Magdeburg/Erfurt/Leipzig . In immer mehr Kreisen in Deutschland werden von den Behörden Wasserentnahmeverbote verhängt. Gerade der Osten des Landes ist aktuell besonders von Dürre betroffen. Aber was bringen solche Vorschriften?

In immer mehr Landkreisen in Ostdeutschland verhängen die Behörden Wasserentnahmeverbote. Das Umweltbundesamt (UBA) hält solche Einschränkungen derzeit für durchaus sinnvoll. "Diese zeitlich begrenzten Entnahmeverbote sorgen dafür, dass der Gewässerzustand nicht weiter verschlechtert wird", sagt Falk Hilliges, der beim UBA für den allgemeinen Grundwasserschutz zuständig ist.

Auch wenn es keine Studien zur Wirkung der Wasserentnahmeverbote gebe, seien die Verdunstungseffekte sehr hoch, wenn Wasser beispielsweise bei hohen Temperaturen für das Gießen des Gartens eingesetzt werde. Daher seien Beschränkungen in einigen Bereichen eine wichtige Vorsorgemaßnahme, um Grund- und Oberflächenwasser zu schützen.

Welche Regeln gelten derzeit in den Landkreisen?

Die Regeln unterscheiden sich von Landkreis zu Landkreis. Dort, wo bereits Wasserentnahmeverbote ausgesprochen wurden, beziehen diese sich in der Regel darauf, dass zu bestimmten Tageszeiten kein Wasser aus Gartenbrunnen oder Flüssen genommen werden darf. Die Landkreise Salzwedel und Stendal (Sachsen-Anhalt) haben das Bewässerungsverbot sogar auf die Wasserentnahme aus dem öffentlichen Trinkwassernetz ausgeweitet. Grundsätzlich ist hier die Verfügung jedes Landeskreises entscheidend. In Thüringen haben bereits 6 von 23 Kreisen entsprechende Regeln erlassen, in Sachsen-Anhalt 6 von 14 Kreisen und Städten, in Sachsen 2 von 13 Kreisen. Im vergangenen Jahr war dort ein flächendeckendes Verbot im ganzen Land ausgesprochen worden.

Gibt es Ausnahmen?

Auch das regelt jeweils die Verfügung des Kreises. In der Regel gelten Ausnahmen für die Landwirtschaft oder wenn eine wasserrechtliche Erlaubnis vorliegt. Auch das Tränken von Vieh ist meistens ausdrücklich erlaubt.

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Ist so ein Entnahmeverbot sinnvoll?

Zwar gibt es keine Studien zum Thema, aber Experten sind sich einig, dass die Maßnahmen wegen der starken Verdunstung bei hohen Temperaturen sinnvoll sind. "Auch wenn lokale Nutzungseinschränkungen bei langanhaltenden Dürren vielleicht nicht der Game-Changer sind, ist ein sensibler Umgang mit Wasser zu jeder Zeit und überall sinnvoll", sagt Jan Fleckenstein, Wasserexperte vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung in Leipzig. Auch das Umweltbundesamt hält solche Einschränkungen für sinnvoll.

Wie trocken ist es derzeit?

Auch das ist regional sehr unterschiedlich. "Viele Regionen im Osten Deutschlands sind sehr trocken", sagt Falk Hilliger vom UBA. "Im Jahr 2022 gab es in den Bundesländern Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg im Mittel weniger als 80 Prozent des üblichen Niederschlags."

Nach Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) herrscht derzeit vor allem in der Mitte und im Süden Sachsen-Anhalts sowie im Norden Thüringens Trockenstress in einer Bodentiefe ab 80 Zentimeter, was zu außergewöhnlichen Belastungen der Pflanzen führe. Zudem herrscht auch bei vielen Flüssen Niedrigwasser. In Thüringen herrsche in 80 Prozent der Landesfläche derzeit Niedrigwasser, sagt Ralf Haupt vom Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz.

Was droht bei Verstößen?

Bei Verstößen können Bußgelder von bis zu 50.000 Euro verhängt werden. Derzeit scheuen viele Verwaltungen aber noch solche Strafmaßnahmen. In Sachsen-Anhalt etwa seien erst einige wenige Ordnungsgelder verhängt worden, hieß es. Die Behörden wollten nicht in die Gärten der Leute schauen, aber sie müssten aktiv werden, wenn es Anzeigen gebe. Vielmehr sollten die Verbote auch ein dringender Appell an die Menschen, verantwortungsbewusst mit Wasser umzugehen.

Kann ich überhaupt noch guten Gewissens im Garten gießen?

Umweltbundesamt und Deutscher Wetterdienst geben auf ihren Internetseiten Tipps zum richtigen Gießen für Privatleute. So sollte nicht bei großer Mittagshitze gegossen werden. Am besten sollte der Erdboden direkt gegossen werden, außerdem schlägt der DWD Intervalle vor, in denen dann verstärkt statt kontinuierlich gegossen werden sollte. Für die ostdeutschen Länder liegt die Empfehlung aktuell bei alle zwei Tage gießen.

Haben wir schon Wasserknappheit in Deutschland?

Bei allen Maßnahmen und Appellen: Die zur Verfügung stehende Gesamtwassermenge in Deutschland, die auch über den Niederschlag wieder hereinkomme, sei nicht sehr klein, sagt der Leipziger Professor Fleckenstein. Es sei in Deutschland nicht so wie in klimatisch trockeneren Gegenden wie Spanien, wo unkontrollierte Wasserentnahmen während Dürrephasen gravierendere Auswirkungen hätten. «Wir sind es nicht gewohnt, mit Knappheit umzugehen. Wir müssen uns einfach darauf einstellen, dass wir auch in Deutschland sorgsamer mit Wasser umgehen müssen.»