Amazon lenkt ein: Mister Music aus Jena ist wieder online

Jena  Musikhändler Johann Mitterbauer war mehrere Monate als Amazon-Händler in der Kategorie „Musik“ gesperrt – seit gestern kann er wieder verkaufen

"Mr. Music" alias Johann Mitterbauer Foto: Jördis Bachmann

"Mr. Music" alias Johann Mitterbauer Foto: Jördis Bachmann

Foto: zgt

Jenas Plattenguru Johann Mitterbauer, der seit mehr als 20 Jahren den Plattenladen "Mr. Music" in Jena betreibt, war doch sehr überrascht, als er gestern am Morgen den PC einschaltete und in seinen Amazon-Händler-Account sah. Seit zehn Jahren vertreibt er seine Musik auch über die Internetplattform. Doch im November vergangenen Jahres hatte Amazon ihn als Händler ohne ersichtlichen Grund gesperrt. Im Januar musste Mitterbauer aufgrund dieser Sperrung sogar einen Mitarbeiter entlassen (wir berichteten).

Doch gestern waren plötzlich wieder CDs gekauft worden. Ein Blick ins E-Mail-Postfach gab Sicherheit. Dort war um Mitternacht folgende Mail von Amazon eingegangen: "Es freut mich ausgesprochen, Ihnen gute Nachrichten zu später Stunde überbringen zu können: es gelang uns vor wenigen Minuten, die Freischaltung Ihres Verkäuferkontos für die Kategorie Musik zu erwirken. Ich habe soeben Ihren kompletten Lagerbestand reaktiviert. In Ihrem Händlershop auf Amazon.de sind nun wieder 25 520 aktive Angebote zu sehen. [...]"

Die erste CD, die Mitterbauer wieder über Amazon verkaufen konnte war, von der Band "Yes". "Sofern Amazon nicht wieder auf die Idee kommt, mich grundlos zu sperren, ist vorgesehen, den Mitarbeiter, der entlassen werden musste, im Mai oder Juni wieder einzustellen", sagt Mitterbauer. "Ohne die Unterstützung durch die Presse und anderer Personen, die kostenfrei Hilfe angeboten hatten, wäre es aber sicher nicht gelungen, Amazon dazu zu bewegen, mich wieder freizuschalten."

Eine besondere Hilfe war dabei sicher der Einsatz, den Mark Steier für Mitterbauer zeigte. Steier avancierte im Jahr 2010 zum größten Verkäufer bei eBay-Motors. Mit mehr als 30 000 Transaktionen monatlich wurde Steier mehrfach mit dem Powerseller-Award in Platin ausgezeichnet. "Ich hatte mir immer vorgenommen, dass ich mit 45 aufhöre zu arbeiten. Dieses Ziel habe ich erreicht", sagt Steier im Gespräch mit unserer Zeitung. Er zog sich 2012 aus dem aktiven Ebay-Handel zurück und lebt seitdem als Privatier in der Nähe von Köln.

Heute betreibt er den von Axel Gronen (1966 -2014) gegründeten Internetblog "Wortfilter.de". Hier steht er aktiven Händlern noch immer mit Kompetenz und offenem Ohr zur Seite. Durch seinen Blog und durch Medienauftritte wie gestern in der ARD-Sendung Kontraste, wo er als Experte über Steuerhinterziehung asiatischer Online-Händler sprach, hat Steier großen Einfluss, die Marktplatzhändler und ein großes Netz an persönlichen Kontakten – auch zu Amazon. "Ich möchte den kleinen und mittelständischen Unternehmen zu Seite stehen", sagt Steier. "Was ich anbiete, ist eigentlich eine kostenlose Unternehmensberatung."

Mit Falle von Johann Mitterbauer habe er zunächst geprüft, ob die Sperrung tatsächlich grundlos erfolgte. Als sich das bestätigt hat, konnte ich relativ problemlos Einfluss auf Amazon nehmen. "Leider ist es so, dass Händler es nicht leicht haben, zu erfahren, weshalb sie gesperrt wurden." Doch Steier schimpft nicht über Amazon. Im Gegenteil: Er arbeitet mit beim Amazon-Förderprogramm "Unternehmer der Zukunft", mit dem kleine Händler für das Digitalzeitalter gerüstet werden sollen. "An Händler wird heute einfach ein anderer Anspruch gestellt. Es ist wichtig, dass man lernt, wie man mit diesen großen ‚Gegnern‘ dealen kann und wirtschaftliche Vorteile aus ihnen zieht", sagt Steier.

Johann Mitterbauer jedenfalls sieht im Amazon-Vertrieb seiner Musik einen Vorteil. Er ist froh, dass er die Sperrung durch Amazon nicht einfach tolerierte, sondern erfolgreich um seine Freischaltung gekämpft hat.

Jördis Bachmann über Giganten und kleine Unternehmer