Facebook-Märchen: Flüchtlinge sind aus der Wismut-Klinik in Gera geflüchtet

Gera  Über die Sozialen Medien verbreitet sich gerade in Gera das Gerücht, dass kriminell organisierte Flüchtlinge versucht hätten, aus der Wismut-Klinik zu flüchten.

Stockbetten in einem für Flüchtlinge hergerichteten Zimmer im alten Wismut-Krankenhaus in Gera. Foto: Candy Welz/dpa

Stockbetten in einem für Flüchtlinge hergerichteten Zimmer im alten Wismut-Krankenhaus in Gera. Foto: Candy Welz/dpa

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Vergangener Samstagabend, gegen 19 Uhr: Ein Geraer Taxiunternehmen erhält zwei Anrufe. Der Auftrag: Drei Personen sollen von der ehemaligen Wismut-Klinik abgeholt und nach Frankfurt/Main, Mainz und München gefahren werden. Ein Anrufer beauftragt wohl von Mainz aus, der andere direkt aus der ehemaligen Klinik in Gera.

Einen hohen dreistelligen Eurobetrag würde jede Fahrt kosten. Doch Geld haben alle drei Personen nicht dabei. Bei der Ankunft an ihren Zielen sollte der Taxifahrer das Geld bekommen. Aus Sicherheitsbedenken lehnt das Unternehmen ab und warnt in einem öffentlichen Statement vor „der kriminellen Energie dieser Leute“ und deren „organisierten Strukturen“. Im Facebook-Post heißt es, dass eine Flucht geplant war.

Ministerium: das war kein krimineller Vorgang

Doch etwas Kriminelles habe hier gar nicht stattgefunden, erklärt Oliver Will, Sprecher des Migrationsministeriums. „Es kommt immer wieder vor, dass sich Flüchtlinge entziehen“, sagt er – Flüchtlinge seien frei, nicht inhaftiert. Über den geschilderten Vorgang sei dem Ministerium und dem für die Wismut-Klinik zuständigen Landesverwaltungsamt nichts bekannt. „Wer sich einer Registrierung entzieht, der bekommt keine Unterstützung oder Zuwendung durch den Staat. Und wer bereits in der Aufnahme eines Asylverfahrens steckt und nicht anwesend ist, der gefährdet alle weiteren Verfahren.“

Ob sich Flüchtlinge in einer Erstaufnahmestelle entziehen, erfahren die Zuständigen bei der Durchführung medizinischer Kontrollen und bei Anhörungen, die das Asylverfahren betreffen, oder bei der Weiterleitung in andere Einrichtungen.

Einer der Flüchtlinge, der nach Mainz gebracht werden sollte, wollte nach OTZ-Informationen zu seinem Bruder. Gefährlich wirkten alle drei nicht. „Sie waren sehr freundlich“, erinnert sich der Taxifahrer.

OTZ fragte bei diesem, aber auch bei anderen Taxiunternehmen in Gera nach, ob noch ähnliche Fälle vorlägen. Doch meist wurden von keinen Einsätze bei der ehemaligen Wismut-Klinik berichtet. Nur bei einem Unternehmen gab man die Auskunft, bereits Flüchtlinge vom ehemaligen Klinikum zu einem Arzt gefahren zu haben.

Mehr zum Thema: Die ersten Flüchtlinge sind am 13. Oktober in das Wismut-Krankenhaus eingezogen

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