Hellseher narrt Ermittler im Fall der verschwundenen Peggy aus Lichtenberg

Staatsanwaltschaft behandelt die Eingebungen wie andere übliche Hinweise auch. In vier Wochen beginnt neue Hauptverhandlung wegen eines möglichen Fehlurteils gegen Ulvi K., der das Mädchen getötet haben soll.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel (links) sieht sich bei den Ermittlungen im Fall der verschwundenen Peggy aus Lichtenberg immer wieder einem großen Medienrummel gegenüber.Foto: Peter Hagen

Der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel (links) sieht sich bei den Ermittlungen im Fall der verschwundenen Peggy aus Lichtenberg immer wieder einem großen Medienrummel gegenüber.Foto: Peter Hagen

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Lichtenberg. Die Polizei in Bayern soll im Fall des verschwundenen Mädchens Peggy Knobloch aus Lichtenberg nicht Scharlatanen auf den Leim gehen, sondern sich mit Fakten ­befassen. So die Forderung einer "Unterstützergruppe Ulvi" aus Oberfranken, die den Vorwurf erhebt, "dass man an der Aufklärung des wahren Schicksals des Mädchens tatsächlich gar nicht interessiert ist, sondern lediglich den bisherigen Spekulationen hinsichtlich einer Ermordung, nicht aber einer sehr viel wahrscheinlicheren Entführung des Kindes nachgeht".

Bei einer Veranstaltung zum Thema "Justizopfer in Bayern", zu denen die Unterstützergruppe auch Ulvi"K. aus Lichtenberg zählt, wurde ein Schreiben an die Staatsanwaltschaft Bayreuth verfasst. "Die Staatsanwaltschaft soll ihrer Ermittlungspflicht in alle Richtungen nachkommen", erklärt dazu Gudrun Rödel von der Unterstützergruppe. Ulvi K. war im April 2004 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe als vermeintlicher Mörder des zum Zeitpunkt ihres Verschwindens neunjährigen Mädchens verurteilt worden.

Die Haftstrafe wird unterdessen bis heute nicht vollstreckt, da sich der inzwischen 36-jährige Mann aufgrund anderer Taten in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung befindet. Im Fall Peggy steht ihm die Wiederaufnahme des Strafverfahrens bevor, nachdem die Justiz mit einer vorsätzlichen falschen uneidlichen Zeugenaussage sowie einer Tathergangshypothese konfrontiert worden ist, die dem Landgericht Hof im damaligen Prozessverlauf nicht bekannt gewesen sei. Am 10. April soll das Wiederaufnahmeverfahren beginnen.

Abseits aller Fakten haben sich seit dem Verschwinden von Peggy Knobloch immer wieder auch Scharlatane wie Wünschelrutengänger und Hellseher zu Wort gemeldet, die angeblich Hinweise zum Verbleib des Mädchens geben könnten. Jüngst erst meldete sich ein "Seher" aus Siegburg in Nordrhein-Westfalen, der Peggys Leiche auf dem Grund der Sächsischen Saale glaubt. Während OTZ das Angebot einer freien Journalistin abgelehnt hatte, derartigen Selbstdarstellern eine Plattform zu bieten, soll die Staatsanwaltschaft Bayreuth angeblich den Mann ernst genommen haben. Das ist für die Unterstützergruppe "nicht nachvollziehbar". Der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel relativiert jedoch. "Vom Grundsatz her glaube ich natürlich nicht an seherische ­Fähigkeiten", sagte er am Mittwoch gegenüber OTZ. Jedoch gehe man eben allen Hinweisen nach. Schließlich sei nicht auszuschließen, dass dem "Seher" Informationen zugegangen sein könnten.

Unterdessen bestätigte Potzel den Eingang des Schreibens von der Unterstützergruppe und erklärte, dass "ein Großteil der darin aufgeführten Punkte bereits überprüft worden ist". Wo sich neue Hinweise ergeben würden, werde ebenfalls den Dingen nachgegangen.

Seitens der Unterstützergruppe wird die These einer Entführung des Mädchens verfolgt. Es werden vermeintliche Zeugenhinweise aufgelistet, wonach Peggy am Tag ihres Verschwindens sowie in den darauffolgenden Wochen und Monaten immer wieder in Begleitung von Erwachsenen und im Zusammenhang mit einem Fahrzeug, das tschechische Kennzeichen hatte, gesehen worden sein soll. Im November 2003 und im April 2004 wollen Urlauber das Mädchen sogar in der Türkei erkannt haben.

Bereits seit dem Verschwinden von Peggy sowie mit der möglicherweise vorschnellen Verurteilung von Ulvi K. als Täter sehen sich die bayerischen Ermittlungsbehörden mit Vorwürfen konfrontiert. Ebenso werden Aussagen der Mutter von Peggy angezweifelt, ohne - zumindest bislang - stichhaltige Beweise dafür vorlegen zu können, dass sie persönlich etwas mit dem Verschwinden ihres Kindes zu tun habe könnte.

Seit Mitte 2012 ermittelt die Staatsanwaltschaft Bayreuth erneut im Zusammenhang mit dem Verschwinden von Peggy. Zu jüngsten Presseberichten, wonach es zwischen dem Verdächtigen Holger E. aus Halle und Peggy zu "Zärtlichkeiten" gekommen sein soll, stellt die Staatsanwaltschaft Bayreuth klar: "Es handelt sich hierbei nicht um neue Erkenntnisse. ­Bereits am 27. Februar 2013, ­also vor über einem Jahr, hat Holger E. im Rahmen einer anderweitigen Vernehmung mitgeteilt, dass es zwischen ihm und Peggy zum Austausch von Zärtlichkeiten gekommen sein soll. Dies war Anlass für weitere umfangreiche Ermittlungen. Ein hinreichender Tatverdacht für eine Anklage hat sich aber nicht ergeben."