Saalfelder Bürgermeisterkandidaten stellen ihre Ziele vor

Saalfeld  Vor der Bürgermeisterwahl in Saalfeld: Podiumsdiskussionen mit den Kandidaten.

Das Saalfelder Rathaus: Wer wird demnächst den Chefsessel einnehmen?

Das Saalfelder Rathaus: Wer wird demnächst den Chefsessel einnehmen?

Foto: Klaus Moritz

Für freie Wahlen „sind wir vor 29 Jahren auf die Straße gegangen“, rief Gisela Schieferdecker vom Kiwanis-Club dem zahlreichen Publikum am Montagabend im Saalfelder Autohaus Müller zu.

Nun, am 15. April, hätten die Saalfelder die freie Wahl unter fünf Kandidaten für das Bürgermeisteramt in der Feengrottenstadt , „und sie alle im Saal wissen das zu schätzen“.

Zu schätzen wussten die von den Service-Clubs Rotary, Lions und Kiwanis geladenen Gäste auch, dass sich die fünf Kandidaten ihren Fragen und denen des Moderators Didi Bujack stellen wollen. Steffen Kania (CDU), Steffen Lutz (SPD), Oliver Brömel, Sebastian Sussek und Roland Beyer (alle parteilos) nahmen auf dem Podium Platz und Didi Bujack gab zunächst Raum zur Selbstvorstellung.

Kania, 43-jähriger Oberarzt an den Thüringen Kliniken, warb mit seinem ehrenamtlichen Engagement in mehreren Vereinen: „Das Ehrenamt ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält.“ Steffen Lutz (47), „gebürtiger Saalfelder“ und Rechtsanwalt von Beruf, stellte sich als „Anwalt der kleinen Leute“ vor. Oliver Brömel (51) ist gelernter Gas-Wasser-Installateur mit Meisterbrief, Betreiber einer Immobilienfirma, und „verheiratet mit Elsa von Hirschhausen“, einer Apotheken-Inhaberin und Stadträtin in der FDP-Fraktion. Sebastian Sussek bezeichnete sich als „der Unbekannteste in der Runde“. Der 38-jährige Industriemechaniker ist ledig, hat als einziger Kandidat keine Kinder und daher „Zeit für das Amt“. Sein Hobby sei das Angeln, lässt er wissen, wenn auch oft erfolglos. Roland Beyer (58) ist Kraftfahrzeug-Handwerksmeister und wurde nach der Wende „ins kalte Wasser“ der Lokalpolitik geworfen, als Bürgermeister von Reschwitz.

Großen Raum an diesem Abend nahm die Zukunft der Bahnhofs-Brache ein. Dort sollte ein Fachmarktzentrum hin, doch die Saalfelder haben sich in einer Bürgerbefragung knapp dagegen ausgesprochen - und Anteil daran hatte Brömel, denn er habe „mit großer Gewalt gegen das Fachmarktzentrum gekämpft“ und er habe „gewonnen“. Allerdings, so Brömel, habe sich dann der Stadtrat in einer wenig transparenten Entscheidung wieder für ein Fachmarktzentrum entschieden.

Das konnte Steffen Lutz so nicht stehen lassen, es sei schon „grundsätzlich transparent in Saalfeld“, erklärte er. Wegen befürchteter Schadensersatzansprüche des Investors habe der Stadtrat allerdings „zwischendurch nicht einfach Nein“ sagen können. Steffen Kania erinnerte daran, dass der Bahnhof als Außenbereich gilt und deshalb zum Schutz innerstädtischer Händler auch die abgespeckte Stadtratsversion des Fachmarktzentrums nicht gebaut werden kann. So kommt Kania zu dem Schluss: „Es gibt keine konsensfähige Lösung.“ Es bliebe nur übrig zu klären, welche Schadensersatzansprüche der Investor habe. Allerdings, so Kania: „So wie es ist, kann es auch nicht bleiben.“

Das genügte Moderator Bujack nicht und hakte nach: „Was würden Sie wollen?“ Kania daraufhin: „Einen Mix aus Handel, Gewerbe und Wohnen.“

Wohnen! Das war bislang stets als unrealisierbar angesehen worden. Auch Sussek kann sich das vorstellen. Eine Hälfte könnte ein Park mit einem kleinen Teich sein, die andere Wohnen. „So laut ist es da unten gar nicht.“ Auch Lutz beschrieb seine Vision mit „einem Mix, der wie ein Stadtviertel funktioniert“. Im Übrigen, da kam der Rechtsanwalt durch, glaube er nicht einmal sicher, dass Schadensersatz-Ansprüche bestehen. Brömel, immer noch ganz der Gegner des Fachmarktzentrums, kann sich indes „eine Blümchenwiese“ am Bahnhof vorstellen. Die Bebauung könne „nachfolgenden Generationen überlassen werden“. Das sei besser, als es jetzt „zuzupflastern“. Alternativ brachte Brömel nochmals seine Vision zum Ausdruck, am Bahnhof die medizinische Fachhochschule als Teil eines Medi-Campus anzusiedeln.

Roland Beyer sprach sich seinerseits gegen Handel aus: „Man kann den Euro nur einmal ausgeben.“ Er wiederholte seine bereits in einem OTZ-Interview gemachte Vision eines Standortes für Traditionszüge sowie einer Ausbildungsstätte für Dampflok-Heizer und - Fahrer.

Weitere Themen waren die Digitalisierung, der ICE-Halt in Saalfeld, die Verwaltungsreform, das Städtedreieck, bezahlbarer Wohnraum... Ob aber die Kandidaten mit ihren Positionen zu einem Stimmungsumschwung zu ihren Gunsten beitragen konnten, bleibt fraglich. Auf Didi Bujacks Frage, wer denn von den etwa 150 Anwesenden erschienen sei, ohne zu wissen, wen er wählen wird, meldeten sich laut Didi Bujack nur „knapp ein Dutzend“.

Den größten Lacher des Abends erzielte Roland Beyer mit seiner Antwort auf die Frage nach seinem Rezept gegen die demografische Überalterung. „Drei oder vier Kinder jeder“, erklärte Beyer, „sonst funktioniert es nicht!“

Kommentar: Feen an die Macht!

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