Bibliotheks-Baustelle verhindert Jenaer Kulturarena

Jena  Ideen für die Vorplatzgestaltung am Jenaer Theaterhaus sollen gebündelt werden. Noch in diesem Jahr ist Baustart für den Bibliotheks-Neubau.

In ganzer Breite blickt man auf den Vorplatz, wenn der Eiserne Vorhang im Theaterhaus hochgelassen wird.

In ganzer Breite blickt man auf den Vorplatz, wenn der Eiserne Vorhang im Theaterhaus hochgelassen wird.

Foto: Michael Groß

Mit einem Sieger-Entwurf zur Neugestaltung des Theatervorplatzes wird es erst einmal nichts. Die Ideen, die nach einem Aufruf des Theaterhauses Jena eingegangen waren, sollen nun zusammengeführt werden. Das Beste davon soll in einen Vorschlag des Theaterhauses an die Stadt münden, sagt Walter Bart von der künstlerischen Leitung des Theaterhauses.

Tatsächlich hatte sich einiges bewegt, nachdem das Theaterhaus den Diskussionsprozessum den als öde, tot und bis auf zwei Monate Kulturarena zumeist ungenutzten Vorplatz in Gang gebracht hatte. So hatten sich Stadtpolitik und der Eigenbetrieb Jenakultur gemeldet und auf die Ideen verwiesen, die bereits im Zusammenhang mit dem Wettbewerb für den benachbarten Neubau der Ernst-Abbe-Bücherei und des Bürgerservice entwickelt worden seien. Ihre Umsetzung sei jedoch im Gegensatz zur Errichtung des neuen Bibliotheksgebäudes noch nicht finanziert, sagt Jonas Zipf, Werkleiter von Jenakultur. Darüber müsse der neu gewählte Stadtrat entscheiden.

Da will sich das Theaterhaus auf jeden Fall mit einbringen. Man suche das Gespräch mit der Politik, sagt Theaterhaus-Geschäftsführerin Heike Faude. Denn der neue 34 Millionen Euro teure Baukomplex grenzt schließlich den Theatervorplatz an einer Seite fast komplett ab.

Schade, so war am Dienstagabend auf einer Diskussionsveranstaltung des Theaterhauses zu hören, dass für den Neubau kein Zugang von Theatervorplatz aus geplant sei. Jonas Zipf aber verwies darauf, dass man dann die Bibliothek, die sich auf der Seite zum Vorplatz befinden wird, über die Zeit der Kulturarena schließen müsste. Außerdem sollte sich der Hauptzugang schon in der Mitte des Gebäudes und damit zwischen Bücherei und Bürgerservice (Seite zur Neugasse) befinden, um beide Einrichtungen logistisch gut zu verbinden. In die Mitte sei auch noch ein Veranstaltungssaal vorgesehen, der beiden Nutzern, aber auch Projekten des Theaterhauses zur Verfügung stehen soll.

Ein Eckbau könnte Verbindungsglied sein

Es sei aber noch nicht alles ausgeplant, wie Zipf meint und nimmt damit Stellung zu dem Vorwurf, in den Neubauplänen sei keine harmonische Verbindung mit dem Theaterhaus angedacht. Zipf verweist auf die Ecke zwischen Theaterhaus und dem benachbarten Wohnhaus Neugasse 29. Dort könnte noch ein Gebäude entstehen – als Verbindungsglied zum Neubau.

Damit greift Jonas Zipf auch eine Idee von Maarten van Otterdijk auf. Der Bühnenbildner vom Theaterhaus hatte angeregt, durch gläserne Vorbauten einen Anschluss des Theaters an den Neubau zu ermöglichen.

Der Theatervorplatz werde gewinnen mit dem Neubau, meint Elisabeth Wackernagel, im bisherigen Stadtrat Vorsitzende vom Stadtentwicklungsausschuss. Der Neubau sei zudem eine Schallbegrenzung für die Lärmbelastung der Stadt durch die Kulturarena. Und der Vorplatz werde allein schon dadurch gewinnen, dass abendlich die gesamte Fensterfront der Bibliothek erleuchtet sei.

Auch an einen befestigten Verbindungsweg zwischen Vorplatz und Neugasse sei gedacht. Hier soll eine Treppe entstehen. Überlegungen für eine barrierefreie Lösung stünden noch an, versichert Jonas Zipf.

Künstlerisch mit dem Thema Vorplatz und Baustelle beschäftigen

Was den Neubau selbst angeht, so wird er nicht ohne Auswirkungen auf den Vorplatz bleiben. Ende des Jahres sollen die Bauarbeiten beginnen. So richtig ernst werden dürfte es dann im Frühjahr 2020. Das heißt: Zwei mal wird die Kulturarena nicht vorm Theaterhaus stattfinden, stellt der Jenakulturchef klar. Für den Rohbau, der mit drei Kränen erfolgt, werden anderthalb Jahre veranschlagt.

Das sei nun mal Baustellenzeit, die man aushalten müsse. Dass dies gelinge, waren sich bei der Veranstaltung am Dienstag viele sicher. Wer, wenn nicht dieses Jenaer Theater halte eine Baustelle so gut aus? Schon als 1987 der Zuschauerraum abgerissen wurde, spielte man vorübergehend im damaligen Kino „Capitol“. Und das junge Theaterhaus-Ensemble habe sich ja seit 1991 auch mitten in einer Ruine und ständigen Baugeschehens bestens entwickelt.

Schauspieler und Regisseur Walter Bart kündigte schon mal an, dass man sich in der neuen Spielzeit auch künstlerisch mit dem Thema Vorplatz und Baustelle beschäftigen wolle. Man werde gemeinsam mit den Jenaern der Frage nachgehen: Wo ist das Theater?

Ideen für Jenas Theaterhaus-Platz

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