Schleizer Berufsschüler mieten Universitäts-Professor

Die Berufsschule Schleiz nimmt an der Aktion "Rent a Prof" teil und die Schüler entscheiden sich für Prof. Dr. Georg Büchel vom Institut für Geowissenschaften Jena und treffen eine gute Wahl. Vier Schulklassen hören einen Streifzug durch Rohstoffreserven, Geologie und Energie.

Prof. Georg Büchel von der Uni Jena hielt im Rahmen der Aktion "Rent a Prof" einen Vortrag ander Berufsschule in Schleiz. Foto: Uli Drescher

Prof. Georg Büchel von der Uni Jena hielt im Rahmen der Aktion "Rent a Prof" einen Vortrag ander Berufsschule in Schleiz. Foto: Uli Drescher

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Schleiz. Prof. Georg Büchel von der Friedrich-Schiller-Universität Jena wundert sich im Staatlichen Berufsbildungszentrum Schleiz. Gestern pünktlich zehn Minuten vor 8 Uhr saßen etwa 40 Berufsschüler gespannt auf ihren Plätzen. "An der Uni wären da nur die Hälfte dagewesen", staunt der gemietete Professor. Und er legt sofort los mit einer furiosen geowissenschaftlichen Reise um den Planeten.

Der Geowissenschaftler Georg Büchel ist einer von zwölf Professoren, die an der Aktion "Rent a Prof" teilnehmen – miete einen Professor. Schon seit dem Jahre 2000 beteiligt sich das Institut für Geowissenschaften der FSU in Jena daran und derzeit haben die Schulen dort zwölf Experten zur Auswahl, die auf Wunsch in die Schulen kommen und Vorträge halten. Kosten entstehen dabei nicht und auch die Professoren bekommen nur die Fahrtkosten, sagt Büchel. "Für uns ist das eine Form der Öffentlichkeitsarbeit, um auch die Verbindung zu den Schulen zu halten, selbst wenn wir von diesen Schülern jetzt unmittelbar keine Studenten bekommen."

"Die Berufsschüler in Schleiz haben sich Prof. Büchel mit seinem Thema ’Rohstoffreserven und Rohstoffresourcen – wie lange reichen sie?’ mehrheitlich aus dem Themenangebot gewählt", berichtet Lehrer Ralf Weinrich. Er hatte über die Aktion in der OTZ gelesen und sie als Bereicherung für das Angebot der Schule gesehen. Das sah auch der amtierende Schulleiter Steffen Töpel so und man bot den Schülern diese Möglichkeit an. Sie langweilten sich gestern keine einzige Minute und bereuten ihre Wahl nicht.

Den Ausgangspunkt für seinen Streifzug durch ein hochinteressantes Wissenschaftsgebiet wählte Büchel bei Georgius Agricola, der 1556 das Buch der Metallkunde "De re metallica" verfasste. Bereits dort beschrieb er neben den Methoden der Metallgewinnung aus Erzen auch die Krankheiten der Bergleute, die damals noch nicht als Strahlenkrankheiten bekannt waren. Auf die Hauptfrage seines Vortrages, wie lange denn Rohstoffreserven und Rohstoffressourcen ausreichen, um den Energie- und Metallbedarf der Menschheit zu decken, gab es keine klare Antwort. Der Professor machte zunächst mal mit dem Zahlenunsinn Schluss, den er in den Medien findet über die angebliche Zeit, bis zum Beispiel Erdöl oder Kohle zu Ende seien. "Da hat ein Journalist mal den Tagesbedarf genommen und über die geschätzten Vorräte die Jahre ausgerechnet, die noch bleiben." Das hänge aber von ganz anderen Faktoren ab, zum Beispiel wie viel die Menschheit in der Zukunft verbrauche, vor allem wie sich die Preise entwickeln und die Technologien. Und das können niemand sagen, so Büchel. Die Rohstoffreserven machten außerdem nur einen kleinen Teil der Rohstoffressourcen aus. Steigen die Preise für bestimmte Metalle, dann werden unter Umständen Gewinnungsmöglichkeiten wirtschaftlich, auf die man vorher verzichtet habe.

Der Geowissenschaftler diskutierte mit den Schülern auch die Markmechanismen für Metallpreise und die Spekulationen mit wichtigen Rohstoffen wie Kupfer und seltene Erden.

Die Vortragszeit verging wie im Fluge und die Schüler hätten vermutlich auch noch länger zugehört. Die Berufsschule hat bereits zwei weitere Professoren eingeladen, um die Reihe fortzusetzen.

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