Braunichswalder Fußballer blicken auf eine 50-jährige Geschichte

Braunichswalde  Braunichswalder Fußballer blicken auf eine 50-jährige wechselvolle Geschichte zurück

Von links: Rolf Oertel, Abteilungsleiter Uwe Porsch und der langjährige Trainer Joachim Hemmann präsentieren die Vereinsbroschüre zu 50 Jahren Fußball in Braunichswalde und den Ehrenschild des Thüringer Fußballverbands. Rechtes Bild:

Von links: Rolf Oertel, Abteilungsleiter Uwe Porsch und der langjährige Trainer Joachim Hemmann präsentieren die Vereinsbroschüre zu 50 Jahren Fußball in Braunichswalde und den Ehrenschild des Thüringer Fußballverbands. Rechtes Bild:

Foto: Jens Lohse

„Sehr viel haben wir nicht falsch gemacht“, sagt der Abteilungsleiter Fußball der SG Braunichswalde, Uwe Porsch, der im Januar mit seinen Mitstreitern und allen jetzigen und ehemaligen Mitgliedern „50 Jahre Fußball in Braunichswalde“ feierte. Die Abteilung ist mittlerweile auf 150 Mitglieder, darunter 55 Kinder und Jugendliche angewachsen.

Gründung im örtlichen Gasthof

Am 11. Januar 1968 wurde die Fußball-Sektion im Gasthof in Braunichswalde gegründet. Gottfried Petzold, Hanno Sengewald, Günter Martin, Siegfried Meyer, Heinz Kittelmann, Günter Fischer, Siegfried Pelz, Hans-Jürgen Acker, Wolf-Dieter Gützlaff, Gerhard Halbauer, Karl Pfennig, Peter Lederer sowie Siegfried und Harald Gräser waren die 14 Gründungsmitglieder. „Damals wie heute war und ist der Fußball eine lohnende Investition in die Zukunft, die zu Kameradschaft, zur Förderung des dörflichen Lebens, zur Verbesserung der Lebensqualität und nicht zuletzt zur Gesunderhaltung beiträgt“, meinte Uwe Porsch, der zum kleinen Kreis der vier Abteilungsleiter gehört, die den Kickern seitdem vorstanden.

Zunächst begann man mangels eigenen Sportplatzes mit Freundschaftsspielen auf des Gegners Platz. Doch schon am 7. Oktober 1969 erfolgte die Sportplatzeinweihung. „Damals war ich sieben. Ich kann mich noch erinnern, wie wir Kinder vom Dorf zum Sportplatz marschiert sind und auf dem frisch ausgesäten Platz Steine abgelesen haben. Das war unsere Aufgabe“, so Uwe Porsch. Das erste Sportlerheim folgte bis 1974. Der Beton dafür wurde im Dorf angerührt. Vieles war dennoch provisorisch. Auf dem Platz gab es weder Strom noch fließendes Wasser. Der Anschluss ans Stromnetz gelang 1986 durch einen in Eigenregie ausgehobenen 1300 Meter langen Graben. Günter Martin und Bernd Eckert erwarben sich dabei besondere Verdienste. Wasseranschluss und Klärgrube folgten.

Elf Jahre später wurde eine Ölheizung installiert, 2001 ein Satteldach aufs Sportlerheim gesetzt, 2002 der Sportplatz an die Asphaltstraße angebunden sowie 2009 und 2012 die in die Jahre gekommenen Pappeln durch moderne Ballfangzäune ersetzt. Zum richtigen Schmückkästchen wurde der Sportplatz dann 2017 mit der Komplettsanierung des Sportlerheims samt Umbau mit Fördergeldern des Landes Thüringen und einer großen Summe aus dem Gemeindehaushalt. Auch die Handwerkerschaften halfen mit. Zudem packten die Fußballer im Rahmen von Eigenleistungen wie über die ganzen Jahre schon tatkräftig mit an. „Jetzt haben wir sowohl barrierefreie Zugänge als auch Behindertentoiletten. Die Gaststätte wurde vergrößert und die Energieeffizienz im Gebäude deutlich verbessert“, zeigt sich Uwe Porsch von den Bedingungen auf dem Sportplatz begeistert.

