Astronomie-Unterricht revolutioniert: Zeulenrodaer betreibt Europas größte Hubble-Ausstellung

Zeulenroda-Triebes  Hans-Peter Schneider aus Zeulenroda-Triebes (Landkreis Greiz) betreibt Europas größte Ausstellung zum Weltraumteleskop und will jetzt auch eine Variante fürs Klassenzimmer entwickeln.

An der TU Ilmenau enthüllte Hans-Peter Schneider mit Hilfe von Uni-Mitarbeiterin Theresia Lichtlein das bis dahin geheime Jubiläumsfoto zu „25 Jahre Hubble“. Foto: Benedikt Brandau

An der TU Ilmenau enthüllte Hans-Peter Schneider mit Hilfe von Uni-Mitarbeiterin Theresia Lichtlein das bis dahin geheime Jubiläumsfoto zu „25 Jahre Hubble“. Foto: Benedikt Brandau

Foto: zgt

Als hätte ein Silvesterfeuerwerk gerade seine ganze Pracht am Himmel verteilt: Dabei zeigt uns das Hubble-Jubiläumsfoto ein 20 000 Lichtjahre entferntes – ergo 20 000 Jahre altes Ereignis. Das Bild eines gigantischen Sternhaufens samt seiner Kinderstube aus Staub und Gas ist ein weiterer Beleg für die Leistungsfähigkeit des Teleskops. Seit einem Vierteljahrhundert liefert es 600 Kilometer über uns spektakuläre Einsichten.

„Hubble hat den Kenntnisstand der Astronomie revolutioniert“, sagt Hans-Peter Schneider. Der 54-jährige Fachlehrer und frühere Landesfachberater ist ein ganz besonderer Verehrer des Teleskops. „Es zeigt uns“, sagt er, „welchen Platz und welche Geschichte wir in diesem Kosmos haben.“

Schneiders Platz ließ sich schon immer mit dem Geschehen im Weltall definieren. Anfang der 1990er Jahre versuchte er, mit einem Verein ein neues Planetarium in Ostthüringen zu etablieren. Stadt und Landkreis hatte er bereits auf seiner Seite. Dann ein Haushaltsstopp des Landes. „Der kam 14 Tage zu früh.“ Zu dieser Zeit hatte Schneider die Bildungsmesse „Astrodidactica“ in Zeulenroda initiiert. Sie enthielt auch eine kleine Schau zum Hubble-Teleskop. 1994, auf einer Lehrerfortbildung in Bautzen, war Schneider mit dem Thema in Berührung gekommen. Zwei Jahre später durfte er in den USA an einem Lehrertraining für einen simulierten Raumflug teilnehmen. Nach der Rückkehr traf er eine Bauchentscheidung. Sie führte in die Selbstständigkeit.

Mit einem mobilen Planetarium gestartet, konzipierte Schneider parallel Ausstellungen, wie etwa zum Thema „Mensch im Kosmos“, und ließ eine eigene Hubble-Exposition entstehen, die heute als die größte in Europa gilt. Dort zeigt er das Teleskop – eigentlich so groß wie ein Omnibus – im Maßstab 1:4. In Kooperation mit der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa und ihrer europäischen Schwester Esa werden mittlerweile auch Live-Inhalte direkt aus Baltimore eingespielt.

Die völlig überarbeitete Hubble-Schau war erstmals auf der Thüringen-Ausstellung Ende Februar in Erfurt zu sehen. In Gesprächen ist Schneider mit der Jenaer Goethe-Galerie, weitere Anfragen hat er vom Cine­star Imax Berlin und vom Dornier-Museum Friedrichshafen.

„Außerdem möchte ich eine Klassenzimmer-Variante entwickeln. Das habe ich schon bei der Bildungsministerin angesprochen“, sagt er und überspitzt ganz bewusst: An vielen Schulen werde noch die Astronomie des 19. Jahrhunderts unterrichtet – „mit drehbarer Sternenkarte und dem Hertzsprung-Russell-Diagramm“.

Die eigentlich spannenden Themen kämen erst am Ende des Lehrplans vor, dabei könne man dank Hubble die Hauptakteure des Universums in nicht gekannter Schärfe und Schönheit präsentieren. Schneider will Schule an dieser Stelle interessanter machen. „Ich habe ja nie aufgehört, als Lehrer zu arbeiten“, betont er. „Ich habe bloß die Bühne gewechselt.“