Ein Loblied auf die Mathematik: Seit 50 Jahren erscheint „Die Wurzel“

Jena  Damals wie heute sind Jenaer Studenten die Macher

Jenaer Studenten geben seit 50 Jahren die Mathematikzeitschrift „Wurzel“ heraus. Zum 40-jährigen Wurzel-Jubiläum entstand das Poster mit den Titelseiten aller bis dahin erschienenen Wurzel-Ausgaben. Es ziert die Tür des kleinen Redaktionsbüros, vor der sich die Autoren Matthias Müller, Lucas Geitel und Tim Fritzsche (von rechts) mit Stephanie Hercher zusammengefunden haben, die sich um das organisatorische Management kümmert. Foto:

Jenaer Studenten geben seit 50 Jahren die Mathematikzeitschrift „Wurzel“ heraus. Zum 40-jährigen Wurzel-Jubiläum entstand das Poster mit den Titelseiten aller bis dahin erschienenen Wurzel-Ausgaben. Es ziert die Tür des kleinen Redaktionsbüros, vor der sich die Autoren Matthias Müller, Lucas Geitel und Tim Fritzsche (von rechts) mit Stephanie Hercher zusammengefunden haben, die sich um das organisatorische Management kümmert. Foto:

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Jedes einzelne Heft der Wurzel ist ein Loblied auf die Mathematik.“ Das schreibt Al­brecht Beutelspacher, Mathematikprofessor an der Uni Gießen, im Geleitwort zu dem im Fachmedien-Verlag Springer-Spektrum erschienenen Buch „Was wäre die Mathematik ohne die Wurzel?“. Herausgegeben aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der Zeitschrift für Mathematik, enthält der Band eine Auswahl von Beiträgen aus den bislang mehr als 500 Ausgaben der „Wurzel“.

Nicht nur die Hauptzielgruppe – Schüler und Studenten – lässt sich von den mathematischen Problemen und Wurzelaufgaben herausfordern. Längst gehören mit Lehrern, Wissenschaftlern und Praktikern Mathematikinteressierte jeglicher Kategorie zu den regelmäßigen Wurzel-Lesern. Und aus ihnen setzt sich auch der Vorstand des 1990 gegründeten Vereins zur Förderung der Mathematik an Schulen und Universitäten zusammen.

Zirkel an Schulen waren der Anfang

Der Vorsitzende Thomas Fischer ist ein Mann aus der Wirtschaft, sein Stellvertreter Markus Oehme ist Doktorand. Mit den beiden arbeiten in dem Gremium noch der Mathematik-Student Paul-Lucas Grüner sowie Lehramtsanwärter und Doktorand Lucas Geitel. 22 aktive und 220 fördernde Vereinsmitglieder sind derzeit regis­triert.

Die Wurzeln der Wurzel reichen zurück bis in das Jahr 1964. Damals initiierten Studenten der Sektion Mathematik außerunterrichtliche Mathezirkel an Jenaer Schulen. Mit Erfolg, so dass schon ab dem Folgejahr für Schüler des damaligen Bezirkes Gera regelmäßig Spezialistenlager organisiert wurden. „Wir waren in Aufbruchstimmung und wollten einfach noch mehr machen. So kam mir die Idee mit der Zeitung“, erzählt Hansgeorg Meißner von der ersten, am 1. Januar 1967 erschienenen Ausgabe der Wurzel.

In einer Studentenwohnung in der Lutherstraße auf einer ­Erika-Kofferschreibmaschine getippt, nach Einfügen der mathematischen Zeichen von Hand per Wachsmatritze vervielfältigt und mit dem Klammeraffen geheftet, lagen zwischen der Idee und dem ersten Vertrieb genau zehn Tage. Seit dem 40. Wurzel-Jubiläum befindet sich die legendäre Schreibmaschine im Vereinseigentum. Ein Geschenk des Gründers, der sich lachend daran erinnert, wie sich die Wurzelmannschaft seinerzeit regelmäßig bei einem Kasten Bier, einem frischen Brot und einer langen Leberwurst traf, um jeweils die neuesten Hefte versandfertig zu machen.

Wenn am Samstag, 2. September, im Volksbad Jena die ständig wachsende Wurzel-Gemeinde rund um Ausstellung und Fachvortrag das 50-jährige Jubiläum feiert, ist natürlich auch Hansgeorg Meißner dabei. „Dass die Initiative von uns damaligen Studenten über fünf Jahrzehnte mit nicht nachlassender Begeisterung immer von Studierenden weitergetragen wurde, finde ich einfach wunderbar“, zeigt sich der „Wurzel-Vater“ beeindruckt, welch hohes Niveau die Mathezeitschrift erreicht hat. Tatsächlich sei die Sache mit der Schülerzeitung seine Idee gewesen, aber die Wurzel habe viele Väter, nennt der heute in Rostock lebende Informatikprofessor im Ruhestand mit Klaus Fischer, Harald Schirrmeister, Norbert Kuse, Hannes Peuker, Ludwig Staiger und Rainer Wackernagel Aktivisten der ersten Stunde.

Heute geht es professioneller zu, kann sich der Verein eine Verwaltungskraft leisten, die Redaktion, Druck, Versand, Abonnements, E-Mail-Verkehr, Datenpflege und Archivarbeit koordiniert. Gefördert und unterstützt von der Fakultät für Mathematik und Informatik, erscheint die aktuelle „Wurzel“ mit zehn Ausgaben jährlich, darunter zwei Doppelausgaben.

Für die Auflage von 1000 gedruckten und 300 digitalen ­Exemplaren arbeiten alle ehrenamtlich – von dem Gedanken der Gründer motiviert, Schüler für die Mathematik zu begeistern und die Popularität dieser Wissenschaft zu fördern.

Mit hohem, unentgeltlichem persönlichen Einsatz seiner Mitglieder veranstaltet der Wurzel-Verein zweimal jährlich Schülerakademien für die Klassen acht bis zwölf und seit 2012 einmal jährlich auch für die Klassen fünf bis sieben. Das Interesse sei ungebrochen, verweist man auf jeweils 40 bis 50 Teilnehmer.

Wie sich das Wurzel-Team fest im System der Jugend- und Wissenschaftsförderung etabliert hat, zeigt nicht nur der im Jahr 2012 verliehene Preis zur Förderung von Wissenschaft und Forschung der Teubner-Stiftung Leipzig. Sondern auch die Tatsache, dass der Verein mit dem Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, dem Demokratischen Jugendring Jena, der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung (Stift) sowie zahlreichen Unternehmen aus Jena sowie auch von weiter her zuverlässige Unterstützer an seiner Seite weiß.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.