Der vergessene General

Jena  Vor 145 Jahren starb der Jenenser Ludwig Freiherr von Gablenz

Gablenz kam 1814 in Jena zur Welt.

Gablenz kam 1814 in Jena zur Welt.

Foto: Angerer

Mayers Konversations-Lexikon von 1888 nannte ihn einen „der fähigsten, gebildetsten und tüchtigsten Generale der österreichischen Armee“. Sein früher und vor allem aber tragischer Tod mit 59 Jahren sorgte nicht nur in seiner Wahlheimat Wien, sondern auch über die Grenzen Österreich-Ungarns hinaus für Aufsehen und Bestürzung. In unserer Region dürften den General der Kavallerie Ludwig Freiherr von Gablenz wohl nur die Wenigsten kennen, dabei liegen seinen Wurzeln genau hier.

Am 19. Juli 1814 erblickte Karl Ludwig Wilhelm von Gablenz das Licht der Welt in Jena. Er war das dritte Kind des aus Weida stammenden sächsischen Generalleutnants Heinrich Adolph von Gablenz, der in den Befreiungskriegen gegen Napoleon Bonaparte gekämpft hatte und später Gouverneur von Dresden wurde. Das Geschlecht derer von Gablenz, dessen Ursprung in der Niederlausitz, im heutigen deutsch-polnischen Grenzgebiet liegt, war weit verzweigt und geht zurück bis in das 13. Jahrhundert. Aus ihm sind bis in unsere Tage vor allem Soldaten hervorgegangen. Ganz in der Tradition seiner Vorfahren sollte auch Ludwig in den Kriegerstand treten, wozu ihn sein Vater an die Ritterakademie nach Dresden schickte. Diese verließ der nunmehr 17-Jährige 1831 als Portepée-Junker (Offiziersanwärter) und trat als solcher dem 2. leichten Reiter-Regiment „Prinz Johann“ und damit der sächsischen Armee bei. Später wechselte er als Leutnant zum renommierten Garde-Reiter-Regiment.

Karriereleiter zügig erklommen

Lange hielt es ihn aber nicht an der Elbe, denn schon zwei Jahre später wechselte von Gablenz in den Dienst des österreichischen Kaisers Franz I. Weshalb der junge Mann diesen Schritt tat, bleibt offen. Eine Vermutung geht dahin, dass ihm die sächsische Armee zu eng geworden war. In den Folgejahren machte von Gablenz schnell Karriere. Vom Oberleutnant (1835) stieg er in kurzer Zeit bis zum Primeier-Rittmeister auf und diente abwechselnd zunächst bei der Infanterie und dann wiederum bei der Kavallerie. Im Krieg gegen das Königreich Sardinien 1848/49 diente der Offizier dann als Adjutant des Generals der Kavallerie Ludwig Graf von Wallmoden (1769-1862), beteiligte sich an den Schlachten bei Santa Lucia und Vicenza und stieg schließlich zum Major im Generalstab des berühmten Feldmarschalls Josef Wenzel Radetzky von Radetz (1766-1858) auf. Nach einer kurzen Verwendung in Ungarn folgte bereits 1849 die Beförderung zum Oberstleutnant und die Übernahme des Regiments der „Savoyen-Dragoner“.

In der Friedenszeit arbeitete Ludwig von Gablenz als Diplomat in Dresden, von wo er 1854 nach Wien zurückkehrte. Zwischenzeitlich hatte er 1853 Helene von Eskeles, die Tochter eines jüdischen Bankiers, in Wien geheiratet. Mit nur 40 Jahren wurde er dann 1854 zum Generalmajor befördert und beteiligte sich als solcher am Sardischen Krieg 1859. Das mit Frankreich verbündete Königreich Sardinien kämpfte gegen Österreich um die Vorherrschaft in Italien. Für die Donaumonarchie endete der Kampf mit einer Niederlage, die auch von Gablenz in der Schlacht bei Magenta und besonders bei der Schlacht von Solferino mit eigenen Augen sah.

Die Niederlage tat der Karriere Ludwig von Gablenz aber keinen Abbruch, im Gegenteil. 1862 wurde er zum Feldmarschallleutnant ernannt und beteiligte sich 1864 im Verbund mit Preußen am Deutsch-Dänischen Krieg. Für sein Engagement erhielt er vom Preußischen König Wilhelm I. den Orden Pour le mérite verliehen. Anschließend diente der General als Stadthalter von Holstein. Nach 1864 nahmen allerdings die Spannungen um die Vorherrschaft im Deutschen Bund merklich zu. Der Konflikt gipfelte im „Bruder“- oder „Deutschen-Krieg“ von 1866 zwischen Preußen und Österreich, der mit einem Sieg der Deutschen endete und damit endgültig die Kleindeutsche Lösung (ohne Österreich) im Deutschen Bund besiegelte. General von Gablenz sicherte in der Schlacht bei Trautenau den Österreichern ihren einzigen Sieg dieses Krieges. Auch an der Schlacht bei Königgrätz nahm er teil. Nach der Niederlage trat von Gablenz für kurze Zeit eine parlamentarische Karriere im österreichischen Herrenhaus des Reichsrates an, ließ sich dann aber als General der Kavallerie 1867 reaktivieren. Bis 1870 war er nacheinander kommandierender General in Kroatien, Slawonien und schließlich in Ungarn. 1868 hatte er bei einem Sturz vom Pferd einen Beinbruch erlitten, was wohl schlussendlich dazu führte, dass sich der Offizier am 28. November 1871 in den Ruhestand versetzen ließ.

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