Musikalische Zeitreise mit Ute Freudenberg in Rudolstadt

Mit beeindruckender Bühnenpräsenz überzeugt Ute Freudenberg im ausverkauften Stadthaus der Residenzstadt. Die Lieder, die sie mag, sind bis ins kleinste Detail zielsicher ausgesucht.

Authentisch, ehrlich, gelassen und mit unverwechselbarer Stimme: Ute Freudenberg. Foto: Roberto Burian

Authentisch, ehrlich, gelassen und mit unverwechselbarer Stimme: Ute Freudenberg. Foto: Roberto Burian

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Rudolstadt. Es war der Hit ­"Jugendliebe", der sie 1970 endgültig in den Olymp ostdeutschen Liedguts hob. Das von Bernd Henning komponierte und von Burkhard Lasch getextete Lied gilt als der "Klassiker der DDR-Rock- und Pop­geschichte" schlechthin.

Am Samstag machte Ute Freudenberg Station in Rudolstadt, präsentierte hier ihre "Lieder, die ich mag", und es war offen, ob "Jugendliebe" darunter sein wird.

Elektrisierend ihre physische Präsenz auf der Bühne, schon bevor der erste Ton erklingt. Sie singt im ausverkauften Rudolstädter Stadthaus Titel von berühmten Kollegen wie Milva, Alexandra, Dalida, Barbra Streisand und Tina Turner. Im Publikum sitzen vor allem Fans, die mit ihrem Idol "mitgealtert" sind, Menschen zwischen 40"und 70 Jahren, die "ihre Ute" schon vor Jahrzehnten mit ihrer markanten, kraftvollen Stimme zu schätzen wussten.

Diese Stimme, die in den folgenden 120 Minuten warm und voll war, dunkel timbriert, begabt für das Verruchte wie für das Verliebte, manchmal rau und vulgär, dann aber wieder sanft und voll leiser Melancholie, wie beim Lied für ihren Vater Fritz.

Alles was man mit einer geschulten Singstimme an Klängen und Effekten erzielen kann, beherrscht sie, ohne dabei den Modus des Singens mit dem des Sprechens zu verwechseln: Harmonische Übergänge, das Rollen des R wie bei der Piaf in "Je ne regrrrrrete rrrien" ("Nein, ich bereue nichts"), das sie in französischer Sprache singt.

Die Freudenberg ist nicht nur ausgebildete Sängerin sondern beispiellose Sympathieträgerin in, für und weit über Thüringen hinaus. Sie nimmt ihre Fans vor allem durch ihre Authentizität, Ehrlichkeit, Gelassenheit, ­Bodenständigkeit, ihr Charisma und ihre menschliche Wärme ein.

Sie war und ist nie abgehoben, ist angenehm unaufgeregt, als sie zu Beginn des Abends sagt: "Lassen Sie sich von der Musik berühren, lassen Sie Ihren Gefühlen freien Lauf."

Begleitet wird Ute Freudenberg auch in Rudolstadt von ihrem Keyboarder Michael ­"Micki" Schläger, der seit 15"Jahren an ihrer Seite spielt.

Es habe sie damals wütend gemacht, wenn ihr zu DDR-Zeiten das "Lektorat" Textzeilen gestrichen habe, erzählt die Sängerin. Wenn sie heute so manchen singen höre, wünsche sie sich manchmal dieses Lektorat zurück, bekennt sie. "Ab morgen sind wir tolerant, wir finden jeden Idioten interessant, geben jedem Arsch die Hand", lautet ihre augenzwinkernde Botschaft.

Es ist eine grandiose musikalische Zeitreise. Und als Zugabe der Zugaben kommt sie dann doch noch, die eingangs erwähnte "Jugendliebe". Im neuen, zum Liederabend passenden Arrangement. Mit beeindruckender Bühnenpräsenz überzeugt Ute Freudenberg in Rudolstadt. Deshalb kann sich das Konzert auch sehen und hören lassen. Und die Lieder, die sie präsentiert sind bis in das kleinste Detail zielsicher ausgesucht.

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