ihre Ebay-Zugangsdaten bat. Dabei kannte sie von dem Angeklagten weder den richtigen Namen, noch dessen wahres Alter.

Die Mutter von vier Kindern, alles andere als wohlhabend, hatte an das Gute im Menschen geglaubt. Und erlebte eine harte Bruchlandung. Sie nutzte ein Konto ihrer Tochter für Zahlungseingänge, „um die Übersicht zu behalten“, hob davon die Bargeldbeträge ab und übergab diese dem Mitangeklagten bei Treffen, die stets irgendwo in der Prärie stattfanden. In der Hoffnung, ihre große Internet-Liebe würde sie endlich auch mal in Bad Lobenstein besuchen, gab sie dem Mann sogar noch aus der eigenen Tasche 150 Euro, die für eine angebliche Reparatur des Auto-Getriebes benötigt würden.

Auf einer Schuldensumme von über 3000 Euro sitzt die ­39-jährige Frau noch heute als Folge dieser Ebay-Aktionen. Einen subjektiven Tatnachweis sah Oberstaatsanwalt Steffen Flieger bei der vollumfänglich aussagenden Angeklagten nicht gegeben und beantragte daher ihren Freispruch, dem das Gericht auch folgte. „Zivilrechtlich ist sie allerdings voll in der Haftung“, verdeutlichte Flieger die Konsequenzen.

An der Schwelle zur Haftzelle steht unterdessen der Mann aus Bad Schlema, bereits vorbestraft wegen mehrfachen Betrugs, Unterschlagung und Diebstahl. Er hat Schulden in vierstelliger Höhe und befindet sich in der Privatinsolvenz. Sein „Glück“, dass einige der Vorstrafen aus Delikten stammen, die nach dem Ebay-Betrug liegen, der bereits 2012 stattfand. Weil der 29-jährige inzwischen gute Aussichten auf einen festen Arbeitsplatz habe, gab ihm das Gericht diese letzte Chance. Zur Bewährungsauflage gehört, dass er monatlich 100 Euro an jene Frau zu zahlen hat, deren Vertrauen er missbrauchte.

Peter Hagen kommentiert: Die Sendung mit der Maus

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