Einmaliger Rastplatz im Teichgebiet bei Plothen

Plothen  Daten aus dem Dreba-Plothener Teichgebiet liefern wertvolle Hinweise, um Zugphänomene von Watvögeln zu verstehen. Ehrenamtlich wird das eigens für die hiesige Region erstellte Beringungsprogramm umgesetzt.

Ornithologe Jürgen Auerswald zeigt eine beringte Wasserralle. Foto: Sandra Hoffmann

Ornithologe Jürgen Auerswald zeigt eine beringte Wasserralle. Foto: Sandra Hoffmann

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Für das Dreba-Plothener Teichgebiet ist ein eigenes Beringungsprogramm entwickelt worden, um die Ergebnisse des Naturschutzprojektes Wader Wetlands Inland (WWI) zunächst für fünf Jahre fortzuschreiben. Verfasst hat das Programm für die Fortführung der langjährigen Datenreihe zum Wanderverhalten durchziehender Limikolenarten der Leiter der Beringungszentrale Hiddensee mit Sitz in Greifswald, Ulrich Köppen.

Teichgebiet ist wichtig für Limikolenarten

Das 1995 gestartete WWI-Projekt hatte zum Ziel, Datenmaterial zu sammeln, um damit Pläne der EU für den Ausbau einer Großschifffahrtautobahn von der Oder bis zum Schwarzen Meer zu verhindern. Denn Flussausbauten für eine voluminöse Schiffbarkeit zögen immer ökologische Schäden an den Flusssystemen nach sich. Das WWI-Projekt war länderübergreifend angelegt und hatte das Beringen von Watvögeln zum Inhalt. Die Ukraine, Weißrussland, Polen und Deutschland, und hier im Besonderen der Regionalverband Westhavelland des Naturschutzbundes, beteiligten sich daran. Auf zehn Jahre war das Programm angelegt und wurde dann bis 2015 verlängert. Das Hauptaugenmerk bei der Beringung und der Datenerfassung lag auf der Bekassine (Gallinago gallinago) und dem Bruchwasserläufer (Tringa glareola), weil diese Arten sehr empfindlich auf negative Veränderung ihres Lebensraumes reagieren.

Das Programm interessierte auch den hiesigen Ornithologen Jürgen Auerswald, der sich seit 18 Jahren daran beteiligt. Seitens der Beringungszentrale Hiddensee wird dies schon aus fachlicher Sicht begrüßt, denn "aufgrund der generellen Gewässerarmut im Süden des Landes Thüringen fungiert das Plothener Teichgebiet im Jahreslauf als konzentriertes Rastgebiet für große Individuenzahlen von verschiedenen Limikolenarten [...], die hier als Durchzügler beziehungsweise Rastvögel sowie als Mauservögel auftreten", heißt es den in schriftlichen Unterlagen des Markierungsprojektes.

"Feuchtgebiete sind die artenreichsten Lebensräume überhaupt und sie werden immer weniger", erklärt auch Jürgen Auerswald. Die Watvögel bräuchten aber, wenn sie von der Tundra bis nach Afrika ziehen, Rast- und Ruheplätze. Diese gebe es jedoch kaum mehr, weil viel trockengelegt werde. "Wir sind hier im Mittelgebirgsvorland und es ist einmalig, dass es in dieser Höhe ein so großes Feuchtgebiet gibt. Und dieses liegt auf der Zugstrecke der Watvögel", erläutert er die Besonderheit des Dreba-Plothener Teichgebietes.

Ehrenamtlich führt der Ornithologe, der inzwischen im Teichgebiet mehr als 1000 Bekassinen und mehr als 1000 Bruchwasserläufer beringt hat, die Datenerfassung fort. Jeden Tag sind die im Naturschutzgebiet Dreba-Plothener Teiche aufgestellten Uferreusen sechs Mal zu kontrollieren. Ohne Lockmittel bewegen sich die Watvögel hier selbst hinein. Diese werden dann aus der Fangvorrichtung entnommen und erhalten, falls noch nicht geschehen, um das Laufbein einen Metallring der Beringungszentrale Hiddensee. Ferner werden verschiedene Daten erfasst, so unter anderem das Gewicht, die Gefiedermaße und die Schnabellänge. Danach werden die Wasser- und Watvögel wieder in die Freiheit entlassen.

Bedingungen stimmen im Vogelschutzgebiet

Manchen Vogel sieht Jürgen Auerswald auch mehrmals, so verschiedene Wasserläufer oder die Wasserralle, die er laut Dokumentationsbuch vor zwei Wochen beringt hat. Sie wird erneut vermessen und dabei zeigt sich, dass die Flügellänge des Jungvogels zugenommen und sich sein Gewicht von 52,6 auf 80,5 Gramm erhöht hat. Er findet im Dreba-Plothener Teichgebiet also gut Nahrung und entwickelt sich entsprechend.

"Die Ruhe, das Nahrungsangebot und der Wasserstand sind entscheidend. Das bietet das Teichgebiet an und deshalb ist es ein Europäisches Vogelschutzgebiet", erklärt Jürgen Auerswald. Erfassungsdaten wie jene der Wasserralle geben Aufschluss über das Vorkommen von Arten und deren Bestandsentwicklung sowie über den ökologischen Zustand des Landschaftsraumes und seien nicht zuletzt ein nachhaltiger Nachweis für die Anerkennung als Vogelschutzgebiet. Doch mehr als das sei das Ziel der Beringungsprogramme, etwas für die Vogelarten zu tun, die es hier einmal gab und aufgrund verschlechterter Bedingungen zurückgegangen sind, sagt der Ornithologe.

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