Deutsche Bahn AG: Strecke der Höllentalbahn noch nicht abgehakt

Erfurt/Blankenstein  Dem Schlingerkurs des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) wird eine klare Position entgegengesetzt. Thüringens Ministerpräsident Ramelow nennt Schreiben der Bahn „Riesenschritt für die Strecke“.

Kurz vor der einst innerdeutschen Grenze hinter dem Bahnhof Blankenstein ist der Schienenstrang zu Ende. Ernsthafte Reaktivierungsversuche gibt es seit gut zehn Jahren, die Höllentalbahn wieder in Betrieb zu nehmen

Kurz vor der einst innerdeutschen Grenze hinter dem Bahnhof Blankenstein ist der Schienenstrang zu Ende. Ernsthafte Reaktivierungsversuche gibt es seit gut zehn Jahren, die Höllentalbahn wieder in Betrieb zu nehmen

Foto: Mike Finke

Die Deutsche Bahn AG hat keine Einwände gegen die Höllentalbahn. Wenn ihre Reaktivierung wirtschaftlich tragfähig ist und Nutzen bringt, dann stehe die Bahn zu den bisher getroffenen Vereinbarungen.

Das steht so in einem Schreiben der DB-Konzernvorstände Richard Lutz und Ronald Pofalla an Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow.

Dem Linke-Politiker fiel am Donnerstag ein Stein vom Herzen. So klar und eindeutig habe die DB AG ihre Position zu diesem Projekt noch nie formuliert, sagte Ramelow dieser Zeitung. Das am Donnerstag in Erfurt eingetroffene Schreiben stelle außerdem eine Bemerkung des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) richtig. Söders Satz hatte in der Thüringer Staatskanzlei Besorgnis ausgelöst.

Denn erst Anfang Juli bat Ramelow seinen Amtskollegen in München um ein zeitnahes Gespräch zum Thema Höllentalbahn. In seiner schriftlichen Antwort dementierte Söder die vor einem Jahr durch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und den oberfränkischen CSU-Landtagsabgeordneten Alexander König verbreitete Behauptung, wonach sich das thüringisch-bayerische Bahnprojekt aus Sicht des Freistaats Bayern erledigt habe. Vielmehr sicherte Söder ein „ergebnisoffenes Prüfverfahren“ zu.

Allerdings mit dem Zusatz: „Nach unseren Informationen besteht seitens der DB Netz AG keinerlei Interesse, die Bahnlinie im Höllental zu reaktivieren und zu betreiben.“

Das hatte Thüringens Regierungschef erst kürzlich vom DB-Konzernbevollmächtigten für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, Eckart Fricke, ganz anders gehört. Die Bahn sei sehr wohl interessiert, die 1945 entstandene Lücke zwischen Blankenstein im Saale-Orla-Kreis und dem oberfränkischen Marxgrün ­wieder zu schließen.

Offenbar reizt die Aussicht, täglich zwei bis drei Güterzüge voller Langholz aus Bayern, aber vor allem aus Tschechien über die dann kürzeste Schienenverbindung ins thüringische Blankenstein rollen zu lassen. Der dortige Zellulose-Hersteller ZPR Blankenstein und das Friesauer Sägewerk der Mercer-Gruppe verarbeiten weit mehr Holz, als in Thüringen zu beschaffen ist. Beide Unternehmen treffen bereits Vorbereitungen, um die täglich hunderte Lkw-Transporte über quälend kurvige Straßen endlich ablösen zu können.

Aber noch fehlen rund sechs Kilometer Schiene auf der einstigen Strecke durchs Höllental, der übergroße Teil auf bayerischer Seite. Deshalb ist auch die Verwaltung Mittelfranken die zuständige Behörde für das nötige Planverfahren. Und nicht jeder in der landschaftlich reizvollen Region ist begeistert von einer Reaktivierung der Bahnlinie. Sie führt durch ein europarechtlich geschütztes FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat). Manche in Bayern fürchten ein Einfallstor für unerwünschten Massentourismus.

Bodo Ramelow ficht das nicht an. Das Schreiben der Bahn-Chefs vom Donnerstag sei „ein Riesenschritt für die Strecke“, sagte er zuversichtlich.

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