Jenaer Stadtjugendpfarrer König zu Geldstrafe verurteilt

Jena  Bürger erstatteten gegen Lothar König Anzeige wegen Beleidigung. Eigentlich wäre das Verfahren erst gar nicht in Gang gekommen.

Der Jenaer Jugendpfarrer Lothar König wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.

Der Jenaer Jugendpfarrer Lothar König wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.

Foto: Bernd von Jutrczenka

Stadtjugendpfarrer Lothar König wurde am Amtsgericht Jena zu einer Geldstrafe von 3600 Euro verurteilt. Das Gericht sah es nach der Verhandlung am Mittwoch als erwiesen an, dass der Pfarrer jemanden anders beleidigt hat.

Allerdings kann man die Sache auch durchaus als Verquickung unglücklicher Umstände betrachten. Zunächst wollte Richter Andreas Piller das Verfahren gar nicht eröffnen. Daraufhin legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde beim Landgericht ein, der nächsthöheren Instanz. Der Beschwerde wurde stattgegeben. Es kam zum Termin, bei dem auch vier Zeugen gefragt wurden. Dabei fand das Gericht zu Erkenntnissen, die den Vorwurf der Beleidigung erhärteten.

Zu der Beleidigung war es im Vorfeld einer AfD-Veranstaltung in Jena gekommen. Lothar König wollte seinen Protest dagegen mit Plakaten zum Ausdruck bringen. Bei der Stadt hatte der Jenaer erfahren, dass er diese politische Meinungsäußerung grundsätzlich in der Öffentlichkeit anbringen dürfe.

Als König später die Plakate an Laternen befestigte, wurde er von der Ordnungsbehörde nach der Genehmigung für sein Tun gefragt. Da er diese nicht vorweisen konnte, musste er die Plakate abnehmen. Diese Handlung stieß wiederum auf das Interessen von Passanten, die nach Auffassung des Gerichtes zufällig des Weges kamen. Diese erkundigten sich bei Lothar König, der in diesem Moment wohl ­einigermaßen angesäuert war, nach dem Hintergrund des Plakatabbaus.

Lothar König schien dies dahingehend zu verstehen, dass es sich bei den Bürgern um Sympathisanten mit der AfD handelte. Jedenfalls soll er nach Auffassung des Gerichtes sehr unwirsch aufgetreten sein. Er soll seine Gesprächspartner mit Nazis verglichen und ein Schimpfwort gebraucht haben. Darauf wurde aus der Gruppe heraus Anzeige erstattet. Es wurde gesagt, dass man eine völlig harmlose Frage gestellt habe, die nichts weiter als Interesse signalisieren sollte. Die Beleidigung sei nicht angemessen gewesen. Im Sinne des Paragraphen 185 des Strafgesetzbuches ist eine Beleidigung die Kundgabe der Missachtung oder Nichtachtung einer Person. Sie zählt zu den Ehrdelikten.

Amtsgerichts-Sprecherin Kerstin Seyffarth bezeichnete die Verhandlung insgesamt als ruhiges Verfahren. Die Geldstrafe beruhe auf 30 Tagessätzen zu jeweils 120 Euro. Das Urteil ist noch nichts rechtskräftig. Eine Berufung gegen das Urteil ist also noch möglich.

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