Wissenschaftskabarett in Jena: Weltallstaub unter Sohlen und selbst gemachtes Stickstoffeis

Jena  Das Wissenschaftskabarett Science Busters aus Österreich zeigt auf leicht verständliche Art, wie lebensnah Wissenschaft ist. Die Arena in Jena war ausverkauft.

Helmut Jungwirth (links)  und Moderator  Martin Puntigam stellen  Stickstoffeis her, das am Ende ans Publikum verteilt wurde.

Foto: Ulrike Kern

Mit einer Mischung aus frechem Wortwitz in Person des Moderators und Kabarettisten Martin Puntigam und populärwissenschaftlichen Erkenntnissen gastierten am Sonnabend die Science Busters aus Österreich mit ihrem Programm „Warum landen Asteroiden immer in Kratern“ in der ausverkauften Sparkassenarena in Jena. Seit zehn Jahren tourt die Show in unterschiedlicher Besetzung bereits durch die deutschsprachigen Lande, ist aus den Medien und durch zahlreiche Buchveröffentlichungen bereits bekannt.

Diesmal in Jena trafen der Mikrobiologe und Leiter des Geschmackslabors an der Uni Graz, Helmut Jungwirth­, und der Astrophysiker Florian Freistetter, der schon seit 15 Jahren in Jena lebt und forscht, aufeinander. Ein Heimspiel für den einen, dem Publikum in der Wissenschaftsstadt Jena die Rätsel des Universums zu erklären. Eine gute Gelegenheit für den anderen, seine adlige Herkunft zu unterstreichen und auf die tatsächlichen Gefahren für uns Menschen hinzuweisen, nämlich jene realen, wenn auch unsichtbaren direkt aus der Küche.

Dass der Haushaltsschwamm und der Ausguss im Spülbecken die größten Keimschleudern sind und auf Nährböden farbenfrohe Gebilde hervorbringen, dürfte längst hinlänglich bekannt sein. Neu allerdings war aus dem Bereich der Molekularbiologie die Anleitung, wie man aus Eiern, Mehl und Staubzucker, einem Sahnespender und einer Mikrowelle selbst Schwämme herstellen und diese sogar essen kann. Der Professor toppte seine Ausführungen noch am Ende der Show mit der Herstellung von Schokoeis mittels flüssigem Stickstoff, der als kalter Nebel über die Bühne waberte, und einer Schlagbohrmaschine. Das zartschmelzende Ergebnis konnte im Anschluss verkostet werden.

Mittels Asteroiden, Klimawandel, schwarzen Löchern, dem Weltraumstaub an unseren Schuhsohlen – immerhin 100 Tonnen täglich auf der gesamten Erde – und dem sogenannten Ereignishorizont führte der Astrophysiker Freistetter das Publikum wiederum durch sein Spezialgebiet. Welche Zahlen, Fakten und Skizzen letztlich in den Köpfen der Laien hängen bleiben, ist zwar fraglich, unterhaltsam waren seine Aussführungen jedoch allemal.

Dennoch hätte man sich an jenem Abend weniger Schlagabtausch zwischen den drei Protagonisten und mehr Experimente gewünscht. Kabarett können auch andere gut. Und Antworten auf so absurde Fragen wie „Ist der Leib Christi glutenfrei?“ haben die Science Busters schon in zahlreichen Büchern und Hörbüchern gegeben. Eine Wissenschafts-Liveshow lebt nun mal vom Zischen und Puffen auf der Bühne. Dahingehend wäre das Programm also durchaus noch ausbaufähig.

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