Sohn von Mordopfer in Rudolstadt: „Der Fahrer hat gegrinst“

Gera.  Ein Rentner aus dem Saale-Holzland-Kreis stirbt bei einem missglückten Autokauf in Rudolstadt. Sein Sohn berichtet Dramatisches beim Prozess im Landgericht Gera.

Diesen Angeklagten erkannte der Geschädigte wieder - er war damals unter dem falschen Namen Stephan aufgetreten.

Diesen Angeklagten erkannte der Geschädigte wieder - er war damals unter dem falschen Namen Stephan aufgetreten.

Foto: Tino Zippel

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Im Mordprozess nach einem missglückten Autokauf in Rudolstadt hat am Dienstag der Sohn des Opfers ausgesagt. Der Tischler erkannte einen der Angeklagten im Landgericht Gera wieder, blieb aber beim Fahrer des Tatwagens vage in seinen Angaben. Sein Vater war tödlich gestürzt, als er das Fluchtfahrzeug stoppen wollte. Im Prozess schilderte der Sohn, wie es zur verhängnisvollen Situation gekommen war.

Demnach habe ihn der ältere Angeklagte im Jahr 2016 angesprochen, ob er ihm seinen Geländewagen verkaufen wolle. Er gab sich dabei als ein Herr Stephan aus. „Zum damaligen Zeitpunkte wollte ich noch nicht verkaufen. Herr Stephan erkundigte sich aller sechs, acht Wochen telefonisch nach dem Wagen“, berichtet der heute 52-Jährige, der in einem Dorf im Saale-Holzland-Kreis lebt.

Das Geschäft unter Scheinnamen von langer Hand eingefädelt

Im April 2017 habe der Autohändler Druck gemacht, weil er den Wagen für eine Baustelle in Ungarn brauche, berichtet der Zeuge, der aber zunächst ein anderes Auto erwerben wollte. Der Händler habe ein Modell aus einem Autohaus in Rudolstadt vorgeschlagen. Jenes gefiel ihm. 14.500 Euro sollte der gebrauchte Ford Ranger kosten, 900 Euro sollte er für sein 14 Jahre altes Auto bekommen.

Beide verabredeten sich, gemeinsam nach Rudolstadt zu fahren. Der Angeklagte fragte seinen Vater, ob er sie hinbringen könne. In Rudolstadt sei Herr Stephan für die Verkaufsverhandlungen in das Autohaus gegangen. „Mein Vater war skeptisch, ist mit in die Nähe der Tür“, berichtet der Zeuge. „Ich war damals dumm. Aber Herr Stephan hatte über ein Jahr lang ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, so dass ich ihm vertraute.“

Flucht mit weißem Mercedes

Während der Verhandlung habe Herr Stephan zurückgefragt, ob er noch eine Zusatzgarantie für 1000 Euro buchen solle. „Kurz darauf sah ich aber, wie er aus dem Fenster kletterte und in ein weißes Auto einstieg.“ Mit ausgebreiteten Armen habe er sich vor den Mercedes gestellt. Nach kurzem Stopp sei die Limousine, in der drei Personen saßen, wieder angefahren: „Der Fahrer hat gegrinst.“

Er sei auf die Motorhaube, habe an die Frontscheibe geschlagen. „Meinen Vater habe ich nur kurz gesehen. Auf einmal war er weg.“ Er selbst sei nach einer Kurve seitlich vom Auto gerutscht und habe dann die Hand losgelassen. Er habe sich das Knie geprellt und Schürfwunden zugezogen. Seinen Vater habe er regungslos vorgefunden, der wenige Tage später den schwersten Kopfverletzungen erlegen ist.

Angebot der Geldrückgabe bei Verzicht auf Anzeige

„Am Abend des Tattages hat mich Herr Stephan angerufen. Er wollte mir das Geld zurückbringen, wenn ich auf eine Anzeige verzichte“, sagt der Geprellte, der schwere psychische Schäden davontrug und nun vorfristige Rente beantragt hat.

Vergleich mit RAF-Prozess gezogen

Unterdessen haben die Verteidiger zwei Befangenheitsanträge im Namen ihrer Mandanten gegen den Vorsitzenden Richter Harald Tscherner gestellt. Sie stört die Sicherheitsanordnung, wonach auch sie durchsucht werden und ihre Handys abgeben müssen. „Als junger Student war ich bei den RAF-Prozessen, da wurden Verteidiger nicht auf diese Weise kontrolliert“, sagt Verteidiger Hans Meyer-Mews. Der Vorsitzende begründete die Maßnahmen damit, dass die Angeklagten möglicherweise zu einer Bande gehören und er die Anwälte vor Einflussnahme bewahren wolle. Andere Richter müssen über den Ablehnungsantrag entscheiden.

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