Schwarzatal-Hospiz: Heimstatt für die Lebensdämmerung

Katzhütte  Schwarzatal-Hospiz: Ein Vierteljahr nach dem Richtfest steht mit Anfang Juli auch die Inbetriebnahme fest

Noch vier Monate, dann wird das Schwarzatalhospiz in Katzhütte eine Lücke im Hospiznetz Thüringens schließen. Die Einrichtung wird acht Hospizplätze für vier Landkreise in der Südthüringer Region vorhalten.

Noch vier Monate, dann wird das Schwarzatalhospiz in Katzhütte eine Lücke im Hospiznetz Thüringens schließen. Die Einrichtung wird acht Hospizplätze für vier Landkreise in der Südthüringer Region vorhalten.

Foto: Henry Trefz

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Noch im letzten Herbst war offen, wann genau in diesem Jahr das Schwarzatal-Hospiz vis-a-vis des gleichnamigen Ambulatoriums in der Oelzer Straße seine Pforten öffnen würde.

„Wir möchten am 1. Juli den offiziellen Einweihungsfestakt durchführen“, berichtet Bauherrin Evi Müller, die das Projekt zusammen mit ihrem Mann Dr. Heiner Müller verantwortet. „Mindestens ebenso wichtig ist uns aber ein Tag der offenen Tür, bei dem wir vor allem den zahlreichen Förderern und Spendern, aber auch jedem Interessierten zeigen wollen, wie so ein Hospiz von innen aussieht, denn, wenn die ersten Gäste einziehen, wird der innere Hospizbereich kein öffentlicher Ort mehr sein.“

Evi Müller kennt so viele Details, dass es mit ihren Erläuterungen leichter fällt sich das fertige Hospiz vorzustellen. Klar in seinen Funktionen erkennbar ist da etwa schon der Heizungsraum. Auch wenn in den gemeinschaftlichen Bereichen, etwa dem im Erdgeschoss des Altbaues geplanten Begegnungscafé, noch das neutrale Weiß dominiert, gibt es schon interessante Details: Eine Akustik-Decke zum Beispiel sorgt dafür, dass angeregte Gespräche hier auch im Raum bleiben.

Und – zumindest Evi Müllers Überlegungen nach – dürfte das neue Hospiz das einzige Gebäude im Dorf sein, das einen Fahrstuhl hat. Mit ihm gelangen auch Gäste – Evi Müller möchte diesen Terminus verwenden, weil Patienten und Klienten als Alternativen den falschen Zungenschlag haben – auch dann von Eingang oder Krankenwagenzufahrt in ihre Zimmer, wenn sie nicht mehr laufen können.

Ein Garten soll auf der straßenabgewandten Seite zwischen dem Gebäude und dem nahen Ufer der Schwarza angelegt werden. Gerade die ländliche Lage in einem Gebirgsdorf mit viel Grün drumherum ist eine Eigenschaft, die für viele mögliche Gäste, die ihr Leben in ähnlicher Umgebung verbracht haben, viel zählt.

Baumschnitt für Balance aus Grün und Licht

Damit es die richtige Balance zwischen Grün und Licht gibt, nutzen Experten die letzten Februartage, um die teils doppelte Haushöhe erreichenden Bäume zurückzuschneiden. Krachend fällt mancher Ast in das Baufeld zwischen Haus und Ufer, der noch aufgefüllt werden soll, denn Barrierefreiheit ist auch im Freien ein wichtiger Punkt. Dafür muss aber das Gerüst weichen, das im Moment noch für die Dachdecker und die im Anbau noch fehlende Außenfassade unabdingbar ist.

Wer von außen aufs Gebäude schaut, käme gar nicht auf den Gedanken, dass es mit dem Anbau an die frühere Gemeindeverwaltung auf mehr als die doppelte Größe gewachsen ist.

Neben der Bauüberwachung gehen Evi Müllers Gedanken aber schon längst zu ihrer Arbeit nach der Eröffnung. Dafür ist sie in diesen Tagen intensiv auf der Suche nach Personal und war dabei auch schon erfolgreich.

„Trotzdem es viel auch palliativpflegerische Erfahrung gibt, in einem Hospiz zu arbeiten, wird für uns alle neu sein“, sagt Evi Müller und hat die ersten Tage nach der Einweihung auch schon für intensive Teambildungsarbeit reserviert.

Im Mittelpunkt all der Arbeit aber stehen die Gäste und ihre Angehörigen. Sie alle brauchen Begleitung, damit die letzten Schritte des Gastes durch sein Leben, ganz gleich wie viele es noch sein mögen, in Würde, schmerzfrei und wenn möglich ausgesöhnt mit dem Schicksal gegangen werden können.

Dafür haben die Angehörigen eine zentrale Rolle, weiß Evi Müller und deswegen sind im Hospiz zwei Zimmer für die Angehörigen reserviert, die hier, oder – wenn machbar – auch direkt im Zimmer des Gastes übernachten können.

Seelsorge durch einen Psychologen steht ebenso an, wie intensive pflegerische Betreuung, im Bedarfsfall durch die Nähe des Ambulatoriums auch ärztliche Hilfe, die über die medikamentöse Einstellung durch den Hausarzt hinaus geht.

Friseur und Fußpfleger werden vorbeikommen, Kontakte zu einem Notar sind für Patientenverfügungen oder Testamentsfragen hergestellt, selbst ein Bestattungsunternehmen ist, wenn es der Wunsch des Sterbenden ist, willkommen. „Für die Hinterbleibenden kann das Wissen darum, dass schon vorher vieles nach Wunsch geregelt ist, eine Entlastung sein“, so Evi Müller.

Die Müllers möchten nicht nur die letzten Schritte vor dem Tod für alle Beteiligten erleichtern, sie laden auch die Lebenden dazu ein, sich mit dem gern verdrängten Thema früh auseinanderzusetzen. Trauerarbeit beginne, wenn man so wolle, schon lange, bevor der Tod sich – willkommen oder gewaltsam – Zutritt zu unserem Bewusstsein verschafft. Nicht zuletzt dafür soll das Begegnungscafé ein neuartiger Schnittpunkt sein.

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