Brehms Gemüsegarten in Renthendorf soll wieder entstehen

Renthendorf  Monatelang werteten Landschaftsgestalter und Denkmalschützer alte Unterlagen und Fotografien aus, um herauszufinden, wie die Außenanlagen des Brehm-Hauses vor gut 140 Jahren einmal aussahen.

Jochen Süß, Leiter der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf, steht an den Überresten einer Sitzgelegenheit. Hier verweilte der Tierforscher Alfred Brehm gern im Grünen. Foto: Frank Kalla

Jochen Süß, Leiter der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf, steht an den Überresten einer Sitzgelegenheit. Hier verweilte der Tierforscher Alfred Brehm gern im Grünen. Foto: Frank Kalla

Foto: zgt

Auf den Tisch der Familie des berühmten Tierforschers Alfred Brehm kamen nicht nur regionale Naturprodukte von den Bauern des Ortes und der Region.

Auf den Tellern landete auch, was in den hauseigenen Gärten alles heranwuchs. Gurken, Tomaten, verschiedene Kohlsorten oder Äpfel, Birnen sowie anderes Obst: Rings um das Brehm-Haus in Renthendorf gab es etliche Beete oder Obstgärten. Zudem hatten der „Thiervater“ und die übrigen Familienmitglieder ihre ganz speziellen Lieblingsorte im Grünen. War der Forscher einmal nicht auf Reisen oder in deutschen Großstädten, so nahm er gerne in Renthendorf im sogenannten „Wäldchen“ auf einer robusten Bank aus Stangenholz Platz.

In mühseliger Arbeit haben nun Landschaftsgestalter rekonstruiert, wie es um das Brehm-Haus einmal ausgesehen hat. Einen prächtigen Küchengarten mit viel Blumen in der Mitte hat es demnach unmittelbar am Haus gelegen gegeben, weiter hinten war der normale Garten, wo allerlei Grünzeugs heranwuchs. Prächtige Apfelbäume standen auf den Wiesen, vorn in Richtung Kirche nahm man an verschiedenen Sitzecken auf Gartenmöbeln Platz und genoss die Natur. „Insgesamt wurden zirka 80 Fotografien aus den Jahren von 1870 bis 1960, etliche farbige Postkarten sowie andere Dokumente ausgewertet“, erklärte der Leiter der Brehm-Gedenkstätte, Jochen Süß. Anhand der Fotografien konnte man unter anderem nahezu jeden Baum und Busch belegen, der zu Brehms Zeiten heranwuchs. „Wir wissen, wo Rosen standen und wo der Flieder blühte“, freut sich Süß.

Rekonstruieren ließ sich auch, wo sich der einstige Lieblings-Sitzort von Alfred Brehm im Wäldchen befand. „Streng genommen gibt es zwei Sitzbereiche, einer war sogar mit Gartenmöbeln ausgestattet.“

Stellenweise deuten steinerne Überreste auf diese Ecken hin, auch historisches Sandsteinpflaster fand sich unter modrigem Laub. „Natürlich waren die Bäume, die am Brehm-Haus stehen deutlich kleiner, aber die mächtigen Riesen stammen aus der Zeit, als Alfred Brehm lebte“, sagt Süß. Dass die Bäume schon gestanden haben müssen, erkläre sich schon von dem von Brehm verwendeten Begriff „Wäldchen.“

Möglicherweise noch in diesem Jahr soll mit der Rekon­struktion der historischen Außenanlagen begonnen werden. Dort, wo der große Pelletspeicher am Haus in die Erde gesetzt wurde, sollen im Küchengarten wieder Kräuter und anderes Gewächs gedeihen und vielleicht stammen ja die beiden uralten Apfelbäume hinter dem Haus noch aus Brehms Zeiten und können über die nächsten Jahre gerettet werden.

Unklar ist Süß allerdings das Thema der Bewirtschaftung. „Vielleicht kann man jemanden aus Renthendorf gewinnen, der sich um die Anlagen kümmert?“, warf er eine Frage in den Raum. In Brehms Küchengarten säen und Gemüse für den eigenen Bedarf ernten – einen engeren Bezug zu Alfred Brehm könnte man kaum finden.

Die Vorplanungen für die Gestaltung der Außenanlagen wurden jedenfalls schon mit dem Denkmalschutz abgestimmt. Verschwinden wird der jetzige Aufgang zum Haus. „Den gab es früher gar nicht.“

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