Diskussionsrunde auf der Osterburg in Weida: Experimentierfeld auch im Baurecht?

Weida  Auf der Osterburg Weida endet die Tour von Vertretern der Internationalen Bauausstellung Thüringen durch den Landkreis. Neben der Diskussionsrunde wird auch die Idee „Wissens-Schloss“ vorgestellt.

Die Tour durch den Landkreis Greiz endete für die Vertreter der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen auf der Osterburg in Weida. Hier wurde der IBA-Geschäftsführerin Marta Doehler-Behzadi zunächst die Vision vom Wissens-Schloss vorgestellt, ehe sie im Balkensaal die Podiumsdiskussion bestritt. Außerdem erhielten die IBA-Vertreter einen eklusiven Blick in die neue Sonderausstellung "Der Osterburg Zeit geben" in der ab 6. März unter anderem eine Atomuhr zu sehen ist. Foto: Marcel Hilbert

Die Tour durch den Landkreis Greiz endete für die Vertreter der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen auf der Osterburg in Weida. Hier wurde der IBA-Geschäftsführerin Marta Doehler-Behzadi zunächst die Vision vom Wissens-Schloss vorgestellt, ehe sie im Balkensaal die Podiumsdiskussion bestritt. Außerdem erhielten die IBA-Vertreter einen eklusiven Blick in die neue Sonderausstellung "Der Osterburg Zeit geben" in der ab 6. März unter anderem eine Atomuhr zu sehen ist. Foto: Marcel Hilbert

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Eine Atomuhr auf einem mittelalterlichen Schloss, das habe sie dann schon ein wenig überrascht, sagt Marta Doehler- Behzadi. Aber Neues zu entdecken, Thüringen, die Menschen und ihre Vorhaben kennenzulernen, dass sei ja auch ein Anliegen der Landkreis-Touren, so die Geschäftsführerin der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen.

Auf der Osterburg in Weida endete am Donnerstag die IBA-Rundreise durch den Landkreis Greiz mit einer Diskussionsrunde zu Chancen und Zielen der IBA. Zuvor lernten Doehler-Behzadi und ihre Delegation allerdings noch ein Projekt in der Osterburgstadt kennen, das möglicherweise auch das Zeug zum IBA-Kandidaten gehabt hätte: das Wissens-Schloss. Mit Mitmachausstellungen, Schülerlabors und Experimentierstationen Kinder auf die Burg locken, sie auch mit dem Blick auf den Fachkräftemangel für technische und naturwissenschaftliche Sachverhalte zu begeistern, ihnen einen spielerischen Zugang zu diesen Sachverhalten ermöglichen – all das steckt hinter den Plänen für das äußerlich sanierte Neue Schloss der Osterburg. Eine Idee, die dem Trend „Edutainment“ folge, meinte Marta Doehler-Behzadi dazu, also der Mischung aus Bildung (Education) und Unterhaltung (Entertainment).

Die Realisierung ist, wie bei so vielen Ideen, vor allem ein finanzieller Kraftakt. Weidas Bürgermeister Werner Beyer (parteilos) warf die Summe von etwa fünf Millionen Euro für das Projekt in den Raum. „Die Burg kostet uns im Jahr etwa 150 000 Euro, nur weil sie hier steht“, sagt er. Dazu käme ein „Imageproblem“, wie er sagt: Es fehle noch immer die Bekanntheit, wie sie etwa die wesentlich kleinere Leuchtenburg genieße.

Weniger werdendes Geld in öffentlichen Haushalten, der demografische Wandel mit all seinen Folgen wie Fachkräftemangel aber auch das Spannungsfeld Energiewende und die identitätsbildende Landschaft im Freistaat seien Leitthemen der IBA Thüringen, erläuterte Doehler-Behzadi zum Auftakt der Diskussionsrunde mit Dieter Weinlich, Bürgermeister von Zeulenroda-Triebes, Heinz Klügel, 1. Beigeordneter der Landrätin, und Dieter Obenauf von der Stadt Greiz. Auch unter diesen Gesichtspunkten wurden aus den 248 Projekteinreichungen die 16 Kandidaten und drei sogenannten Erwartungsräume ausgewählt, die im Rahmen der IBA nun weiter verfolgt werden.

Zeulenroda-Triebes gehört dank der frühzeitigen Begeisterung für die IBA und der Kooperation aus Stadt, Unternehmen und Wohnungsgesellschafen mit seinem Projekt „150 Perspektiven – Campus Zeulenroda-Triebes“ zu den Kandidaten. Die Stadt Greiz gehört dem Kooperationstraum Stadt, einem Netzwerk von Mittelzentren mit ähnlichen Problemen auf dem Gebiet der Stadtplanung an. Diese seien „im hohen Maße identisch“, sagt der Greizer Stadtplaner Obenauf, die Netzwerktreffen auf Stadtplaner- und Baudezernenten-Ebene geben die Chance, neben dem Tagesgeschäft Zukunftsfragen zu definieren und zu diskutieren.

Die IBA sei Chance, nachzudenken, meinte Dieter Weinlich, schon durch das Anarbeiten von Themen seien Ergebnisse möglich. Spezielle Ideen gerade für den ländlich geprägten Raum seien nötig, sagt er und nennt als Beispiel die Problematik, dass Ballungszentren wie Jena oder Leipzig dem Landkreis die Fachkräfte streitig machen würden – ohne Gegenleistung.

Für solche Probleme Strategien zu entwickeln, dass sei ausdrückliches Ziel der IBA, die sich auch als Experimentierfeld sieht. Ob das, wenn es an das konkrete Bauen geht, auch für das Bau- und Vergaberecht gilt, wollte Wirtschaftsreferent Steffen Täubert vom Landratsamt wissen. Das sei nicht pauschal beantwortbar, so Doehler-Behzadi. Innovationen seien durchaus auf der Agenda der IBA und das bedeute auch, Standards zu überprüfen und zu schauen, wo auch der Rechtslage mehr Flexibilität gut tue. Hier will die IBA aber ganz konkrete Vorschläge.

Ein solches Thema machte Dieter Obenauf mit Immobilien auf, deren Eigentümer nichts daran machen oder nicht auffindbar sind und so städtebauliche Missstände verursachen. Beifall gab es dafür von Werner Beyer, der selbst Erfahrungen mit „Schrottimmobilien“ sammelte.

Toralf Zipfel, Geschäftsführer von Ziba-Bau in Greiz, lobte die Zeulenroda-Triebeser dafür, dass sie ihr Projekt zur Fachkräftegewinnung auf breite Beine gestellt haben. „Unternehmer sind bereit zu investieren, nicht nur Geld sondern auch ihre Zeit“, sagte er. „Es darf nicht passieren, dass die Energie in Bürokratie erstickt wird.“

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