„Glühwein to go“ nun auch tabu

Erfurt.  Neue Corona-Allgemeinverfügung will alkohol-selige Zusammenkünfte stärker unterbinden. Hohe Zahl an Tests in der jüngsten Zeit

Nicht nur an den Tischen in und vor Gaststätten gibt es keine Getränke mehr. Auch der Außer-Haus-Verkauf von Glühwein und Co. ist nun strikt untersagt.

Nicht nur an den Tischen in und vor Gaststätten gibt es keine Getränke mehr. Auch der Außer-Haus-Verkauf von Glühwein und Co. ist nun strikt untersagt.

Foto: Marco Schmidt

Die Zahl des Tage sage bereits alles aus. 63 Neuinfektionen mit Covid19 innerhalb eines Tages meldet Gesundheitsamtsleiterin Winnie Melzer. Ein Wert, der leider zeige, dass weiter verstärkt in Erfurt gegen die Ansteckungswelle vorgegangen werden müsse. Gehandelt in dem Sinne hat die Stadt tags zuvor. Denn am Dienstag trat eine neue Allgemeinverfügung zur Eindämmung der Pandemie in Kraft gesetzt.

Bürgermeisterin: Alkohol lässt Disziplin bei Einhaltung der Corona-Regeln sinken

Das Regelwerk schließt nun das letzte Schlupfloch für jene Händler und Gastronomen, die in der Vorweihnachtszeit Glühwein ausschenken wollten oder dies auch taten. „Überall, wo Glühwein ausgeschenkt wird, bilden sich Gruppen, die nicht die Grundregeln wie Abstand einhalten“, begründet Anke Hofmann-Domke, die Verschärfung des Teil-Lockdowns. Den zweiten Anlass, noch einmal an die Vorschriften zu gehen, seien Hinweise aus der Einwohnerschaft gewesen, dass bei Serviceleistungen wie Friseur oder Kosmetik die Maskenpflicht teils lax gehandhabt wurde.


Auch wenn die Regeln den Verzehr von Getränken und Speisen an Ort und Stelle untersagt, ist die Thüringer Bratwurst davon ausgenommen. „Die Bratwurst auf die Hand ist kein Problem“, sagt Hofmann-Domke. Mit der Begründung, dass eine Bratwurst zu essen eher nicht der Anlass ist, dass sich mehrere Menschen gesellig zusammenstellen. Was aber beim „Glühwein to go“ der Fall sei.

Infektionen quer durch die Stadt und auch in Schulen und Kitas

Zur Corona-Lage äußerte sich Gesundheitsamtschefin Melzer mit Bezug auf die Beratungen der Pandemie-Stabes der Stadt. Zwar seien die Neuinfektionen immer noch sehr hoch, man könne aber feststellen, dass die damit verbundenen Aktivitäten gesichert seien. Innerhalb der vergangenen Woche seien in Regie des Gesundheitsamtes 1253 Tests durchgeführt. Weitere in Arztpraxen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Infektionen das gesamte Stadtgebiet betreffen und auch sensible Einrichtungen, wie Pflegeeinrichtungen. So gebe es beispielsweise beim Caritas-Altenpflegezentrum einige Fälle, so dass dort im großen Maß getestet werde.

Auch in Schulen wurden aus Vorsicht etliche Klassen in Quarantäne geschickt. Hier komme man dem Wunsch vieler Eltern nach, die sich einen Test für ihre betroffenen Kinder wünschen. Selbst wenn dieser negativ ausfalle, verkürze das aber nicht den Zeitraum, den die Kinder zu Hause bleiben müssten, da man sich am infektiösen Intervall orientiere. Letzterer sei auch der Grund, warum man gezielt erst am 5. bis 7. Tag nach der Begegnung die Tests ansetze, da dann die höchste Konzentration des Virus im Rachenraum bestehe.

Polizei und Ordnungsdienst leiden unter aggressiven Anfeindungen

Ordnungsdezernent Andreas Horn zeichnete ein differenziertes Bild aus seinem Bereich. Einerseits könne man feststellen, dass sich die Mehrheit der Erfurter an die aktuellen Corona-Regeln hielten, anderseits sinke die Akzeptanz dafür, was sich in immer öfter aggressiven Verhalten von einigen Menschen zeige. Sowohl Polizei als auch Ordnungsdienst stellten dies bei ihrer Arbeit fest. Grundsätzlich hätten sich gemeinsamen Streifen aber bewährt.

Und nach wie vor sei die erste Option bei Verstößen, die Männer und Frauen anzusprechen und so etwa das Tragen der Maske durchzusetzen. Nur wenn man keine Einsicht erkennen könne, würden Strafen ausgestellt. Seit Anfang November war dies 59 Mal der Fall. Wobei 16 den Verstoß gegen die Kontaktbeschränkung auf max. zwei Haushalte betreffe, 13 das Nicht-Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung. In 24 Fällen wurden Dinge nicht beachtet. Besonders am Freitag würde man zunehmend Jugendliche beobachten, die sich auf der Straße treffen und sich anschicken Party zu machen. Je nach Fall könne dies aber die Einzelnen 60 bis 100 Euro kosten.