Schneidige Traditionspflege in Reinstädt

Reinstädt  Zur Landesmeisterschaft im Mähen mit der Sense in Reinstädt muss der 17-jährige Benito Reusche an Schwung zulegen.

Zur Thüringer Meisterschaft im Mähen mit der Sense in Reinstädt ist der 17-jährige Benito Reusche

Zur Thüringer Meisterschaft im Mähen mit der Sense in Reinstädt ist der 17-jährige Benito Reusche

Foto: Dörn

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Während sich andernorts Menschen böse Blicke zuwerfen, weil der Nachbar zur unmöglichsten Zeit mit dem Rasenmäher durch den Garten knattert, ist diese Grasmahd betont leise. In Reinstädt ist am Sonntag, 19. Mai, nur das Rauschen der Sensen zu hören, wenn Grashalm um Grashalm fällt. Die Landesmeisterschaft ist Mähen mit der Sense ist ein sportlicher Wettbewerb, für den sich nur noch wenige Kinder und Jugendliche erwärmen können. Benito Reusche ist einer von ihnen.

Gekonnt zieht der 17-Jährige sein schnittiges Arbeitswerkzeug durch das Grün. Als er fünf war, schwang er das erste Mal bei einer Landesmeisterschaft die Sense. „Er hat es sich gut abgeguckt“, sagt Vater Andre Schneider, der nicht nur hauptberuflich für die Agrargenossenschaft Reinstädter Grund große Mähdrescher bedient, sondern privat selbst mit der Sense hantiert. Und das ausgezeichnet.

Schneider war mehrmals Sieger der Landesmeisterschaft, die im jährlichen Wechsel in Altenburg und Reinstädt organisiert wird. Das schaute sich auch Sohn Benito interessiert an, der schließlich als kleiner Junge seine eigene, vom Vater gebastelte Sense erhielt.

Strafsekunden bei ungenauem Schwad

Seitdem ist Benito bei den Meisterschaften dabei und landete oft auf dem Siegertreppchen in der Jugendkategorie. Wie oft er gewonnen hat? „Oh, ich das weiß ich gar nicht mehr“, sagt er schmunzelnd.

Jetzt, mit 17, muss er in die Erwachsenenkategorie aufsteigen. „Das ist ein ganz schöner Sprung“, weiß sein Vater. Statt ein 6 mal 4,5 Meter großes Feld zügig abzumähen (diese Größe gilt auch für Frauen und Senioren), misst die Fläche nun 6 mal 10 Meter. Worauf es ankommt, ist nicht nur die Schnelligkeit. Genauso wichtig ist der akkurate Schnitt und die gleichmäßige Aufschichtung des Mähgutes zur Schwad. Bleibt nur ein Büschel stehen, drohen Strafsekunden. Austragungsort ist am Sonntag die Wiese am Ortseingang von Reinstädt, die Andre Schneider über das Jahr pflegt, damit sie gleichmäßig bewachsen ist. Noch steht das Futter relativ niedrig, es war zuletzt zu kalt und zu trocken, erzählt er. Dann machte auch noch – welch Ironie – der Rasenmäher der Gemeinde schlapp, mit dem es leichter gehe, die Parzellen für die Teilnehmer abzutrennen. Gibt‘s denn einen Heimvorteil? „Naja, man kennt zwar das Gelände, aber im Großen und Ganzen nicht“, sagt Schneider.

Richtige Profis seien ohnehin in Reinstädt nicht am Start. Andre Schneider verweist auf die Europameisterschaften, wo Österreicher und Italiener anrücken, die selbst im Winter trainieren, samt Gewichten an der Sense. Da sieht auch der mehrmalige Thüringenmeister keinen Stich.

Der Wettbewerb in Reinstädt soll Spaß machen. Für das Üben blieb Sohn Benito zuletzt ohnehin keine Zeit, er steckt mitten in den Abschlussprüfungen für die Schule, um bald seine Lehre in der Landwirtschaft zu beginnen.

Dass es hierzulande überhaupt Nachwuchs im Sensenmähen gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Früher war es Alltagsarbeit in der Landwirtschaft. Heute dominiert die Technik. Selbst in Dörfern ziehen Mähroboter ihre Bahnen durch die Gärten, wozu braucht es da noch Handarbeit? Die Teilnehmer sind in gewisser Weise auch Botschafter für eine schneidige Tradition.

Angebote für gestresste Großstädter

Aber wer weiß: Vielleicht entwickelt sich die Sensenmahd hin zum neuen Wellnesstrend. Bei einigen Anbietern für Aktivurlaube werden zumindest Kurse für gestresste Großstädter offeriert.

Die angepriesenen Vorteile: Sensenmähen hält fit, ist naturnah und beruhige durch das meditative Hin und Her schwingen. Selbstfindung bei der Feldarbeit, der Landwirt mag da schmunzeln.

Zum Programm

Die 16. Thüringen-Meisterschaft im Mähen mit der Sense beginnt am Sonntag, 19. Mai, ab 10 Uhr. Von Richtung Kahla kommend ist am Ortseingang von Reinstädt die Wettbewerbswiese angelegt. Die Agrargenossenschaft Reinstädter Grund und der Feuerwehr- und Kulturverein sorgen für das leibliche Wohl der Besucher, Moderator und Sänger „Hans im Glück“ unterhält.

Anmeldung für Teilnehmer bei der Agrargenossenschaft Reinstädt, Telefon (036422) 22 22 8 bzw. info@agreinstaedt.de

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