Beschämendes Match FSV Orlatal – FC Thüringen Jena: Junge syrische Fußballer angepöbelt

Langenorla  Ein Juniorenspiel zwischen dem FSV Orlatal und dem FC Thüringen Jena am Sonntag zieht ein Verfahren vor dem Sportgericht nach sich: Ein Zuschauer soll den Platz gestürmt und ausländerfeindliche Parolen geschrien haben.

In einem Fußballspiel sollte Fairness herrschen. Anders beim Match in Langenorla. Dort wurden zwei syrische Fußballer übelst beschimpft Symbolboto: Peter Poser

In einem Fußballspiel sollte Fairness herrschen. Anders beim Match in Langenorla. Dort wurden zwei syrische Fußballer übelst beschimpft Symbolboto: Peter Poser

Foto: zgt

Mit „Erschreckend, unfassbar und im Sinne des Sports nicht akzeptabel“ ist ein Spielbericht auf der Internetseite des Fußballclubs Thüringen Jena überschrieben. Demnach habe es bei einem Spiel in der Meisterrunde der C2-Junioren beim FSV Orlatal in Langenorla (Saale-Orla-Kreis) rassistische Beleidigungen gegenüber zwei syrischen Flüchtlingskindern gegeben.

Vier Mannschaften aus Jena, dem Saale-Holzland-Kreis und dem Saale-Orla-Kreis kämpfen in der Meisterrunde um den Titel. Am Sonntag um 10.30 Uhr war das Spiel zwischen dem FSV Orlatal und dem FC Thüringen Jena angesetzt. Von Beginn an habe es „heftige rassistische und beleidigende Anfeindungen gegenüber den Spielern des FC Thüringen“ gegeben, schreibt der Jenaer Verein. Besonders sei gegen zwei syrische Flüchtlingskinder gepöbelt worden.

Die beiden leben in einer Jenaer Unterkunft für unbegleitete Jugendliche, spielen seit sechs Wochen für den FC Thüringen und haben sich dem Vernehmen nach schnell integriert. Einer der 13-Jährigen gehört bereits zu den Leistungsträgern in der Mannschaft und erzielte beim Spiel gegen den FSV Orlatal alle vier Tore.

Weil der Mittelfeldspieler auf der Außenbahn vor den heimischen Zuschauern auf- und ablief und von jenen Beleidigungen zu hören bekam, beorderte Trainer Thomas Beckert den Spieler bereits auf die andere Seite des Feldes. Doch weitere Schimpfworte seien gefolgt. Wie Zuschauer berichten, habe das offenbar auch sein Temperament geweckt, so dass der Spieler mehrfach beruhigt werden musste.

Der negative Höhepunkt der Partie: Ein Gast des Heim­vereins sei unter rassistischen Beleidigungen auf das Spielfeld gestürmt, heißt es auf der Seite des FC Thüringen. Worte wie „Du Ausländersau, ich mache dich platt“ wollen einige Anwesende gehört haben. „Meinen Jungs stand die blanke Angst ins Gesicht geschrieben“, sagt der Jenaer Trainer Beckert. Die Kinder seien so geschockt gewesen, dass sie trotz der 4:3-Führung zu diesem Zeitpunkt noch mit 4:5 verloren haben.

Schiedsrichter schreibt Sonderbericht

Dem Ganzen ging ein harter Zweikampf voraus, der deutlich unterschiedlich bewertet wird. Von der einen Seite heißt es, dass der syrische Spieler aus der Drehung den Ball klären wollte und dabei unglücklich mit einem Orlatal-Spieler zusammenstieß. Andere sprechen von einem bewussten Foul.

Schiedsrichter Achim Kohls brach das Spiel nach dem Vorfall nicht ab. Er zeigte dem syrischen Spieler wegen des Fouls die Gelbe Karte. Weil er schon verwarnt war, ging er mit Gelb-Rot vom Platz.

Selbst im Kreisfußball auf Juniorenebene werden die Spiele alle elektronisch protokolliert. Die Schiedsrichter müssen stets die Frage beantworten, ob es rassistische Vorfälle gab. Kohls will auf OTZ-Anfrage keine Stellungnahme zum Spiel abgeben und verweist auf seinen Sonderbericht, den er anfertigt.

Staffelleiter Thomas Morak vom Kreisfußballausschuss Jena-Saale-Orla bestätigt, dass es eine Eintragung im Spiel­berichtsbogen unter Vorkommnisse gibt. Darin werden Gewalthandlungen und Diskriminierungen protokolliert. Er warte nun auf den Bericht des Schiedsrichters und die Stellungnahme der Vereine. „Ich gebe den Fall weiter ans Sport­gericht, eventuell sogar an eine höhere Stelle, und werde das nicht als Einzelperson beurteilen“, kündigt Morak an. Bislang sei der FSV Orlatal nicht negativ wegen rassistischer Vorkommnisse aufgefallen, sagt der Staffelleiter.

Der Vereinsvorsitzende des FSV Orlatal, Wolfgang Damsch, bestätigt auf OTZ-Anfrage, dass ein Verfahren seitens des Staffelleiters an seinen Verein herangetragen wurde: „Das ist ein schwebendes Verfahren, deshalb gebe ich keine Auskunft.“

Auch Beckert vom FC Thüringen verwies auf das schwebende Verfahren, für das er eine Stellungnahme erarbeitet habe. Ob eine Anzeige erstattet wird, steht noch nicht fest.

Offenbar plagte den Besucher, der das Feld gestürmt hatte, nach dem Schlusspfiff das schlechte Gewissen. Er soll in der Kabine des FC Thüringen aufgetaucht und um Entschuldigung gebeten haben.

Bitter: Das zweite syrische Flüchtlingskind musste das Spiel ebenfalls vorzeitig beenden. Nach einem Zweikampf fiel der Junge unglücklich und brach sich den Arm – wahrlich kein gelungener Fußballtag.

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