2021 werden kleinere Brötchen in Arnstadt gebacken

Arnstadt.  Erfolgreiche Bewerbung für die Landesgartenschau 2028 wäre ein Konjunkturmotor für Arnstadt. Entscheidung fällt Ende 2021.

Der Marktplatz in Arnstadt zur Weihnachtszeit – im nächstem Jahr sollen die Pläne für die Umgestaltung fertig werden, Baubeginn könnte dann 2022 sein.

Der Marktplatz in Arnstadt zur Weihnachtszeit – im nächstem Jahr sollen die Pläne für die Umgestaltung fertig werden, Baubeginn könnte dann 2022 sein.

Foto: Hans-Peter Stadermann

Der erste Lockdown im Frühjahr traf Arnstadt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, zwei Tage vor dem Bachfestival. „Das mussten wir dann Knall auf Fall absagen“, erinnert sich Bürgermeister Frank Spilling (parteilos). Seit dem liegt das gesellschaftliche und kulturelle, aber auch große Teile des wirtschaftliche Leben teilweise oder ganz brach – und nun droht der zweite harte Einschnitt. „Für alle – aber vor allem für unsere Einzelhändler, für die Gastronomen, für die Vereine, für Kulturschaffende und solche, die im Freizeitbereich arbeiten, für alle direkt und indirekt Betroffenen eine wirklich ganz harte Zeit“, blickt er zurück und auch ein Stück voraus.

Vorausblicken muss man auch in der Verwaltung, geht es doch jetzt in die Haushaltsdiskussion für das kommende Jahr. Und das wird keine einfache, erhebliche Einbrüche bei den Einnahmen aus Gewerbe- und Einkommenssteuer machen die Sache nicht gerade leichter. Spilling rechnet alleine bei der Gewerbesteuer coronabedingt mit einem Minus von 50 bis 60 Prozent. „Das bedeutet für uns als Stadt ganz eindeutig weniger Kohle“, sagt er. Ihm macht aber Mut, das die Zusammenarbeit in den Gremien – Stadtrat und Ausschüsse – sehr gut funktioniert hat und funktioniert und das man trotz Corona eigentlich alle Vorhaben im noch laufenden Jahr planmäßig durchziehen konnte.

Spilling setzt dabei Schwerpunkte, auch vor dem Hintergrund, dass man nicht so viel ausgeben kann wie dieses Jahr: „Wir backen Brötchen, aber wir müssen kleinere backen, die nichtsdestotrotz genauso gut schmecken“, nennt er das. Da ist zum einen die Sanierung des Theatervorplatzes samt Musikmuschel, die 2021 in den zweiten Bauabschnitt geht. „Dabei machen auch gleich die Wege zum Theaterplatz mit, die ja auch in einem hundsmiserabelen Zustand sind.“ Der Kunstrasenplatz am Obertunk ist in Bau, dort soll nächstes Jahr ein neues Sozialgebäude gebaut werden – „dringend notwendig und mit allem Drum und Dran, das ist ganz wichtig. Dafür bekommen wir eine hohe Förderung, ohne die wir das nicht geschafft hätten“, so Spilling. Die Kosten für das Projekt: rund 1,7 Millionen Euro.

2021 sollen dann auch die Vorplanungen für die Umgestaltung des Marktes vorangetrieben werden – „einschließlich natürlich des Bismarkbrunnens“, wie Spilling betont. Das Thema treibt die Arnstädter schon seit Jahren um. Das wird dann eine Großbaustelle, „wir müssen dort dann alles umgraben“. Geht mit den Planungen alles glatt und man kann sich auf ein gutes Konzept einigen, dann könnte es 2022 dort losgehen. „Wir haben eigentlich so einen tolles Marktplatz, aber wir müssen eben etwas für die Aufenthaltsqualität dort tun“, sagt Spilling. Und auch auf der anderen Seite des Rathauses zur Weiße hin soll 2021 zusammen mit der Wohnungsbaugesellschaft etwas geschehen, auch das Innenstadtareal wird dadurch erheblich aufgewertet.

„Über allem steht natürlich unsere Bewerbung für die Landesgartenschau im Jahr 2028, die wir nächstes Jahr weiter vorantreiben müssen“, so Spilling. Das wird auch Thema in der Dezembersitzung des Stadtrates sein. Als nächstes soll eine Machbarkeitsstudie erstellt werden, „was uns dann dann nächste halbe Jahr beschäftigen wird.“ Ob Arnstadt den Zuschlag bekommt, erfährt man Ende nächsten Jahres. Wichtig ist das auch für das ganze Gebiet rund um den Mühlgraben, das Areal mit den Industriebrachen könnte dann mit dem Geld für die Landesgartenschau umgestaltet werden. Spilling schwebt eine Lösung unter dem Motto „Wohnen und Arbeiten 4.0“ vor. Außerdem wäre eine Landesgartenschau in Arnstadt ein „riesiger Konjunkturmotor vor allem für unseren Mittelstand, zur Landesgartenschau in Apolda kamen 2017 über 500.000 zusätzliche Besucher dorthin. Wenn das funktioniert, dann wäre das eine tolle Sache für Arnstadt.“Und dann werden natürlich viele begonnene Bauarbeiten weitergeführt – genannt seien hier nur die an der neuen Feuerwache am Obertunk oder die Sanierung des Schlossmuseums.

Und wenn Spilling für 2021 drei Wünsche frei hätte? Es solle sich schnellstmöglich ein Zustand wie vor Ausbruch der Corona-Krise wieder einstellen, „ein normales Leben und das unser Mittelstand, unsere Gastronomie und der Einzelhandel es über den Winter schafft und dann wieder optimistisch in die Zukunft blicken kann.“ Und das alle Arnstädter gesund bleiben: „Das ist das Wichtigste.“