Für den schlimmsten Fall: Im Saale-Orla-Kreis ist man auf einen Tornado vorbereitet

Pößneck  Nachgehakt Am 5. Mai richtete ein Tornado binnen weniger Minuten in Bützow bei Rostock Sachschaden in Höhe von zig Millionen Euro an, am 13. Mai wurde Affing bei Augsburg verwüstet. Ist denn der Saale-Orla-Kreis für einen solch heftigen Fall gerüstet?

Umgefallenen Bäume nach einem schweren Sturm.Foto: Frank Kalla

Umgefallenen Bäume nach einem schweren Sturm.Foto: Frank Kalla

Foto: zgt

„Einen speziellen Alarmierungs- und Einsatzplan für Tornados gibt es nicht“, informiert Kreisbrandinspektor Uwe Tiersch aus dem Landratsamt des Saale-Orla-Kreises. Brauche man auch nicht, denn ein solches Ereignis sei im Grunde genommen eine „große technische Hilfeleistung“.

„Wenn man alle Ereignisse rund um einen Tornado betrachtet, ist festzustellen, dass sich die Hilfsmaßnahmen auf die Rettungs- und Aufräumarbeiten nach dem Durchzug des Sturms konzen­trieren“, so Uwe Tiersch. Was genau zu unternehmen ist, wisse man immer erst danach.

Im Falle eines Falles im Saale-Orla-Kreis könnten sich Fachleute aller betroffenen Bereiche bis hin zur Wasser- oder Energieversorgung „unverzüglich“ im Landratsamt treffen, um abgestimmte Entscheidungen zu treffen. Je nach Lage könne sogar die Bundeswehr eingebunden werden. Die bewährte Basis sei aber, so der Kreisbrand­inspektor, das „flächendeckende System des Brand- und Katastrophenschutzes und der allgemeinen Hilfe durch Feuerwehren in fast jedem Ort“.

Wurde denn im Landratsamt das Geschehen in Bützow und Affing beobachtet? „Natürlich“, sagt Uwe Tiersch. „Jeder, der sich mit Gefahrenabwehr beschäftigt, stellt sich nach solchen Ereignissen die Frage, welche Maßnahmen im Nachgang zu treffen sind.“ Wichtig sei, dass schon vor einem solchen Fall klar ist, wo genau auf welche Hilfen zurückgegriffen werden könne. Eine solche Übersicht liege im Landratsamt vor, sowohl was den Abruf technischer Hilfe als auch der notwendigen Arbeitskräfte betrifft. Mehr als „Manpower und Technik“ sei auch nach den Tornados in Bützow und Affing nicht notwendig gewesen, um die Lagen zu normalisieren.

Von Katastrophen dieses Ausmaßes sei der Landkreis bisher verschont geblieben. Dennoch hätten die Feuerwehrleute von Wurzbach bis Wittchen­stein Erfahrungen mit Stürmen. „Das eine oder andere Mal mussten die Kameraden auch erkennen, wann Einsatzgrenzen erreicht sind und sich die Arbeit auf ein Aufräumen beschränken muss“, stellt Uwe Tiersch in den Raum, ohne Details zu nennen.

Spezielle Einsatzübungen für den Tornado-Fall habe es nicht gegeben, aber ähnliche Trainingseinheiten, etwa eine zum Thema der Menschenrettung aus Trümmergebäuden. Die allgemeine Ausbildung mit Elementen wie „Gefahren erkennen“, „Menschenrettung und Absperrmaßnahmen“ und „Spezialkräfte und andere Unter­stützung nachfordern“ reiche den Feuerwehrleuten als Ersteinsatzkräfte aus, um bei einem Wirbelsturm schnell und richtig handeln zu können.

Wie kann sich denn der Einzelne im Tornado-Fall schützen? „Es gelten die allgemein bekannten Regeln wie bei jedem starken Sturm“, sagt Uwe Tiersch. „Wenn möglich, sollten Gegenstände, die zu Geschossen werden könnten, noch ins Haus gebracht werden“, fügt er hinzu. Und dringend rät er davon ab, aus Neugierde die Wetterkapriole hautnah erleben zu wollen oder sich in Gefahr zu begeben, nur um Bilder von der Windhose machen zu wollen.

Selbst erfahrenen Meteorologen sei es nicht möglich vorauszusagen, zu welchem Zeitpunkt ein Wirbelsturm welche Region heimsuchen könne, resümiert Uwe Tiersch. Mit etwas Pech kann es also auch uns jederzeit treffen.

Zuletzt 2004 ein Tornado im Landkreis

In Deutschland kommt es pro Jahr im Durchschnitt zu etwa 50 Tornados. Die Wahrscheinlichkeit ist in Norddeutschland viel höher als in Mitteldeutschland. 2015 soll es in Deutschland laut www.tornadoliste.de bereits 16 bestätigte Fälle und 31 unbestätigte gegeben haben, darunter Stürme in Nohra (Weimarer Land), Kirchgandern (Eichsfeld), Nobitz (Altenburger Land) und Heygendorf (Kyffhäuserkreis). Für 2014 gibt die Tornado-Liste neun bestätigte und unbestätigte Fälle allein in Thüringen an, darunter die Trichterwolke, die am 30. Juni in Pößneck von Barbara Herzog fotografiert wurde. Ein Tornado wird hinter den Sturmschäden vom 30. Juni 2012 in Pöritzsch, dem Ortsteil von Saalburg-Ebersdorf, vermutet. Den letzten belegten Tornado im Saale-Orla-Kreis gab es am 23. Juli 2004 in Sorna, dem Ortsteil von Dittersdorf.

Im wahrsten Sinne natürlich

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