Unter Denkmalschutz stehender Ehrenhain in Saalburg soll saniert werden

Saalburg  Der Ehrenhain in Saalburg soll saniert werden. Hier sind Opfer der Evakuierungsmärsche von KZ-Häftlingen aus Buchenwald im Juni 1945 beigesetzt.

Der Ehrenhain in Saalburg soll behutsam saniert werden. Auf dem Gedenkstein wird von 64 Menschen ausgegangen, die hier bestattet worden sind.

Der Ehrenhain in Saalburg soll behutsam saniert werden. Auf dem Gedenkstein wird von 64 Menschen ausgegangen, die hier bestattet worden sind.

Foto: Peter Hagen

Der Ehrenhain in Saalburg soll würdevoll gestaltet werden. Für das gesamte Ensemble gibt es die Absicht der Sanierung. Dazu gehören das Ehrenmal, der Kinderspielplatz sowie ein wichtiger Weg, auf dem die Fernwanderroute Eisenach-Budapest verläuft. Im Sommer vorigen Jahres hatte die vorgesehene Investitionssumme von 300.000 Euro zunächst einige Stadtratsmitglieder verschreckt.

Inzwischen ist ein Planungsbüro in Gera damit beauftragt, die Umsetzung des Sanierungsvorhabens vorzubereiten. ­Wobei der Ehrenhain selbst als erstes Element realisiert werden soll. Sanierungsmaßnahmen an dem Weg sowie im Bereich des Spielplatzes sollen als „eigene Bausteine“ zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

Erst nach Kriegsende würdevoll bestattet

„Das Areal ist im Laufe der Jahre verkommen“, lautet das Fazit von Architekt Jörg Keller, der „als Außenstehender völlig unbedarft drauf geblickt“ habe, wie er selbst sagt. Intensiv hat er sich mit der Geschichte des Ehrenhains beschäftigt und neben durchgeführten ­Recherchen bei der Denkmalschutzbehörde auch in den Archiven der Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald geforscht. Denn ­bekannt ist, dass in den letzten Kriegs­wochen KZ-Häftlinge aus Buchenwald auf todbringenden Märschen durch die Region ­getrieben worden waren.

Durch Saalburg sind nach ­bisherigen Forschungen am 12. und 13. April 1945 Häftlinge deportiert worden. Ein Marsch ist demzufolge am 12. April aus Richtung Gräfenwarth gekommen, wo auf dem Gehöft eines Bauern übernachtet worden war. Einen Tag ­später war ein weiterer Marsch mit Häftlingen aus Richtung ­Pöritzsch gekommen. Kurz bevor die Sprengung der Stauseebrücke erfolgte, überquerten sie die Saale.

Zur Entstehung des Ehrenhains kam es, nachdem das amerikanische Militär Saalburg ­erreicht hatte. Häftlinge, die in der Nähe des Ortes die Märsche nicht überlebt hatten und einfach in Straßengräben oder angrenzenden Waldstücken verscharrt worden waren, wurden auf Anweisung exhumiert, um sie würdevoll zu bestatten.

Unklarheit über die Zahl der Opfer

„Es ist kein Ehrenhain schlechthin“, betont daher Jörg Keller die Besonderheit, „es ist eine Grabstätte.“ Noch ist nicht vollständig erforscht, wie viele Opfer tatsächlich Anfang Juni in den ausgehobenen Gräbern beigesetzt worden sind. Im Fotoarchiv der Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald ist von 56 Gefangenen zu lesen, die durch SS-Wachen hingerichtet worden waren, als sie aus der Kolonne fielen. Es gibt aber auch Angaben, wonach 64 Opfer beigesetzt worden seien. Durch amerikanische Soldaten waren jedenfalls ehemalige NSDAP-Mitglieder und Saalburger Zivilisten gezwungen worden, mit einer angemessenen Zeremonie den Opfern die letzte Ehre zu erweisen. Dazu gibt es eine Bilderserie von elf Fotos, auf denen die Exhumierung, das Anlegen der Grabstätte sowie die Gedenkfeier zu sehen sind. Aufgenommen wurden die Bilder von Sherman Chapman, Angehöriger einer von elf Spezialeinheiten der US-Armee, die als Kriegsfotografen im Einsatz gewesen sind.

Die gesamte Anlage des Ehrenhains steht unter Denkmalschutz. Sanierungsmaßnahmen sind daher behutsam umzusetzen. Begonnen werden soll noch in diesem Jahr. Zudem gibt es weiterhin großes Interesse an der historischen Aufarbeitung der Ereignisse von 1945 in Saalburg. Persönliche Erinnerungen sind dabei ebenso gefragt wie überlieferte Berichte von Familienangehörigen.

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