Tod im überhitzten Zimmer: Prozess wegen Kindstötung beginnt im Juni

Stundenlang lag Lucy-Celine allein in ihrem Zimmer im ausgebauten Dachgeschoss einer Erfurter Wohnung - bei Temperaturen von über 30 Grad.

Über 30 Grad Celsius sollen in dem Zimmer des Mädchens geherrscht haben. Foto: Thomas Wieck/dapd

Über 30 Grad Celsius sollen in dem Zimmer des Mädchens geherrscht haben. Foto: Thomas Wieck/dapd

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Erfurt. Die Hitze staute sich derart auf, dass das erst 14 Monate alte Mädchen im Juli 2012 schließlich daran starb. Heute beginnt vor dem Landgericht Erfurt der Prozess gegen die Eltern. Ihnen wird unter anderem Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen sowie eine Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht vorgeworfen.

Die 22 Jahre alte Mutter soll nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft am frühen Morgen im Juli ihre jüngstes Kind versorgt und dann in das Kinderbett im Dachgeschoss gebracht haben. Im weiteren Verlauf des Tages kümmerte sie sich nicht weiter darum, sondern beschäftigte sich mit dem zwei Jahre alten Sohn. Der 29 Jahre alte Vater war in der Zwischenzeit nicht in der Wohnung.

Laut Anklage musste den Eltern bewusst gewesen sein, dass sich das Zimmer der Tochter aufgrund der seit Tagen herrschenden Sommerhitze extrem aufgeheizt hatte und dort Temperaturen über 30 Grad herrschten. Im Laufe der Mittagszeit starb das Kind an Überhitzung.

Einem Gerichtssprecher zufolge gab die junge Frau bei den Vernehmungen an, mehrmals nach ihrem Kind geschaut zu haben. Sie habe aber immer den Eindruck gehabt, dass es schlafe. Der Vater war dem Gericht zufolge zunächst als Zeuge vernommen worden, wird nun aber auch beschuldigt. Er habe sich noch nicht zu den Vorwürfen geäußert, sagte der Sprecher. Direkt nach dem Fall war das zweite Kind des Paares demnach in die Obhut des Jugendamtes gegeben worden. Für den Prozess sind insgesamt vier Verhandlungstage bis Anfang Juni angesetzt.

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