Ein Geschenk an die Jenaer Musikwelt und an sich selbst

Jena  Traditionelles Weihnachtskonzert des Knabenchores – Riesenbeifall für Berit Walther und ihre Sängerschar

Seit vielen Jahren ist die Adventszeit ohne ein Konzert des Knabenchores der Jenaer Philharmonie undenkbar. Man ist jedes Mal gespannt, welche Auswahl Chorleiterin Berit Walther vom Riesenfundus aus Erbe und Gegenwart treffen wird. Die Männer stimmten liturgisch das "Hodie christus natus est" an und führten den Chor in der Stadtkirche St. Michael zum Altar. Das Konzert begann mit dem Psalm "Machet die Tore weit" von Andreas Hammerschmidt. Bekannte Weisen wie "Es kommt ein Schiff geladen", "Maria durch den Dornwald ging", "Kommet ihr Hirten" und vieles mehr folgten, wobei Soli eingebunden gewesen sind und die Männer wirksam "Freut euch, ihr lieben Christen" sangen. Johann Sebastian Bachs "Ich steh an deiner Krippe hier" durfte nicht fehlen, von einer kleinen Gruppe gesungen. War man hier bereits berührt vom ausgeglichenen Chorklang nebst Textartikulation, so wurde das "Gloria dicta sunt" des Litauers Vytautas Miskinis (geb. 1949) zu einem besonderen Erlebnis anhand des Lukas-Textes. Er wirkt als Professor an der Musikhochschule und leitet den Knaben- und Männerchor in Vilnius, in dem er bereits als Siebenjähringer angefangen hat. Zur nahegehenden Zäsur zwischen diesem mehr geistlich geprägten Eingangsteil des Adventsabends und dem volkstümlichen Repertoireteil wurde die Improvisation über "Hodie christus natus est" auf der großen Orgel durch Nikolaas Schmeer, Mitglied des Knabenchore. Aus irdischen Tiefen entwickelt sich so etwas wie Licht, sozusagen Ankunft ins Reale.

Riesenbeifall für Berit Walther und ihre Sängerschar. Mit "O du fröhliche" als Zugabe, von Johannes Daniel Falk genau vor zweihundert Jahren in Weimar gedichtet, verließ der Chor das Publikum umschließend den Altarraum.

Somit war dieses Weihnachtskonzert nicht nur ein Geschenk an die Jenaer Musikwelt, sondern in dieser gewachsenen Qualität unter Leitung von Berit Walther auch an sich selbst. Immerhin blickt man in diesem Jahr auf ein 40-jähriges Bestehen zurück.

Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.