Giftstoffe im Geraer Justizzentrum sind in grauer Spachtelmasse

Die Mängelkette im Justizzentrum Gera setzt sich fort: Jetzt wurde Spachtelmasse als Ursache für die belastete Raumluft festgestellt

Das Eingangsschild des Justizzentrums Gera. Foto: Tino Zippel

Das Eingangsschild des Justizzentrums Gera. Foto: Tino Zippel

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Gera. Seit dem Einzug ins neue Justizzentrum Gera im Jahr 2010 reißen die Probleme nicht ab. Ein Gutachter hat nun eine weitere Quelle von giftigen Ausdünstungen entdeckt. Graue Spachtelmasse setzt den Stoff Butanonoxim frei.

Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft klagten von Beginn an über die belastete Raumluft im Gebäude. Einzelne Zimmer wurden bereits saniert, teils ohne den gewünschten Erfolg. Nach OTZ-Informationen ergaben im Dezember Messungen in einem Raum in der zweiten Etage, dass die Luft noch immer stark belastet war. Ein Gutachter sollte die Quelle suchen. Im Verdacht stand der Fußbodenbelag, der zum Test mit Folie abgespannt wurde. Zwar roch es darunter mäßig nach Linoleum, als Ursache für die belastete Raumluft komme der Fuß­bodenaufbau aber nicht infrage.

Der Sachverständige schloss auch einen Hohlraum unter dem Fenster als Ursache aus, so dass nur noch der Zwischenraum zwischen der abgehängten Decke und der Ziegeldecke in Betracht kam. Dort trat der Geruch mit höherer Konzentration auf. Die "mörtelähnliche lichtgraue Masse ist Ausgangspunkt für Butanonoxim" und damit der maßgebliche Auslöser der Geruchswirkung, heißt es im Gutachten.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin legt für Butanonoxim einen Grenzwert von einem Milligramm pro Kubikmeter Raumluft fest. 1,4"Milligramm pro Kubikmeter lagen aber in der Luft. Der Stoff steht im Verdacht, Krebserregend zu sein. Das ergaben Versuche, allerdings waren die Tiere höheren Konzentrationen ausgesetzt. Der Gutachter empfiehlt, die gefundene Masse "mit Arbeitsschutzhandschuhen" abzutragen und herabgefallene Rester sofort zu beseitigen.

Der Präsident des Land­gerichtes Gera, Peter Granderath, geht davon aus, dass es sich bei dem betroffenen Zimmer um einen Einzelfall handelt. Stichprobenartig hatte der Gutachter an zwei anderen Punkten im Gebäude die Zwischendecke angehoben - Gerüche waren dort nicht feststellbar. Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft halten es für unwahrscheinlich, dass die Spachtelmasse nur an einer Stelle zum Einsatz kam. Sie sorgen sich um ihre Gesundheit, zumal sich seit dem Einzug die Krankheitsfälle häufen.

Die Sanierung des Raumes sei die letzte verbliebene Baustelle im Justizzentrum, sagte Granderath. Das mit Schimmel belastete Gebäude 4 ist inzwischen saniert und beherbergt nun das Arbeitsgericht, das seit Januar auch das frühere Jenaer Arbeitsgericht aufgenommen hat.

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