Angriff in Halle: Thüringerin erlebte Ausgangssperre

Nordhausen  Arndt Schelenhaus, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Nordhausen, bangte am Mittwoch um seine Tochter in Halle. Die Nordhäuserin erlebte die Schreckensstunden in einer verriegelten Bibliothek.

Blumen und Kerzen sind vor einer Synagoge abgelegt.

Blumen und Kerzen sind vor einer Synagoge abgelegt.

Foto: Gregor Bauernfeind/dpa

Als „wahnsinnig geschockt“ beschreibt der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Nordhausen, Arndt Schelenhaus, seine Stimmung nach dem Anschlag von Halle. Am Mittwoch hatte dort ein schwer bewaffneter Mann versucht, die Tür der Synagoge zu zerschießen und in das Gebäude einzudringen, in dem gerade Jom Kippur gefeiert wurde. Anschließend soll er unweit davon zwei Menschen erschossen haben. Es wird von einem rechtsextremistischen Hintergrund ausgegangen.

Gerade das nimmt Schelenhaus am meisten mit, wie das langjährige Kreistags- und Stadtratsmitglied dieser Zeitung erzählt. „Ich dachte nicht, dass es eine so kranke Gesinnung noch in Deutschland gibt. Ich hatte gehofft, dies überwunden zu haben.“ Eine Mitschuld daran gibt er übrigens dem Internet. „In den sozialen Medien herrscht mittlerweile eine Unverantwortung, sodass auch anonym Dinge gesagt werden, die vor 20 Jahren noch undenkbar waren“, moniert er. Wie die Deutsch-Israelischen Gesellschaft auf das Attentat reagieren wird, sei noch unklar. „Man muss das Geschehene zuerst verarbeiten.“ Doch Fakt ist für ihn: Noch immer belastet das Verhältnis vieler Deutsche zu Juden eine Vielzahl an Vorurteilen. Er werde sich daher mit seinem Vorstand besprechen, wie man dem mit Veranstaltungen begegnen könne. „Gutes Infomaterial gibt es zumindest“, sagt Schelenhaus, für den die Vorfälle in Halle gleich doppelt schockierend waren.

Nordhäuserin erlebt Halles Ausgangssperre

Immerhin studiert seine Tochter seit wenigen Wochen in Halle Archäologie. „Ihre Wohnung und den Tatort trennen nur wenige Meter.“ Nach den ersten Meldungen habe er seine Tochter daher sofort kontaktiert. Die Nordhäuserin erlebte die Schreckensstunden von Halle da gerade in der durch eine polizeilich verhängte Ausgangssperre verriegelte Bibliothek, sagt Schelenhaus mitgenommen.

Nordhäuser Polizei in erhöhter Alarmbereitschaft

Auch die Nordhäuser Polizei hatte derweil zu tun, half bei Sichtkontrollenam A 38-Rastplatz Kesselberg und erhöhte die Bestreifung potenziell gefährdeter Orte in der Stadt. Gegen 17 Uhr sei diese Alarmbereitschaft aufgehoben worden, sagt Polizeisprecherin Fränze Töpfer auf Anfrage.

Aber auch ohne Zwischenfälle wie am Mittwoch seien Landespolizeiinspektionen über religiöse Feiertage informiert und sensibilisiert, heißt es aus der Landespolizeidirektion in Erfurt. „Für solche Objekte werden Gefahrenbewertungen durchgeführt. In deren Ergebnis finden die polizeilichen Maßnahmen statt.“ An besonderen Tagen werden gefährdete Orte also ohnehin öfter bestreift.

Anschlag Halle: Hatte Stephan B. Mitwisser und Hintermänner?

Terroranschlag von Halle – Das Polizei-Protokoll der Tat

Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.