Vorsicht bei vermeintlichen Schnäppchen: Schleizer steht wegen Windows-Raubkopie vor Gericht

Gera  Echt oder gefälscht? Ein Mann aus Schleiz saß auf der Anklagebank, weil auf seinen beiden Computern kein Original des Betriebssystems installiert war. Der Staatsanwalt warnt vor vermeintlichen Schnäppchenkäufen im Internet.

Thema des Prozesses vorm Amtsgericht Gera: So sieht eine Original-CD des Betriebssystems Windows 7 Professional aus, das inzwischen von Nachfolgern abgelöst ist. Foto: Tino Zippel

Foto: zgt

Eine Raubkopie von Windows 7, die auf zwei seiner Computer installiert war, hat einen 23-jährigen Mann aus Schleiz auf die Anklagebank des Amtsgerichtes Gera gebracht.

Ermittler hatten die beiden tragbaren Rechner bei einer Hausdurchsuchung beschlagnahmt. Diese hatte die Staats­anwaltschaft aber nicht wegen vermeintlicher Raubkopien beantragt, sondern weil der Mann im Drogengeschäft aktiv war. Bei der Auswertung der Rechner stellten die Ermittler schließlich nach einer Abfrage bei Microsoft fest, dass der verwendete Lizenzschlüssel gefälscht war – ein klassischer Zufallsfund.

Rechner beschlagnahmt bei Hausdurchsuchung

Vor Gericht ließ der Angeklagte von seinem Verteidiger Heiko Ramthun eine Erklärung abgeben. Demnach habe der Angeklagte die beiden Computer von einem Kunden erhalten, weil dieser Außenstände bei ihm hatte. An dessen Namen könne er sich nicht mehr erinnern; es handelte sich um Schulden aus Drogen­geschäften. Jedenfalls sei auf beiden Notebooks bereits „Windows 7 Professional“ installiert gewesen. Zudem sei der Lizenzschlüssel in einer Textdatei mitgeliefert worden.

Im Juni 2013 sei eine Neu­installation erfolgt, da die Computer zu langsam geworden seien. Wenige Tage später sei der Rechner bei der Durchsuchung beschlagnahmt worden – noch innerhalb der Frist von 30 Tagen, in denen sowieso eine kostenlose Probenutzung möglich sei, erläuterte Ramthun.

Warum die Software mit gleichem Schlüssel auf zwei Rechnern installiert war, wollte Staatsanwalt Frank Schneegaß wissen. Der Anwalt verwies auf Volumenlizenzen, bei denen mehrere Rechner mit gleichem Lizenzschlüssel freigeschaltet werden. Auch habe Microsoft den Lizenzcode bei der Eingabe akzeptiert, so dass für seinen Mandanten nicht ersichtlich gewesen sei, dass es sich um eine Fälschung handelt.

Der Vorsitzende Richter Friedrich Franke folgte schließlich nach einigem Abwegen dem Vorschlag des Verteidigers, das Verfahren nach Paragraf 153 einzustellen. Staatsanwalt und der Angeklagte hatten diesem Vorgehen zugestimmt, das bei allenfalls geringer Schuld des Angeklagten möglich ist.

Interessant am Rande: Rechtsanwalt Ramthun berichtete beim Prozess, dass er selbst die Windows-Lizenzen für seine Computer bei Ebay erworben hat. „Bei einem seriösen Händler“, wie er betonte. „Da gibt es hunderte Angebote. Die Händler würde Microsoft doch nicht gewähren lassen, wenn das alles Raub­kopien wären.“

Staatsanwalt Schneegaß schüttelte den Kopf. Er erläuterte, dass auch gefälschte Schlüssel bei der Registrierung funktionieren können. Diese würden zu günstigen Preisen im Internet als vermeintliche Originale vertrieben, teils sogar mit entsprechenden nachgemachten Hologrammaufklebern.

Bei günstigen Lizenzen misstrauisch werden

„Wenn der Preis für eine Lizenz zu günstig ist, sollten die Kunden stutzig werden“, rät der Staatsanwalt. Zumal auch die Gefahr bestehe, leichtfertige Geldwäsche zu begehen: Wer Gegenstände aus einer bandenmäßigen Straftat erwirbt, macht sich auch sich auch als Käufer strafbar – selbst wenn er nicht vorsätzlich handelt.

Der Rechtsanwalt jedenfalls versicherte, dass er seine Betriebssystem-Lizenzen von Microsoft überprüfen lassen will – er will auf Nummer sicher gehen, sich nicht strafbar zu machen.

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