Auch sportlich brauchen sich die Braunichswalder nicht zu verstecken. Ursprünglich wollte man als 1. FC Braunichswalde in den Anfangsjahren am Spielbetrieb teilnehmen, was aber untersagt wurde, weil die Bezeichnung „Fußballclub“ in der DDR nur Leistungszentren vorbehalten war. Es dauerte eine Weile, bis die Braunichswalder mit Ergebnissen auf sich aufmerksam machten.

In der Saison 1986/87 wurde man unter Trainer Joe Hemmann Kreismeister, verzichtete damals allerdings auf den Aufstieg in die Bezirksklasse, weil einige Leistungsträger zur Armee einberufen wurden. Den nächsten großen Erfolg feierte die SG am 3. Juni 1989, als man in Münchenbernsdorf durch einen 3:2-Erfolg in der Verlängerung das Kreispokalfinale gegen die BSG Traktor Frießnitz II für sich entschied.

Ein Jahr später wurde der Verein abermals Kreismeister und wagte diesmal den Sprung in die Bezirksklasse, der er vier Spielzeiten angehörte. „Für ein solch kleines Dorf ist das eine starke Leistung“, ist der damalige Trainer Joe Hemmann noch heute zurecht stolz. Im Juli 1998 gastierte die Traditionsmanschaft des FC Carl Zeiss Jena aus Anlass des Jubiläums „100 Jahre Sportgemeinschaft“ in Braunichswalde.

Vor 300 Zuschauern gaben Ex-Nationalspieler wie Eberhard Vogel, Lothar Kurbjuweit, Konrad Weise, Dieter Scheitler, Bernd Stange und Jürgen Werner Proben ihres Könnens ab und gewannen mit 8:1. Es folgten einige an Erfolgen rarere Jahre, ehe die nächste Generation von Fußballern insbesondere unterm Hallendach von sich reden machte. Zwischen 2006 und 2008 wurde die SG Braunichswalde dreimal hintereinander Hallenkreismeister des Kreisfußballausschuss Greiz. Seit der Saison 2016/17 kickt der Verein aufgrund von Personalproblemen in einer Spielgemeinschaft mit dem SV Wismut Seelingstädt und hat sich in der Kreisliga etabliert.

Mittlerweile hat man sich bei der SG Braunichswalde auch wieder verstärkt der Nachwuchsförderung verschrieben. Gleich drei Mannschaften stehen im Spielbetrieb, sind mit mindestens zwei Übungsleitern ausgestattet. Die G-Junioren nehmen nicht am Spielbetrieb teil und trainieren nur. „Da wachsen für die Zukunft einige Talente heran“, weiß Joe Hemmann.

Vereinschronik mühsam zusammengestellt

Um die Geschichte der Braunichswalder Fußballer auch späteren Generationen zugänglich zu machen, wurde aus Anlass des Jubiläums eine Chronik geschaffen, die auf der von 200 Gästen besuchten Festveranstaltung präsentiert wurde. „Vor zwei, drei Jahren haben wir uns da erstmals Gedanken darüber gemacht. Das Gros der Arbeiten haben wir dann 2017 erledigt“, verrät Uwe Porsch, der seit 25 Jahren Fußball-Abteilungsleiter ist und in Sachen Chronik mit fehlenden Dokumenten und Bildern aus der Zeit zwischen 1975 und 1990 zu kämpfen hatte.

Ein kleiner Kreis mit Uwe Porsch (56 Jahre), Joe Hemmann (64) und Ralf Oertel (52) hielt zur Stange, erfasste alles akribisch und legte zum Jubiläum eine 100 Seiten starke Broschüre vor, in der die Geschichte des Braunichswalder Fußballs lebendig wird.

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