Bleicherode erlebt einen Kinoabend der etwas anderen Art

Bleicherode.  Südharzer rollen Eichsfeldern den roten Teppich aus. Sven Taschs Kurzfilm wird uraufgeführt. Die Resonanz des Publikums ist positiv.

Die Hauptakteure des Voyage-Projektes (von links): Regisseur Tim Krchov,  Musiker Sven Tasch und Schauspielerin Carolin Hartmann.

Die Hauptakteure des Voyage-Projektes (von links): Regisseur Tim Krchov, Musiker Sven Tasch und Schauspielerin Carolin Hartmann.

Foto: Birgit Eckstein

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr wurde vor dem Bleicheröder Filmtheater der rote Teppich ausgerollt. Denn wieder erlebte die Kalistadt eine Filmpremiere. Und doch war an diesem Wochenende alles ganz anders.

Während im Februar das Kino fast aus allen Nähten platzte, durften nun coronabedingt nur zweimal je 50 Zuschauer dieses ganz besondere Ereignis erleben. Im Mittelpunkt der außergewöhnlichen Kinoabende stand ein musikalisch-filmisches Gemeinschaftsprojekt. „Voyage“ ist nicht nur ein Titel auf dem ersten Studioalbum des gebürtigen Eichsfelder Musikers und Autors Sven Tasch, sondern auch der Name des dazugehörigen Kurzfilms.

Gemeinsam mit dem Team von Jonez-Entertainment aus Leinefelde-Worbis, den Sunrock-Studios aus Brehme und der Schauspielerin Carolin Hartmann erfüllte sich Tasch einen Lebenstraum.

Dass die Projektpremiere ausgerechnet in Bleicherode stattfand, verdankt die Kalistadt zum einen der traurigen Tatsache, dass es im Eichsfeld keine Kinos mehr gibt, und zum anderen Sunrock-Chef Matthias Müller. „Ich habe mein Album in den Sunrock-Studios aufgenommen, und Matthias Müller hat auch den Sound zum Kurzfilm beigesteuert. Und er hat den Kontakt zu Alf Schneider vom Bleicheröder Filmtheater geknüpft“, berichtet Sven Tasch.

Alf Schneider, immer offen für Neues, hat dann auch sofort für die Premiere zugesagt. An den zwei ausverkauften Abenden erlebte das Publikum Kino der etwas anderen Art. Frei nach dem Motto „Das Beste kommt zum Schluss“ zäumten die Akteure das Pferd quasi von hinten auf. Denn bevor der Kurzfilm lief, durften sich die Besucher über ein Live-Klavierkonzert mit Sven Tasch, eine amüsante Dokumentation zur Entstehung des Films sowie kurzweilige Interviews mit dem Produktionsteam von „Voyage“ freuen.

Das Publikum wurde im wahrsten Sinne mit auf eine Reise genommen. „Voyage heißt Reise. Reise ist Bewegung, alles ist im Fluss, und nichts unterliegt dem Stillstand“, erklärt Regisseur und Moderator Tim Krchov. Nach den entspannenden Klavierstücken von Sven Tasch war der Kurzfilm erst einmal wie ein Schlag ins Gesicht; eine emotionale Reise zum Nachdenken, bei der nichts geschönt wurde. Schwarz-weiße Bilder, die fast ohne Worte auskommen und auf die man sich einlassen muss.

„Voyage ist ein ungewohntes Format, das man so nicht im TV sieht. Der Film ist wie ein sehr schwerer Rotwein mit festem Körper und keine fluffige Weißweinschorle“, definiert Carolin Hartmann das knapp 20-minütige Werk, dessen ausdrucksstarkes Gesicht sie ist. In Rüdigershagen im Eichsfeld geboren, ist die Schauspielerin seit fünf Jahren an der Münchner Volksbühne engagiert, und auch in Fernsehserien wie „Frühling“ oder „Hubert ohne Staller“ machte sie sich schon einen Namen. „Ich fand es total spannend, mal etwas zu drehen, was mit meinen Wurzeln zu tun hat. Ich musste nicht lange überlegen, als mich Sven gefragt hat, ob ich die Rolle übernehme. Mein Eichsfelder Herz hat sofort gepocht, da musste ich einfach Ja sagen, zumal ich den Regisseur schon seit Kindertagen kenne“, erklärt Carolin Hartmann.

Die Resonanz des Publikums war trotz der schweren Kost an beiden Abenden durchweg positiv. Bleibt zu hoffen, dass der Film noch weitere Kreise zieht und ihn auch noch andere Zuschauer erleben können.