Sparkasse Saalfeld-Rudolstadt will Strafzinsen von Kommunen

Saalfeld/Rudolstadt  Ab 250 000 Euro Guthaben 0,4 Prozent fällig

Das Logo einer Sparkasse an einer Filiale.

Das Logo einer Sparkasse an einer Filiale.

Foto: Julian Stratenschulte

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Post mit recht unangenehmem Inhalt flatterte diversen Kommunalverwaltungen im Landkreis Ende voriger Woche ins Haus. Darin bietet ihnen die Kreissparkasse Saalfeld-Rudolstadt die „Vereinbarung eines Verwahrentgeltes für Ihre in unserem Haus bestehenden und künftigen Geschäftsgiro- und Tagesgeldkonten“ an. Im Klartext: Die Städte und Gemeinden sollen - zuzüglich zu den üblichen Kontoführungsgebühren - Strafzinsen auf ihre Guthaben zahlen. Aktuell ist von 0,4 Prozent die Rede, was sich schnell zu fünfstelligen Beträgen summiert, die in keinem Haushalt eingestellt sind.

Als Begründung wird das allgemein niedrige Zinsniveau angeführt. So gelte auch für die Inanspruchnahme der Einlagenfazilität der Europäischen Zentralbank derzeit eine Negativ-verzinsung. Eine Trendwende sei nicht erkennbar, weshalb man „bei Geschäftskunden mit hohen Guthaben ein Entgelt einführen“ werde. Erhoben werden soll der Strafzins von 0,4 Prozent auf Guthaben jenseits eines Freibetrages von 250 000 Euro. Die Vereinbarungen, die erst nach Unterschrift durch die Verwaltung gültig werden, sollen ab 1. September Anwendung finden.

In den Stadtverwaltungen von Saalfeld und Rudolstadt reagiert man mit Zurückhaltung auf diese Entwicklung. „Derzeit steht die Stadtverwaltung mit der Kreissparkasse hierzu in Verhandlungen. Termine gibt es bereits für diese Woche“, so Sprecher Christopher Mielke. Die Stadt sei insgesamt über die allgemeine Zinspolitik nicht glücklich. „Allerdings arbeiten Stadt und Kreissparkasse seit Jahren gut und erfolgreich zusammen, weshalb auf die Verhandlungen optimistisch geblickt wird“, so der Sprecher.

In Rudolstadt setzt man ebenfalls auf Gespräche, macht aber auch deutlich: „Bei einem Scheitern der Verhandlungen sind wir als öffentlicher Dienst gezwungen, uns nach anderen Anbietern umzusehen“, so Stadtpressesprecher Frank-Michael Wagner.

Was womöglich nicht so einfach wird. „Wir haben bei organisch gewachsenen Kundenbeziehungen keine Negativzinsen eingeführt und werden dies aktuell auch nicht tun“, sagt Willi Obitz, Vorstand bei der Volksbank eG Gera Jena Rudolstadt. Sobald aber größere Beträge von Neukunden geparkt werden sollen, seien „individuelle Gespräche notwendig“.

Post von der Kreissparkasse hatte in dieser Angelegenheit schon vor den Städten und Gemeinden der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt als Gewährsträger des kommunalen Kreditinstitutes erhalten. Erste Gespräche haben hier bereits stattgefunden, über die weitere Verfahrensweise soll entschieden werden, „wenn Landrat und Kämmerer wieder aus dem Urlaub zurück sind“.

Die Sparkasse selbst äußerte sich gestern auf Nachfrage nicht zu dem Vorgang. Martin Bayer, Vorstandschef der Bank mit einer Bilanzsumme von rund 1,2 Milliarden Euro, hatte aber bereits bei früheren Gesprächen diese Möglichkeit angedeutet. Schon im vorigen Jahr waren Öffnungszeiten und Personalkosten reduziert worden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.