Stadtmuseum regt Weigel-Denkmal für Jena an

Jena  Das Stadtmuseum hat jetzt einen neuen Himmelsglobus, wie ihn einst Erhard Weigel schuf. In ihm kann man den Sternenhimmel auch bei Tageslicht sehen.

Teresa Thieme, Kuratorin für Stadtgeschichte, und Museumspädagoge Philipp Albrecht demonstrieren den neuen Himmelsglobus im Stadtmuseum.

Teresa Thieme, Kuratorin für Stadtgeschichte, und Museumspädagoge Philipp Albrecht demonstrieren den neuen Himmelsglobus im Stadtmuseum.

Foto: Michael Groß

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Er war ein Genie, sogar ein Universalgenie, wie Historiker über den Jenaer Gelehrten Erhard Weigel (1626-1699) sagen. Tatsächlich erwarb er sich im 17. Jahrhundert viel Ansehen als Astronom, Physiker, Mathematiker, Pädagoge, mehrfacher Rektor der Jenaer Universität, Stadt-Baumeister, Frühaufklärer und nicht zu vergessen als Schöpfer eines der sieben Wunder von Jena – des legendären Weigelschen Hauses mit erstaunlichen Erfindungen.

Um so verständlicher, dass vor kurzem die Weigel-Gesellschaft ein Denkmal für ihn im Stadtzentrum forderte, möglichst im Rahmen des neu zu bebauenden Eichplatzes.

Weigel als einer der Väter der Planetarien

„Eine Forderung, die auch wir voll und ganz unterstützen“, sagt Ulf Häder, Direktor der Städtischen Museen Jena. „Weigel war eine bedeutsame Persönlichkeit, die weit über Jena hinaus, sogar ins Ausland große Ausstrahlung gehabt hat, auch als Kalender-Reformer.“ Häder verweist darauf, dass Weigel sogar als einer der Väter der Planetarien gelten könne. Schließlich habe er die berühmten Himmelsgloben geschaffen, von denen ein sehr großer und begehbarer einst auf dem Dach des Jenaer Schlosses gethront habe.

Ein Himmelsglobus steht auch im Mittelpunkt des Ausstellungsraumes zur Stadt- und Universitätsgeschichte des 17. Jahrhunderts im Stadtmuseum „Göhre“. Er wurde jetzt sogar erneuert, und zwar durch eine Dauerleihgabe von der Klassik-Stiftung Weimar.

Dabei handelt es sich um einen Himmelsglobus, der extra für die Ernestiner-Ausstellung 2016 in Weimar angefertigt worden war und nun dort nicht mehr benötigt wird. Nach Ansicht von Häder liefert er ein sehr anschauliches Beispiel dafür, wie Weigel die Entdeckung der Sternenhimmels bei Tageslicht ermöglicht habe: Man schaut in die Kugel hinein und kann Sternbilder erkennen.

Der alte Himmelsglobus wurde übrigens von der Ernst-Abbe-Stiftung übernommen. Sie möchte ihn in ihrem Planetarium oder auch in dessen Umfeld neu aufstellen. Schließlich sei so ein Globus ein Planetarium seiner Zeit gewesen.

Der neue Himmelsglobus ist auch mit einem von Weigel selbst verfassten Lehrgedicht versehen. Der Gelehrte hatte seinerzeit sogar neue Sternbilder am Himmel ersonnen und dafür Namen vorgeschlagen. Sie konnten sich damals allerdings nicht gegen die antiken Namen durchsetzen.

In dem Ausstellungsraum ist auch die großflächige Bilderreihe des Malers Heinz Zander zur Stadt- und Universitätsgeschichte zu sehen, unter anderem mit einem Porträt von Erhard Weigel. Außerdem wird in dem Raum auf die Luther-Bibel verwiesen, die einst in Jena gedruckt wurde. Und es können Kopien von Epitaphien betrachtet werden, die früher in der Jenaer Universitätskirche hingen. Anschaulich ist zudem das Modell des Collegium Jenense, das von dem Rothensteiner Maler Gerhard Arlt angefertigt wurde.

Gleichzeitig wird erinnert an einen Zeitgenossen von Weigel, der ebenfalls ein über Jena hinaus anerkannter Wissenschaftler war – an Werner Rolfinck (1599-1673). Der erst jüngst mit einem Buch wieder gewürdigte Mediziner, Pathologe und Botaniker begründete das Anatomische Theater in Jena und machte das Sezieren von Leichen zum normalen wissenschaftlichen Alltag an der Jenaer Universität. Ihm ist nicht nur wie Weigel ein Porträt von Heinz Zander gewidmet, sondern auch eine Vitrine. In ihr sind interessante Exponate ausgestellt – Präparate aus dem Anatomischen Institut der Uni wie etwa das Skelett eines fünf Jahre alten Kindes und ein Sezierbesteck. Auch eine Darstellung des von Rolfinck begründeten ersten Botanischen Gartens ist zu bewundern.

So sollen die beiden großen Jenaer Gelehrten Weigel und Rolfinck noch wirksamer ins Blickfeld der Museumsbesucher gerückt werden. Museumsdirektor Häder, Stadtgeschichts-Kuratorin Teresa Thieme und Museumspädagoge Philipp Albrecht betonen, dass die beiden Frühaufklärer einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für den Ruf von Jena als Stadt der Wissenschaften geleistet haben.

Übrigens kommt Weigel noch einmal im Stadtmuseum zu Ehren. Im Erdgeschoss werden die Jenaer Wunder vorgestellt, so auch das Weigelsche Haus mit einer Erfindung, der Weigelschen Kellermagd: Man goss an einer Stelle Wasser hinein und erhielt an anderer Stelle Wein. Für Weigels Gäste ein Wunder, dessen wissenschaftliches Prinzip im Museum erklärt wird.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.